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Der Israelit · 1894-12-06 · Heft 95 (6.12.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 95 (6.12.1894)
Date
1894-12-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1779 zahl von Erfolgen aufzuweisen, in verschiedenen Fällen sind die Denunziationen die Veranlassung zur Erhebung der Klagen gewesen, in einzelnen Fällen haben sie auch zur Bestrafung geführt. Leider stehen diese wenigen Verurteilungen in gar keinem Verhältniß zu der großen Zahl der Denunziationen. Außer der juristischen Thätigkeit kam noch die starke Versendung von verschied enen Brochüren zur Kenntniß. Nach dem Referate folgte der Geschäftsabschluß, dem wir entnehmen, daß der Verein 1400 Mitglieder in Berlin, 1800 im Reich zählt, eine Gesammteinnahme von c. 17500 Mark, eine Gesammtausgabe von 21800 Mark hatte, also das zweite Jahr seiner Thätigkeit mit c. 4000 Mark Dtfisit abgeschlossen. Demzufolge ist sein Kassenbestand auf knapp 2000 Mark reduzirt. In der Debatte, in der die Leistungen des Vereins von verschiedenen Seiten z. B. Dr. Fränkel, Mansbach er etc. bemängelt wurden, wurde von allen Seiten betont, daß der Verein durchaus jede Tendenz innerhalb der Judenheit ablehne und weder freisinnig noch orthodox in religiöser Beziehung sein wolle. Trotz der Angriffe von manchen Seiten fand der Vorstand die Anerkennung seitens der Mehrzahl der Anwesenden und wurde per Acclamation wiedergewählt. Ungetheilten Beifall fanden die kräftigen Worte des Herrn Dr. Horwitz über die Selbstachtung der Juden, als Juden die mit dem Citat schloffen: „Ntchtswürdig die Nation, die nicht ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre." SchueidemÜhl, 21. November. Vorgestern beging unser allverehrter Rabbiner Herr S. B r a u n seinen achtzigsten Geburtstag, und die Mitglieder der Gemeinde, in welcher der Jubilar seit mehr als 41 Jahren segensreich wirkt, wie die Bürgerschaft unserer Stadt benützten den willkommenen Anlaß, um dem allverehrten Greise ihre Liebe und Dankbarkeit zu bekunden. Nachdem in den Frühstunden ein aus ehemaligen Schülerinnen und Schülern bestehender Chor ein Ständchen gebracht, erschienen im Laufe des Vormittags zahlreiche Gratulanten. Der erste Bürgermeister Herr Wolff, Herr Gymnasialdirektor Braun, Herr Rector Ernst, der erste Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Herr Herz Berliner, der Vertreter des Frauenvereins Herr Franz Herz richteten an den Gefeierten tiefempfundene Ansprachen, in welchen sie seine Verdienste um die jüdische Gemeinde und um die Stadt Schnetdemühl hervorhoben. Am Abend fand ein Festessen statt, an welchem die angesehensten Bürger der Stadt mit ihren Damen theilnahmen. Den Reigen der Toaste eröffnete der Vorsteher der jüdischen Gemeinde Herr Herz Berliner, mit einem Trinkspruch auf Se. Majestät den Kaiser. Der Sohn des Jubilars Herr Dr. M. Braun, Dozent am Rabbiner-Seminar zu Breslau, gab in längerer Rede eine Skizze der Geschichte der hiesigen jüdidischen Gemeinde, deren Entstehen, so weit sich geschichtlich habe feststellen lassen, in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückdatirt (Der vortreffliche historische Effay ist soeben im Drucke erschienen.) Zur bleibenden Erinnerung an den 80. Geburtstag des Herrn Rabbiners haben der Vorstand und die Repräsentanten unserer Gemeinde beschloffen. eine Stiftung tn's Leben zu rufen, welche den Namen „Rabbiner Salomon Braun'sche Stiftung" tragen und deren Zinsen alljährlich am Geburtstage des Jubilars zu wissenschaftlichen oder wohltätigen Zwecken, je nach der Bestimmung des Herrn Rabbiners verwendet werden sollen. Möge unserer Gemeinde der eifrige Seelsorger, der Familie der gute Vater und der Stadt Schneidemühl der treue Bürger noch viele Jahre in ungetrübter Gesundheit und geistiger Frische erhalten bleiben l vetütnro* “ins* '*7. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«. In den nächsten Tagen werden es fünfzig Jahre, seit das „Agemeine österreichische israelitische Taubstummen Jnstitut in Wien" ins Leben gerufen wurde. Aus diesem Anlaffe veranstaltet der Vorstand Sonntag am 2. December im Jnstitutsgebäude eine Feierlichkeit, zu welcher die Mitglieder u. Freunde des Vereines eingrladen sind. Japan. E. Nagasaki, 12. October. Die großen Siege, welche von der kaiserlich japanesischen Armee und Flotte über die Chinesen in der letzten Zeit erfochten wurden, haben auch unter den in Japan lebenden Israeliten eine freudige Stimmung erweckt, und zahlreich waren die Gaben an Geld, Letnenzmg und Lebensmitteln, welche dieselben für die tapferen Krieger und Verwundeten spendeten. Dieser Patriotismus der hierzulande lebenden Israeliten wurde nicht nur von unseren englischen, sondern auch von den japanesischen Blättern gehörig gewürdigt. Die in Japan lebenden Israeliten haben auch alle Ursache mit der Regierung des Kaisers (Mikado) Mutzu-Hito vollkommen zufrieden zu sein, denn, wenn auch derselbe mit seinem Hofe und fast noch seinem ganzen Volke dem Budhismus huldigt, so herrscht doch in dessen Reich die vollste Religionsfreiheit und jeder Einwohner kann sich ungehindert jenem Glauben zuwenden, der ihm am besten zusagt. Bon einem Antisemitismus ist in Japan gar keine Rede, denn erstens find die Israeliten hier zu wenig, um den Neid der Bevölkerung wachzurufen, und dann betrachten die Japanesen die Israeliten als die Vorfahren der Christen, und da letztere Kraft der internationalen Verträge hiet allen nöthigen Schutz finden, so lassen sie auch Erstere mitlaufen. DaS Märchen vom Ritualmord ist den Japanesen nicht einmal dem Namen nach bekannt.

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