Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1894)
- Date
- 1894-12-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. Beilage ju M 96 des „Israelit". Literarische Umschau. iTP Tempel Gesänge, komponirt von David Rubin, Musikdirektor in Prag. Von bezeichnetem Werke liegt uns der Theil: „Vorabend des Sabbats, Gesänge für Chor- und Solostimmen, 3. revtdtrte Auflage" vor. Daß nach den meisterhaften Schöpfungen unserer Koryphäen aus dem Gebiete des liturgischen Chorgesanges : Sulzer, Naumburg und Lewandowski nur für sehr gediegene Kompositionen dieser Gattung Interesse vorhanden ist, liegt in der Natur der Sache. Wenn es nun Herr Rubin verstanden hat, wette Kreise für seine Kunstprodukte zu begeistern, was ja die in kurzer Aufeinanderfolge wiederholten Auflagen derselben hinreichend dokumentiren, so beweist das eben, daß der geschätzte Komponist bezüglich seiner musikalischen Befähigung obengenannten Größen kaum nachsteht. Die sowohl durch ihre meisterhafte, kontrapunktlsche B-arbeitung sich auszeichnenden Chöre: „L’eho dodi“, „mismor schir“, „ado..j moloch“ u. s. w. müssen in der That jeden Facnmann in Folge ihrer großartigen Wirkung enizücken. Einige Gebetstücke, wie z. B. „Waj’chullu“, elokenu weloke awosenu u. a. m., sind von dem Komponisten in der traditionellen Melodie niedergeschrteben worden. Daß es derselbe für gut befunden, die althergebrachten, allgemein verbreiteten schönen Weisen zu den R.citativen „umaawir jom“, „wenismach“ u. s. w. durch eigene zu ersetzen, die in Folge ihres eintönigen Charakters wenig ansprechend sind, ist das Einzige, was wir an den sonst so hervorragend schönen Kompositionen auszusetzen haben. * * * ♦ 51281 mny isd Von diesem in hebräischer Sprache geschriebenen Werke, das den Oberrabbiner zu Eisenstadt, Salomon Kutna '"j zum Verfasser hat, liegt das erste ca. 10 Bogen starke Heft vor. Dieses Heft macht ein in sich abgeschlossenes Ganze aus und ermöglicht es darum dem prüfenden Leser, sich über Tendenz, Inhalt und Form desselben ein Urtheil zu bilden. Seit langer Zeit hat die heilige Sprache der Propheten nicht so herrlichen, wahren Gcdanken als Hülle gedient! Es ist bewundernswerth, wie hier die alte, feierlich ernste Sprache sich den aus dem vollen, frisch pulsirenden Leben der Jetztzeit geholten Erscheinungen anschmtegt, mit welcher Eleganz sie, die würdige Alte, dem Verj fasser all die psychologischen Feinheiten seiner lebensvollen Gestalten, all die oft entzückenden Linien seiner anmuthigen Kletnmalerei zum Ausdruck bringt. Wir vernehmen da große, gewichtige, das öffentliche und das Einzelleben unseres Volkes, unserer Familie und unseres Hauses betreffende Wahrheiten in den Lauten, die Jesaias Donnerreden in seines Volkes Mitte getragen und fühlen eS dennoch, daß ein eigener Zauber der Anmuth über diesen ernsten Lehren ausgegossen sei, ein sänftigender Hauch der Liebe über diese Gestnnungsstrenge walte. Das kommt daher, weil in "naw mnji« nicht nur Schäden blosgelegt, sondern «ronm nb*iö" Heilung und Genesung aus Gilead's Balsambüchse auf die Wunden gestreut wird. Die heilige Sprache hebt luer die jungen und jüngsten Kinder der Zeit zu sich empor, drückt sie, wie eine Mutter an ihren Busen, belebt sie mit ihrem Odem und erfüllt sie mit ihrem Geiste. Friede und Wahrheit tönen hier in seltenem Gletchklang zusammen. Das ist's, was uns bet der Lektüre dieses Buches so wohlthut. Man merkt es hier jeder Zeile an, daß der Verfasser nicht schön reden und nicht zierlich schreiben, sondern lehren, künden, bessern will, und dabet redet und schreibt er sich uns in Herz und Geist hinein. Es ist wahr, nur wer durch Erziehung und Bildung für die in der Bibel enthaltenen und von den alten Meistern des Talmud und Midrasch dargelegten hohm Ideale einer gotterfüllten Sittlichkeitswelt tief empfänglich geworden und geblieben ist, hat die Fähigkeit die in noxi mny mit gediegener Klassizität gegebenen Ausführungen voll und ganz auf sich einwirken zu lassen. Das Buch ist eben für Männer solcher Gesinnung und Befähigung geschrieben. Der Freund geistvoller Midraschdeutung findet in den zahlreichen glücklich herausgegroffenen Stellen sein Genüge, ohne auch nur ein einziges Mal seinen Anspruch auf exegetische Tiefe und psychologische Treue aufgeben zu müssen. In den Kapiteln über: "oi min, nyntp, m, nnete^, rmy, nat? werden Ideen entwickelt, die von fundamentaler Bedeutung sind und die der verständige, ehrliche tjd der altern Schule gerne zur Richtschnur seines — Geschmackes machen wird. Das Werk ist auch äußerlich schön ausgestaitet und zu dem billigen Preise von M. 1,50 käuflich. Mögen sich recht Viele die Freude dieser Lektüre verschaffen. N. * * -i-