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Der Israelit · 1894-12-06 · Heft 95 (6.12.1894) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 95 (6.12.1894)
Date
1894-12-06
Page
– (sequence 23)
Language
German
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1791 w drückt. Möchten diese Zeilen nur ein wohlgeneigtes Ohr und ein williges Herz finden! — Sei dem, wie ihm wolle, dem jetzigen Zustande muß ein Ende gemacht werden. Unsere erste Pflicht muß sein, dafür zu sorgen, daß womöglich nur geeignete Elemente mit dem wichtigen Amte eines Religionslehrers betraut werden; zweitens ernstlich zu erstreben, daß den Religionslehrern ein menschenwürdiges, anständiges Dasein geboten wird, damit sie so leben können, daß sie ohne Bitterkeit, Kummer, Noth und Sorge ihrem wichtigen Amte vorftehen können; drittens aber auch dafür zu sorgen, daß die Religionslehrer ihre ganze Kraft der isr. Schule und ihrer Gemeinde widmen, d.wch einen methodischen Religionsunterricht die Kinder zu braven Menschen und echten Juden erziehen, die ihr Alles daran setzen, daß die Ehre Israels hochgehalten und tapfer vertheidigt wird. Sind dies nicht Aufgaben und Ziele, die des Schweißes der Edelsten Werth sind? Und leider ist noch gar nichts oder nur sehr wenig von unserer Seite geschehen - viele unserer Collegen leben gleichgültig und unbekümmert für diese Aufgaben dahin. Dieser bcdaucrnswerthen Gleichgültigkeit muß endlich einmal entgegengetreten werden; es soll unsere Aufgaben sein, die richtigen Mittel und Wege zu finden, um den Religionslehrerstand so zu gestalten, daß er wenigstens nicht ungünstiger dasteht, als die anderen Berufe stänke. Ich brauche es nicht auszumalen, wie weh es thut, wenn ein Lehrer 20 Jahre treu und fleißig gearbeitet hat, sich während dieser Jahre nichts erübrigen konnte, nun durch Krankheit dienstunfähig wird, von seiner Gemeinde als unbrauchbar entlassen und auf die Mildthätigkeit seiner Glaubensgenossen angewiesen ist. Ich habe hier kein Phantasiegebtlde vorgeführt, sondern einen jener Fälle aus dem Leben, wie sie leider nur zu oft Vorkommen. Hier muß Wandel geschaffen werden; natürlich kann es nicht Sache des Einzelnen sein, hier reformatorisch aufzutreten, sondern wir alle, Mann für Mann, müssen dabei thätig sein und einen großen Verband der jüd. Religionslehrer bilden, der all sein Können daran setzt, dem Stiefkinds im Lehrerberufe, dem jüd. Religionslehrer zu helfen. Jedoch dürfen wir uns keinen zu großen Illusionen hingcben, sondern wir müssen Schritt für Schritt sicher vorwärts gehen. Rccapituliren wir noch einmal das Gesagte, so ergibt sich: 1. Der junge, zwanzigjährige, unerfahrene Religionslehrer darf nicht mehr so ganz auf sich allein angewiesen sein, sondern muß eine Stelle kennen, wo er Rath und Belehrung findet. 2. Diese Stelle wird vorläufig die Vereinigung sämmtlicher Religionslehrer eines Bezirkes sein, die dafür sorgt, daß a. nur geeignete Lehrkräfte mit dem jüd. Religionsunterrichte betraut werden. I). Die finanzielle Lage der Religionsschullehrer stufenmäßig fortschreitend gebessert wird, c. Für dienstunfähige Lehrer, Lehrer-Waisen und. Wittwen mehr als bisher gesorgt wird. (1. Der Religionsunterricht selbst fruchtbringender und wohlthätiger wirkend erthetlt wird, da der Ehrgeiz und die Thatkraft der Lehrer so viel als möglich angeregt werden soll, e. Auch auf die Gemetndemitglieder ein gröberer Einfluß ansgeübt wird, damit sich jüdtschrs Haus und jüdische Schule, jüdische Elternund jüdische Lehrer harmonisch unterstützen. Es würde wohl nicht lange dauern, bis man es überall merken würde, daß wieder ein frischer, lebendiger Hauch die jüdischen Schulen und jüdischen Gemeinden durchzieht, wenn die jüdische Jugend von den richtigen Männern in den verschiedenen Gemeinden gleichmäßig und methodisch gefördert würde. Ich halte unfern Stand für den berufensten und die jetzige Zeit für die geeignetste, Hand anzulegen, daß wir endlich aus dem langen Schlummer aufwachen und gemeinschaftlich überlegen, wie genannte und noch andere brennende Fragen gelöst und zwar am schnellsten gelöst werden. Drum auf. Ihr Herren Collegen. tretet zusammen und berathet! Halte sich keiner für zu hoch, mit jüngeren Kräften zusammen zu kommen, halte sich aber auch niemand Mr entbehrlich; vielmehr muß die Person zurücktretcn und nur um der hochwichtigen und heiligen Sache willen müssen wir uns vereinen. — (Denken Sie also gl fl. über diese Sache nach und sollte sie Ihren Anschauungen entsprechen, so erbitte ich mir baldigst Ihre Meinung, auf welche Weise wir weiter arbeiten sollen. Wenn die meisten Collegen dies nach reiflicher Ueberlegung thun, wird unserem Streben und Ringen auch der Segen nicht fehlen. Das walte Gott!) * * * Seitdem ich diese Zeilen niederschrieb, hat es sich im Osten schon geregt; die Sonne scheint bald am Horizonte emporsteigen zu wollen. Aber bei uns im Westen deckt noch tiefes Dunkel und nächtliche Stille den Boden. Von Breslau aus soll eine Vereinigung der jüdischen Religionslehrer angebahnt und bewirkt waren. Bald wird auch aus Rheinlands Gauen der Wächterruf ertönen.*) *) Dieser Ruf ist schon längst von einem Comi16 erlassen worden, dem auch der Chefredakteur des „Israelit" beigetreten ist; bis jetzt leider fast erfolglos. Red. d. Bl. f. d. isr. Sch.

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