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Der Israelit · 1894-12-03 · Heft 94 (3.12.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 94 (3.12.1894)
Date
1894-12-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXV* Jahrgang. M 94. Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orlhodore Zudenlhum. Begründet von Sr. Lehmann in Mainz. Montag, den 3. Dezember 5655 (1894). Leitender Artikel. 3>as Klagelied der „Deöoraß." in. Mainz, den 2. Dezember. Nachdem Herr Dr. Vogelstein das Fiasko der ganzen Reformwirthschaft eingeräumt hat und nun nach der Ursache dafür sucht, leitet er diese mit derWrage ein: „Hatte die Orthodoxie wirklich recht mit „ihrer Behauptung, daß die Reformbestrebungen „sich überlebt haben und von der Mehrzahl der „deutschen Juden als werthlos und schädlich an- „erkannt seiend" „Mit Nichten!" mein^salbungsvoll Herr Dr. Vogelstein. „Denn wäre dem so, dann hätte auch das „rituelle Leben sich nach conservativen Grundsätzen „gestalten und der Besuch derjenigen Synagogen, „in denen die Gebete in alter unveränderter Form „geblieben sind, ein regerer sein müffen. Es „ist aber männiglich bekannt, daß beides nicht „der Fall ist, daß keineswegs eine Bekehrung „der deutschen Juden zu den Anschauungen der „früheren Zeit stattgefunden hat. Es kommen „vielmehr ganz andere entscheidende Momente „in Betracht. „Diese Momente lassen sich in Kürze dahin zusammenfassen: 1. Auf eine fortschrittliche Bewegung folgt stets eine Gegenströmung. 2. Die fortgeschrittenen Rabbiner zogen sich vom Kampfplatz zurück. 1) Uns ist so männiglich das Gegentheil bekannt, daß wir den Nachweis dafür vielleicht einmal zum Gegenstand einer besonderen Darstellung machen. Wie tief muß aber die Abneigung der deutschen Juden gegen da? Reformjudenthum sein, wenn sie nichts von ihm wissen wollen, obwohl keine Bekehrung zu den Anschauungen der früheren Zeit stattgefunden hat. 3. Die große Masse war noch nicht reif. Uebereifer, mangelnde Berücksichtigung und Schonung rief Widerspruch gegen die Reform überhaupt hervor. 4. Mangel an Idealismus, der sich allenthalben fühlbar macht, hat wesentlich auch den Rückgang der Reform verschuldet. 5. Die Verbefferung des Cultus ging vielen Gebildeten zu langsam; getäuscht in ihren Erwartungen gewöhnten sie sich ohne Religion auszukommen. Die Gleichgiltigkeit gegen die Religion im fortschrittlichen jüdischen Lager, die geringschätzige Beurtheilung der religiösen Einrichtungen und Hilfsmittel und das Verzweifeln an ihrer Verbesserungsfähigkeit habe« der Orthodoxie fast kampstos de» Siea verschafft. 6. Das Lasker'sche Austrittsgesetz. 7. Bet Rabbinerwahlen entfalten die Conservativen eine weit größere Rührigkeit als die Freisinnigen. 8. Die Rabbiner haben sich von der Reform zurückgezogen, weil sie sonst bet Bewerbung um erledigte Rabbinate^ unberücksichtigt blieben." Im Begriffe unsere Ansicht auszusprechen über diese neueste *bn N’jön, dieses achtfache Sündenregister, der Zeit, der Rabbiner, der großen Masse, des mangelnden Idealismus, der Legislatur und wie die Mächte alle heißen, die sich verschworen haben, um den Bankerott des Reformjudenthums zu Wege zu bringen, fällt uns ein bekanntes, treffliches Wort von Rabbi Jonathan Etbeschütz ein, das unsere Stellung zutreffender charakterisirt, als es die eingehendste Darstellung vermöchte. Rabbi Jonathan Etbeschütz hatte öfters religiöse Disputation mit einem christlichen Geistlichen, aus welchem sein seltener Scharfsinn verbunden mit einer ungewöhnlichen Schlagfertigkeit immer sieg-

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