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Der Israelit · 1894-12-06 · Heft 95 (6.12.1894) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 95 (6.12.1894)
Date
1894-12-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Zweite Beilage ju M 95 des „Israelit". ZeituugSrrachrichteu und Correfpoudeuze». Deutschland. Aus dem Großherzogthum Hesse«. Schon lange wollte ich Ihnen über den Verein zur Unterstützung israel. Seminaristen in Hessen berichten, dessen Vorstand bereits vor längerer Zeit einen kurzen Bericht über seine Thätigkeit veröffentlicht hat, aber ein eigentümliches Gefühl hielt mich davon zurück. Bis zur Eröffnung des Lehrers-Seminars zu Alzey konnten die jüdischen Seminaristen entweder das evangelische Seminar zu Friedberg oder das katholische zu Bensheim besuchen. An beiden Seminaren war nicht in genügender Weise für den Religions- und hebräischen Unterricht gesorgt. Nachdem nun in Alzey ein drittes Seminar errichtet wurde, wies die Regierung alle jüdischen Seminaristen dorthin, weil hier ein Rabbiner amtirt, den sie auch sofort als Religio.islehrer anstellte. Da die Seminaristen mit wenigen Reltgionsstunden in der Woche nicht ausreichen, außerdem auch fleißig hebräisch studiren müssen und nebenbei sich auch im Cantorat auszubilden haben, so mußte ein Fond geschaffen werden, der für diese Unterrichtsgegenstände die nothwendtgen Mittel bewillige, die außerdem für den Lebensunterhalt der Seminaristen in Anspruch genommen werden müssen. Wenn man bedenkt, welche Opfer ein dem jüdischen Lehrfache sich widmender junger Mann bringt (— welche Zukunft einem jüd. Lehrer bevorsteht, davon ein andermal —), so sollte man glauben, daß alle Gemeinden in Hessen gerne bereit wären, etwas für diesen Verein zu leisten. Dies ist aber durchaus nicht der Fall. Das Mitglteder-Verzeichnis führt uns im ganzen Großherzogthum 22 Gemeinden auf, sage in Worten zweiundzwanzig Gemeinden, dazu noch Frankfurt mit 3 Mitgliedern und London mit einem Mitgltede. Geht daraus nicht zur Genüge hervor, welches Interesse die jüdischen Gemeinden ihren einstigen Lehrern entgegenbringen? Und da sollen die Lehrer einen Idealismus im Berufe sich bewahren? Geht mit diesem Jndifferentismus nicht auch jener andere Hand in Hand, daß die Gemeinden nicht für die Zukunft ihrer Lehrer in genügender Weise sorgen. Wir wissen es nur zu gut, welche schwierige Aufgabe in dieser Beziehung viele Gemeinden in heutiger Zeit zu erfüllen haben, aber dürfte es Vorkommen, daß so viele Gemeinden der Ach awa ferne bleiben! Jede Gemeinde müßte eine Summe, je nach ihren Verhältnissen, für diesen Verein in ihr Budget jährlich etnstellen. Dadurch würden die Einnahmen für diesen so segensreich wirkenden Verein sich bedeutend steigern und das käme den Lehrern und indirekt auch den Gemeinden zu gute. Hier muß der Hebel angesetzt werden, sollen noch junge Leute sich diesem schweren, materiell unlohnenden Berufe widmen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest. Anläßlich der am 23. und 24. d. M. stattgefundenen Communalwahlen, wurde der, einer allgemeinen Achtung sich erfreuende hauptstädtische Arzt Dr. Jakob Schächter, zum Stadtrcpräsentant des hauptstädtischen VII. Bezirkes mit 965 Stimmen, erwählt. Besonders hervorzuheben ist bei diesem Aulasse der Umstand, daß die Candidation von einem größtentheils aus Nichtjuden bestehenden Comitö, einstimmig erfolgte. Dr. Schächter, welcher der hiesigen orthodoxen-israelitischeu Gemeinde, seit ihrer Gründung als eifriges Vorstandsmitglied angehört und dem Krankenbesuchs und Uuterstützungsverein „Bikur-Cholim" als Präses vorsteht, ist ein Jehudi in vollem Sinne des Wortes. Die Wahl erregte sowohl hier im allgemeine, als in der Provinz, im Kreise des orthodoxen Judenthums große Freude und erhielt d:r Gewählte von zahlreichen Setten Gratulationskundgebungen. Wir schließen diesen Kundgebungen sreundlichst an und wünschen aus vollen Herzen imt» m! H. L. Vermischtes. Hannover, 27. Nov. Der Abgeordnete Leuß wurde heute trotz der Caution von 10,000 Mk. auf Verfügung det Oberstaatsanwaltes wieder verhaftet. Ferrilleto«. Golumöus und die Juden. (Schluß aus der Belletristischen Beilage zu Rr. 93.) Eine merkwürdige Parallele zu der Betheiligung der Juden an der Entdeckung Amerikas bietet die Geschichte der Entdeckung des Seeweeges naöh Ostindwn. Die wiffenfchaftliche Vorarbeit hatte, wie bereits erwähnt, der gefeierte jüdische Mathematiker und Astrottom Abraham Zacuto gemacht, der nach dem Edikt von Spanien nach Portugal auswanderte, dort der Astrolog des Königs wurde und die Portugiesen in die Lage versetzen half, die Weltherrschaft mit den Spaniern zu theilen. Die weiteren Details find so romanhaft, daß wir die Erzählung des Dr. Kayserling folgen lassen müssen: Nachdem VaSco da Gama in Gegenwart der gesammten Schiffsmannschaft mit dem von ihm hochverehrten Zacuto Rücksprache genommen und Informationen von ihm empfangen hatte, ging er am 8. Juli 1497 von Lissabon aus unter Segel.

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