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Der Israelit · 1894-12-13 · Heft 97 (13.12.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 97 (13.12.1894)
Date
1894-12-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXT, Jahrgang. 97# Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Br. Lehmann in Donnerstag, den 13. Dezember 5655 (1894). Leitender Artikel. Zum sechsnnddreißigsten Jahrgang. Mainz, 12. Dezember. In wenigen Tagen wird der „Israelit" in das sechsunddretßigste Jahr seines Bestehens treten. Es ist eine nach allen Seiten hin ernste, in ihren tiesften Grundfesten erregte Zeit, in welcher wir leben, in der daher eine Verständigung zwischen unfern zahlreichen, über das weite Erdenrund zerstreuten Freunden besonders geboten erscheint. Alles wankt und zittert, nicht nur innerhalb des jüdischen Kreises, sondern weit über dasselbe hinaus, in allen politischen, wirthschaftlichen und wissenschaftlichen Sphären macht sich das „Ende des Jahrhunderts" bemerklich.^ Mitten ° in dieser wogenden, stürmenden undungewöhnlich tief gehenden Erregung ist der „Israelit" sich und seiner Tendenz von dem ersten Tage seines Erscheinens bis auf diese Stunde unerschütterlich treu geblieben. Es sind die höchsten, ewigen, unwandelbaren Wahrheiten, deren Verwirklichung, deren Verbrei/ung und Anerkennung diese Blätter dienen. Es ist vor allen Dingen unsere heilige Thora, ihre rückhaltlose Anerkennung für welche der „Israelit" unentwegt cintritt. Sie ist der Fels, an dem die Wogen und Brandungen der Zeit sich brechen und die ihre Stelle behauptet, wenn auch rings umher alles seinen Halt und Boden zu verlieren droht. qv minn nxn iqhsv min ns? y** Alles in der Welt ist dem Wechsel und der Veränderung unterworfen. Es gibt nichts von dem man sagen könnte: Das ist! denn alles Irdische wechselt Form und Inhalt, Wesen und Charakter wie die Wolke ihre Gestalt wechselt. Eins nur gibt es, von dem man sagen kann: Das ist es, und das ist unsere Thora, die heute noch dieselbe ist, wie sie einst Moscheh den Kindern Israels l übergab, In ihrem Dienste gibt es kein fm de siede, kein Ende des Jahrhunderts. Wer will den Antheil ermessen, den unsere bürgerliche Jahrezählung, die in wenigen Jahren ein Jahrhundert abschließt, an dem gewaltsamen Ende hat, das gerade durch die Erregung der Geister und Spannung der Gemüther von jedem so lange infttnctiv geahnt wird, bis es thatsächlich eingctroffen sein wird. Mit dem Jahrhundert, glauben große Massen, müsse auch der politische Alp, der soziale Druck ein Ende nehmen, unter dem Millionen leiden, und dieser Glaube ist der erste, entscheidende Schritt zu seiner Realisirung. Wenn wir die Krisen und Wehen einer erregten Züt auch voll und ganz mit durchleben, unsere höchsten, heiligsten Anliegen, unser Judenthum, das was es von uns fordert und was es uns gewährt, wird von diesen Zuckungen nicht betroffen. Früh und spät, bevor wir unser Tagewerk beginnen und bevor wir nach Schluß derselben uns zur Rahe niederlegen. begleiten wir unseren zum himmlischen Vater gerichteten Blick mit der^trostbollen Ueberzeugung, daß wenn auch alles sein Ende erreiche, doch dieses selbst von Gottes ehrfurchtgebietender Majestät überdauert wird. .siu -^2' mb niVzo nnw Für unsere socialen, politischen und merkantilischen Verhältnisse und Beziehungen zählen auch wir dem baldigen Abschluß eines Jahrhunderts entgegen. Während wir aber für diese Momente mit unseren Mitbürgern am Ende des 19. Jahrhundert stehen, ist für unsere heiligen, jüdischen, göttlichen Anliegen genau eine dreimal so große Zahl von Jahrhunderten dahingerauscht. Mit ihnen stehen wir bereits im 57. Jahrhundert, hier leben wir in der Mitte des Jahrhunderts und wissen uns weit entfernt von allem, was man sonst unter „fin de siede“ zu begreifen gewohnt ist. Wie liegt doch in dieser Doppelzählung, welche der „Israelit" an der Spitze jeder einzelnen

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