Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 100 (24.12.1894)
- Date
- 1894-12-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1892 Jene hehre Gestalten vergangener Jahrhunderte mochten wohl den Boden gesegnet haben, au' dem sie ihr irdisches Dasein gefristet hatten, woh^ kamen thre heißen Gebete vor oen Thron des Allvaters, ihre späteren Enkel möchten glücklicher als sie und vor jeder Intoleranz gefeit auf Frankreichs reichen Boden ein freudenvolles Dasein dahinleben; allein, das geistige Erbe der Väter sollte hingegen nicht auf heimatlicher Erde gedeihen, sondern in fremde Lande getragen, als segenbringender Samen verpflanzt, sich zur herrlichen Frucht entfalten. Ja, wer mag nur noch den Ort zu zeigen, wo einst die Wlege unserer großen Getstesheroen der Vorzeit gestanden hatte? Wer, die Stelle ihrer ewig denkwürdigen Lehrhäuser zu bezeichnen? Selbst der Ort — wo ihre kö-perliche Hülle nach einem mühe- und qualvollen Leben gebettet wurde, ist spurlos Perloren. Wie klingen die Namen: Paris, Trotzes, Marseille, Orleans, Sens, Lrneville rc. 2c. heute so profan, so nichtssagend gegen frühere Zeiten, wenn man an die blühende ’ddtj mrr rivix denkt, die hier eine Pflanzstätte für unsere mündlich überlieferte Lehre fanden und deren Bestand wohl für ewige Zetten berechnet zu sein schien! Dennoch sind diese Namen durch unsere großen Lehrer mit ehernem Griffel in die unvergänglichen Tafeln der Weltgeschichte etngegraben und die hier angesammelten Schätze ihrer Geistesprodi-kte sind Gemeingut ganz Israels geworden. Wo werden aber diese Schätze gehütet und gepflegt? Nicht etwa an den sonnigen Ufern der Seine und Loire, auch nicht an den Gestaden des Mittelländischen Meeres; weit im fernen, kalten Norden und Nordwesten, dort wo selbst die Namen der großen Spender ignorirt werden, so wie Jenen der Name der heutigen Empfänger unbekannt war. Dort: Eingepfercht in engen Räumen, werden von Tausenden die Schätze der großen Talmuderklärer an den Tag gefördert, erörtert, erläutert, erklärt und tief ergründet. Hier: In Palästen und Prachthallen, wird etwa von einem Urgroßvater erzählt, der es von seinem Urgroßvater hatte, es hätte einmal in Frankreich Juden gegeben, die so völlig unctvtlisirt, anstatt für Handel, Kunst und Wissenschaft, Sinn und Herz zu zeigen, sich mit dem Studium eines unleserlichen Buches ihr ganzes Leben abhärmten und abquälten. **) Diese wechselvollen ironischen Geschicke des **) Daß im Rabbinerseminar wohl auch noch die Hyroglifenschrift dieses unleserlichen Buches dechiffrirt und erklärt wird, dies verlangt das Rabbinermetier. — Ueber diese Institution habe ich s. Z. im Israelit eingehend berichtet. Volkes, sollen uns ein Fingerzeig sein, damit wir nicht verzagen und einem heiligen Versprechen unserer Weisen zuversichtlich entgegenharren: minn nto \jddn by m;riD. Es kehrt sicherlich einst die rmn in ihre alte Herberge zurück. Um die Chancen auf eine solche Rückkehr ist es nun leider herzlich traurig bestellt. Unsere Zeit, mit einer Hand den Deckmantel zarter Schonung um eigene Gebrechen hüllend, um mit der anderen über alles heilig Althergebrachte das zweischneidige Schwert der Kritik zu schwingen, hat sich der fadenscheinigsten Phrasen von Zeitgeist und Zeitströmung dermaßen bemächtigt, daß es eines Wunders bedarf, um sie von diesem gemächlichen: „ll'out va pour le mieux dans le meilleur des mondes.“ aufzurmteln. — In allen Formen und Tonarten wird dieser Eigendünkel besungen und belobt, so daß selbst ernste um die Zukunft besorgte Männer von den schönen Tönen etngeschläfert in eine lethargische Thatlosigkeit verfallen zu sein scheinen. Wenn aber Männer reiferen Alters, theils im frommen elterlichen Hause, theils in den Schulen unserer □Vn einen gegen alle herantretenden Verführungen der Zeit widerstandsfähigen Sinn erlangten, wer bürgt dafür, daß thre Kinder, die ohne min und ohne moy heranwachsen, nicht auch mit dem alles mitreißenden Strom der Zeit nur noch ein mitleidiges Lächeln für Vätersitte finden werden? Wie lange noch wollen wir ein Auge zudrücken und uns mit einigen wenigen Ausnahmen rühmen — Ausnahmen winziger Persönlichkeiten, die zum Thetle noch die Feuerprobe der Jugenderziehung bestanden haben — während die große Masse, theils zufrieden, theils mit blutendem Herzen zusehen muß, daß ihre Kinder den rov öffentlich oder geheim entweihen und in moralischer Beziehung der modernen Pariser Jugend gleichfalls nicht nachstehen? Kip* An Euch Männer kühner That ergeht der Ruf: miynn nnynn Erwachet und blicket um Euch! Diese zarten Pflanzen sind Euren Händen anvertraut, damit sie einst goti nyo sind, nicht etwa, daß sie das ttnpnn^Tirp in französischer Schrift herunterlesen, sondern daß sie begreifen lernen, das ganze jüdische Leben sei nicht anders als um 7121 TiDff tnpm burr zur Verherrlichung und Heiligung des göttlichen Namens! Nur durch Talmud Thora kann dieser Begriff in Fleisch und Blut geimpft werden iineti Tino 7120. Bei dem hellen Lichte der Tmn verschwinden alle Nebel der Leidenschaften. Mögen die hellen Chanukalichter unsere Herren erleuchten, auf daß wir unfern Lebenswandel n jenem Lichte führen, von dem es heißt 2py n’2 #n yn2 7Pt>n 12V. Salomon Kohn.