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Der Israelit · 1894-11-26 · Heft 92 (26.11.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 92 (26.11.1894)
Date
1894-11-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXV, Jahrgang. HS VS Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodore IudentHum. Begründet von Di*. Lehmann in Mainz. Montag, den 26. November 5655 (1894). Leitende Artikel. I>as Klagelied der „Aeöoray/' I. Mainz, den 26. November. Im Gegensatz zum Siegeslted der Deborah, welches unsere heiligen, prophetischen Bücher enthalten, stimmt die unheilige, in Amerika erscheinende „Deborah" ein Klagelied von Rabbiner Dr. Vögel stein in Stettin an, zu dessen Text wir hiermit Die Noten schreiben möchten. Dasselbe betitelt fich: „Dt eRe formbew egun g in Deutschland," und sein Verfasser versucht mit sauersüßer Miene nach seiner Weise die Thatsache sich zurecht zu legen, daß das Reformjudenthum im Niedergang, ja in offener Deroute begriffen ist, während das orthodoxe Judenthum von Tag zu Tag selbst in solchen Gemeinden mehr und mehr an Boden gewinnt, die ihm Jahre lang den Rücken gekehrt und sich dem Reformjudenthum des Tages in die Arme geworfen hatten. Daß Herr Dr. Vogelstein dabet „hübsch säuberlich mit dem Knaben Absalom umgeht" und alle Misvre seines Zwitterjudenthums den bösen Orthodoxen auf's Kerbholz setzt, kann an und für sich nicht Wunder nehmen, vsm bin r» nyst by. Um diese Thatsache zu constatiren, würden wir keine Feder eintauchen. Sie wiederholt sich so oft, daß man geradezu daran gewöhnt ist, und man gönnt den Verlorenen gern den armseligen Aschentrost, ihren Verlust durch einige Verlegenhettsgründe zu maskiren, wenn cs auch auf Kosten der Wahrheit geschieht. Mit wahren Gründen und reellen Beweismitteln läßt sich ja eine verlorene Sache nicht rechtfertigen. Die Entstellungen, Verdrehungen und Wahrheitswidrigkeiten treten einem hier allerdings in so dichter Masse entgegen, daß man darin einen Grund für drn jedenfalls ungewöhnlichen Umstand zu finden glaubt, daß ein deutscher Rahbiner seine Stoßseufzer über die Reformbewegung Deutschlands in einer amerikanischen Zeitung ausklingen läßt, n*nn inny pTrr» yvb. In Deutschland selber, wo man die Dinge täglich mit eigenen Augen steht, haue das Niemand für baare Münze genommen. Deshalb hat unseres Wissens außer der mit Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinenden „Israelitischen Wochenschrift" von Dr. Rahmer keine jüdisch-deutsche Zeitung davon Notiz genommen. Diese druckt das ganze treuherzig ab „um des vielen Wahren willen", das dieser Artikel enthält. Wir hätten da nebenbei wieder einmal einen Maaßstab für das, was Herr Dr. Rahmer als Wahrheit giebtl „Dem deutschen Judenthum", so beginnt das Vogetstein'sche Klagelied der „Deborah", „gebührt das Verdienst in diesem Jahrhundert die religiöse Reform, namentlich die Reform des Gottesdienstes, angeregt und dieWege geleitet zuhaben." Trotz der Abkürzung, in der wir diesen Satz wiedergeben, enthält er nicht weniger als drei Uncorrectheiten, um einen gelinden Ausdruck zu gebrauchen. Erstens giebt und gab es nie ein deutsches Judenthum. Das Judenthum ist in aller Herren Länder eins und dasselbe. Das Judenthum legt seinen Bekennern dieselben Pflichten auf, ob sie in Berlin, Paris oder London wohnen. Die Juden in Deutschland, Frankreich, England u. s. w. bilden mit Nichten so viel Judenthümer als Staaten, in welchen sie sich vertheilen. Die Juden in Deutschland bilden die deutsche Judenheit, aber nicht ein deutsches Judenthum. — Wenn hier von einem deutschen Judenthum die Rede ist, so ist dies vielleicht nur eine Gedankenlosigkeit, aber sie paßt in das ganze System der Entgöttlichung, Zerstückelung und Abrogtrung des Judenthums, die unter der Flagge des Reformjudenthums betrieben wird. Es ist Zeit, mit diesen schiefen, wahrheitswidrigen Voraussetzungen endlich aufzuräumen, denn nur der Umstand, daß man sie harmlos pafftren läßt, hat

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