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Der Israelit · 1894-12-17 · Heft 98 (17.12.1894) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 98 (17.12.1894)
Date
1894-12-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1839 blendend weißer Schürze vor dem Herde in |bcr Küche mit der Zubereitung des Mittagsmahls ibeschäftigt und zugleich die in dem kleinen Hofe spielenden Kinder beaufsichtigend. Ihr ältestes Knd, ein Mädchen von zwöff Jahren, ging ihr hilfreich zur Hand und sah und hörte aufmerksam zu, um das Kochen von der Mutter zu erlernen. Jetzt eilte sie von der Küche in den Hof, um ihr kleinstes Brüderchen, ein dralles Bürschchen von drei Jahren aus der gefährlichen Nähe des Brunnens wegzubringen. Dabei erhielt der kleine Schreihals ein halbes Dutzend Küsse und wurde dann an eine ungefährliche Stelle placlrt und mit Spielzeug versehen. Alsdann ging sie in den kleinen, wohlgepflegten Garten hinter dem Hause, schnitt ein paar Blumen ab, band diese zu einem Sträußchen zusammen und stellte dieses auf den Tisch. Die Mutter sah wohlgefällig dem Thun ihrer Tochter zu; sie freute sich über die Anmuth, mit welcher das hübsche Mädchen jede Thätigkeit verrichtete; sie konnte ihr, trotz ihrer Jugend schon manche Arbeit überlassen. Jetzt ertöite die Schelle am Hofthor und Dr. Pretorius und seine Frau traten ein. Freundlich grüßten sie die Kinder und sahen ein Wülchen ihrem Treiben zu, um alsdann sich zu Tische zu begeben. „Guten Tag, Frau Apolant," grüßten sie die Wirthin, und erkundigten sich nach deren Befinden. Als sie die Blumen aus dem Tische sahen, waren sie von der freundlichen Aufmerksamkeit überrascht und dankten für dieselbe. „Der Dank gebührt meiner Ella," sagte Frau Apolant; „sie hat unser Gärtchen geplündert, um Ihnen eine Freude zu bereiten." Ella nahm den Dank unter Erröthen entgegen und war bald darauf wieder entschwunden. Für keinen Preis hätte sie heute die Speisen aufgetragev, was sie schon öfters gethan. Die Kurgäste wuschen sich die Hände und setzten sich zum Essen nieder. Frau Apolant trug die Speisen selbst auf und unterhielt sich mit ihren Gästen. Ab und zu warf sie einen Blick in den Hof, woselbst die Kinder spielten und drohte mit mit dem Finger, wenn sie allzu lebhaft wurden. So verging das Mittagsmahl den Kurgästen rasch und angenehm, denn die Spüsen, die sie vorgesetzt bekamen, waren vorzüglich zubereitet, so daß selbst der verwöhnte Gaumen des Anwaltes keinen Anlaß zum Tadel fand. Behaglich strich er nach dem Essen über sein Bäüchletn und sprach in singendem Tone das Tischgebet. Als er geendet, rief er den kleinen Knaben herbei, setzte ihn auf seinen Schoß und spielte mit demselben. Der Kleine jauchzte hoch auf und schlang sein Aermchen zärtlich um seinen Hals. „Tuß Leben! ' sagte er und streckte sein rothes Mündchen hin, zog aber gleich wieder den Kopf zurück, als die Haare des Schnurrbartes seine Haut berührten. „Nein," rief er, „tleiner Max teilt Schnurbart haben," und versteckte sein Gesicht hinter seine Händchen. Dr. Pretorius amüstrte sich mit dem kleinen Kerl, und er fragte ihn, ob er mit ihm gehen wolle. Er versprach ihm Bonbons und vieles Spielzeug, aber der Kleine sagte: „N in, bei Papa und Mama beiden." Jetzt fragte er die Mutter, ob sie ihm ihren Jüngsten überlaffen wolle, er solle es gut bei ihm haben. Lächelnd schüttelte sie ihr Haupt und sagte: „Nän, Herr Doktor, solch kleine Gäste können Sie nicht geb rauchen, die würden Ihnen nur Lärm und Unordnung ins Haus bringen. Wir sind daran gewöhnt, aber Sie —" „O, nein", wehrte der Anwalt; „nicht wahr, mein Schatz", wandte er sich zu seiner Frau „so ein kleiner Kerl würde Dir auch gefallen." „Warum nicht?' entgegnete diese. „Wenn Frau Apolant ihn uns überlassen will, will ich ihn an Kindesstatt annehmen." „Ach, Frau Dr., „versetzt" diese, „daS wäre unklug, denn wenn Sie selbst noch Kinder bekämen—" „Darauf haben wir längst verzichtet", entgegnete diese resignirt; „mein eigenes Kind werde ich wohl nie liebkosen." „Sagen Sie das nicht", versetzte die Frau. „Denken Sie an unsere Stammutter Sarah, der im hohen Greisenalter noch Kindessegen zu Theil wurde." Frau Dr. Pretorius erwiederte nichts. Still im Grunde ihres Herzens hegte sie wohl die Hoffnung, daß Gott ihr Gebrt erhören und sie mtt einem Kinde beglücken werde, aber Niemand erfuhr von dieser Hoffnung, selbst ihr Gatte nicht. Nachdem dasEhepaar gegessen und gebetet hatte, zog es sich in seine Gemächer zurück, um der Ruhe zu pflegen. Das Ruhestündchen nach dem Mtttagseffen gab Dr. Pretorius nicht gerne auf. Es war die einzige Zeit des Tages, die er ungestört seiner Frau widmen konnte und in dieser Stunde wurden Dinge besprochen, die weder das Geschäft, noch den Haushalt betrafen. Auch heute begann die Frau Doktor: „Mit der Adoption des kleinen Apolant war es Dr doch nicht Ernst, Du wolltest die Mutter doch nur necken." „So ist es, mein Kind, aber ich wäre nicht erschrocken, wenn die Mutter es für Ernst genom-

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