Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 97 (13.12.1894)
- Date
- 1894-12-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1826 Von ihren Quartkrwirtheri über die Maaßen herrlich bewirthen ließen, indem sie ihnen vorschwindelten, das Bataillon würde diese Luxusspenden schon bezahlen, sie sollten nur hübsch nach Beendigung der Manöver dem Bürgermeister ihre Kostenrechnung präsentiren. Und dieser Schwindel wurde — natürlich — von den vermuthlich arischen Quartierwirthen geglaubt; denn es ist das Wesen dieser Anekdotenlitteratur, daß sie nicht nur eine unge heuere Menge jüdischer Gerissenbeit, sondern 'auch eine mindestens ebenso große Quantität arischer Dummheit konsumirt, was beweist, daß diese Litteratur dem Idealismus huldigt; denn im realen Leben zeichnet sich der Bauer, und der ist doch wohl hier der Vertreter des Arierthums, durch alles eher als durch volle Gläubigkeit aus. Leider aber wacht über dieser in so üppiger Schöne aufblühenden Litteratur der juristische Geist des bekannten Berliner „Denunziantenvereins." Der legte feil samer Weise an diese Erzeugnisse germanischer Volksphantasie den Maßslab der Wahrhaftigkeit, und fand in dem erwähnten Antisemitenmärlein eine Beleidigung der jüdischen Einjährig-Freiwilligen. Der Kriegsminister gab der Denunziation Folge und so gelangte die Sache, wie schon kurz erwähnt, heute an die hiesige Strafkammer. Angeklagt war der frühere verantwortliche Redakteur des „Reichs- Herold", Medelsky, der gegenwärtig in Berlin lebt. Er war weder persönlich erschienen, noch hatte er sich durch einen Vertheidiger vertreten lassen. Die behördliche Untersuchung ergab, daß die Geschichte von den jüdischen Zechprellern völlig erfunden war, und die beklagte Seite hat anscheinend nicht den geringsten Versuch gemacht, den Beweis der Wahrheit anzutretcn. Man ließ sich wehrlos verurtheilen. Der Staatsanwalt beantragte 14 Tage Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte auf 150 Mark und sprach zugleich dem Kriegsminister Publikationsbefugniß zu. Interessanter als der an sich gleichgiltige Fall selbst ist unseres Erachtens die juristische Formalfrage, ob der Kriegsminister wegen einer solchen ohne Namen, Ort und Zeit erzählten Fabel zu einer Beleidigungsklage überhaupt berechtigt ist. Sodann dürfte es lehrreich sein, zu wissen, aus welchem germanischen Gemüth diese ganz geschickt erfundenen Gaunerkniffe stammen. (Fr. Ztg.) Hage« i. W., 5. Dez. In einer Zeit, in welcher die Judengegner sich nicht scheuen, die jüdischen Krieger der letzten drei Feldzüge als wer weiß was für schlechte und unbrauchbare Soldaten hinzuftellen, dürfte es von Interesse sein, ein Urtheil des ehemaligen Landwehroffizters Georg Heinrich Rindfleisch, damals Obergerichtsrath in Celle, später Unterstaatssekretär im Justizministerium, zu hören. — Herr H. Löwenstein in Hagen i. 26. erhielt im Jahre 1870 von dem genannten Offizier das nachfolgende Schreiben, welches ich der Redaktion der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" im Original vorlegte. Es lautet: Artenay bei Orleans, 6. Dez. Geehrter Herr! Ich habe die schmerzliche Pflicht, Ihnen mitzutheilen, daß Ihr Bruder Abraham Löweustein am 28. vor. Mts. den Tod auf dem Lchlachtfelde bei Juranville gestorben ist. Sie werden aus seinen Briefen wissen, daß er sich dazu bereit gefunden hatte, während des Feldzuges die Aufwartung bei mir zu übernehmen. So hat er mir während dieser ganzen schweren Zeit treu und aufopfernd zur Seite gestanden, und dicht an meiner Seite hat ihn auch die tödtliche Kugel getroffen. Er bekam zuerst einen Schutz durch den Hals, und als ich ihm die Hand zum Abschiede reichte und ihn sanft auf die Erde gleiten ließ, erhielt er eine zweite Kugel gerade durch die Stirn, die ihn lautlos verscheiden machte. Friede seiner Asche! Es war ein treuer nnd pfichtergebener Mensch, wie wenige und mein Schmerz um ihn ist aufrichtig und tief. In der Eile des Gefechts habe ich ihm leider nur seine Kriegsdenkmünzen und fein Portemonnaie mit wenigem Inhalt, sowie seine Brieftasche abnehmen können, die letztere aber bei der Hast der Situation aus der Tasche verloren. Seine Baarschaft soll er nach der späteren Aussage seiner Kameraden auf der Brust getragen haben, was ich nicht gewußt. Einige Kleidungsstücke wird er noch in meinem Koffer haben. Wenn ich selbst glücklich aus diesem schweren Kriege nach Haufe komme, werde ich Ihnen zuschicken, was ich von Andenken an ihn habe. Für jetzt schließe ich mit dem nochmaligen Ausdruck meines tiefsten und schmerzlichsten Bedauerns über den schweren Verlust, den Sie an einem so treuen und tüchtigen Bruder erleiden. Rindfleisch, Obergerichtsrath in Celle, z. Zeit Prlt. im 56. I. Rgt. Das vorstehende Schreiben eignet sich besonders jetzt zur Veröffentlichung, da der antisemitischen „Magdeburger Reform", die so gern Urtheile über die jüdischen Soldaten im Kriege bringen möchte, in dieser Beziehung der Stoff ausgegangen zu sein scheint. Vielleicht beginnt sie die neue Serie der Urtheile mit obigem Brief. D. Hartmann Lehrer d. isr. Gemeinde. Briefkasten der Redaktion. Herrn Sofer B. in R. und Andere. Unser hiesiger Soler Herr Holzmann, gibt uns folgendes Rez-pt für ->ILO-Ti,ite an: Um zwei Krüge Tinte herzustellen, nehme ich, wie ich es bei meinem Lehrer in Fulda gelernt: 1 Pfund halbgestoßene Galläpfel, 3/4 Pfund Gummi, welcher in Wasser aufgelöst wird, */2 Pfund Kupserwasser (Vitriol). Nachdem ich diese drei Substanzen in einem Topfe vermengt, gieße ich einen Schoppen Essig, ungefähr ein Glas Bier und noch ca. zwei Liter Wasser hinzu. Auch etwas Zucker menge ich hinein. Man muß die Substanzen öfters henimrühren und so erhält man nach 3—4 Wochen eine tiefschwarze, sehr gute und haltbare iitn Sinte. Will man nur einen Krug oder noch weniger fabriciren, so nimmt man natürlich von allen Theilen entsprechend weniger. Manche DHD'D lassen die Tinte aufkochen, was ich nicht für rathsam halte und auch nicht bei meinem Lehrer gesehen habe.