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Der Israelit · 1894-11-15 · Heft 89 (15.11.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 89 (15.11.1894)
Date
1894-11-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1659 Todten der jüdischen Gemeinde Freiburg in Frack und Glacehandschuhen begraben? Daß Hoch und Nieder, Reich und Arm an der Pforte eines neuen Jahres, in den gehobensten Momenten des Lebens alle wie Glieder einer großen Familie sich auch äußerlich gleich vor rhrem himmlischen Vater in den weißen Gewändern zusammenfinden, mit welchen sie einst aus der Zeitlichkeit in die Ewigkeit eingehen, kann das so etwas Verwerfliches, Anstandwtdriges sein, daß es hier zum Gegenstand eines Verbots gemacht wird? Kann das Motiv für diese und ähnliche Bestimmungen außer der Laune und Willkür seiner Diktatoren noch sonst eine halbwegs vernünftige Begründung haben? Wenn die Israelitische Gemeinde in Freiburg sich eine solche Synagogenordnung gefallen läßt, dann verdient sie eine solche und ebenso einen Synagogenrath, wie sie ihn nun einmal hat. Gegen ein solches Sammelsurium von Paragaphen, von denen jeder, wie eine Fußangel ausfieht, sich zu schützen, wäre eine Ehrenpflicht aller redlich denkenden Gemeindemitglieder, denen die Würde und Ordnung in der Synagoge wahrhaft am Herzen liegt. Man braucht auch nicht zu den Religiösen der Gemeinde zu gehören, wenn man sich gegen den Geist auflegt, der aus den Paragraphen dieser sog. Synagogenordnung spukt. Ob man zur Reform oder zur Orthodoxie neigt, der gesunde Menschenverstand bäumt sich dagegen, daß man für Aufrechterhaltung der Ordnung in der Synagoge denselben Maßstab anlegt, wie für ein Wachsfigurenkabinett, wo alle Puppen und Figuren je nach dem Schnürchen oder Paragraphen, an dem man zieht, stehen oder sitzen, wie für einen Fröbelschen Kindergarten, in welchem auch wie in der vorliegenden Synagogenordnung das Umwenden, Armauflegen (§ 5), das mehrmalige Hinausgehen und Hineinkommen (§ 12) und noch manches andere untersagt ist. Der Paragraph 13 dieser Synagogenordnung, verbietet alle Handlungen „denen der Charakter einesProtestierensgegendensynagogalen Gebrauch in ne wohnt." Ob die Gemeinde sich wirklich eine solche Bevormundung gefallen läßt, die selbst in Rußland unerhört erscheint? Wir verzichten darauf, die zahlreichen anderen Absonderlichkeiten dieser Synagogen-Ordnung zur Sprache zu bringen. Wem bei den bisherigen Proben die Geduld noch nicht gerissen ist, dem reißt sie auch durch fernere Proben nicht. — Einstweilen ist die Prügelstrafe für Protestirende und Unzufriedene noch nicht vorgesehen. Aber wenn die Freiburger sich fürderhin von ihren Vormündern so weiter gängeln laffen, so werden die Gegängelten und ihre Aufseher gegenseitig gewiß noch viele Freude aneinander haben. Das ist eine moderne Synagogen-Ordnung. — Sie hat jedenfalls das Gute, daß sie nicht den Neid derjenigen rege macht, welche so glücklich sind, nichts derartiges zu besitzen. Zeitungsnachrichten «nd Correspoudenzeu. Deutschland. Frankfurt a. M, 8. Novbr. In den Räumen des D"n *npv - Vereines fand vergangenen Sonntag als Novität des Winterkursus vor zahlreicher Zuhörerschaft die Eröffnung eines Cyklus von Bonrägen über o’^nn statt, welcher sich voraussichtlich auf die Dauer lebhaften Anklangs zu erfreuen haben wird. Der Dozent, Herr Julius Hirsch, ein Sohn unseres unvergeßlichen Rabbiners versteht es, trotzdem er nach eigenem Ausspruch Neuling auf dem Gebiete der Lehrthätigkeit, Herr Hirsch ist Kaufmann, meisterhaft, das Resultat der Forschungen seines großen Vaters, in denen er heimisch ist. weiteren Kreisen mitzutheilen. Hierzu kömmt, daß Herr Hirsch sich als gewiegter Kenner unserer Midraschliteratur erweist und in oft überraschender Weise darthut, wie Dnvrm »-an, die sinnbildlichen der Deutung bedürftigen Aussprüche unserer Mtdraschweisen sich mit den Erklärungen der hervorragenden Exegeten unserer Zeit decken. Aus den Einleilungsworten heben wir die Ausführung des dem Titel „ta^nn" oft auch D’^>n geschrieben, zu Grunde liegenden Gedankens hervor. Dem sing. femin. nfcin entsprechend, meinte der Redner, hätten wir als Titel „rr6nn" erwarten sollen. Ist aber das rnpn nna geschriebene o'^nn* Wort in der That ein Spiegel, welcher die Strahlen der göttlichen Waltungen im Völker- und Einzelleben auffängt und reflektirend zur Anschauung bringt (nVnn von bVn — zurückstrahlen), so übt dieses Wort die beabsichtigte befruchtende Wirkung doch erst da, wo der Menschengeist sich ihm öffnet. Mit anderen Worten: Der Segen des o^.-rn-Buches, welches ja wett über den jüdischen Kreis hinausgedrungen ist, bedarf zu seiner Bethätigung der Bereitschaft des Menschen. Aehnltch motivirt sich die Schreibweise o^n. Die Klänge der Davidsharfe wollen die Menschenerde wecken und emporheben zu jener Höhe, welche das Profetenwort mit dem Namen btnn, Gottesberg. bezeichnet. (d*^pi von — Bodenerhöhung). — Neu war uns auch der Hinweis auf den Zusammenhang von Anfang und Ende des n^nn* Buches, dessen zwei erste und letzte Worte in ihren Anfangsbuchstaben den Gottesnamen '\-ix ergeben, mit welchem bei der ersten Sendung Moses Gott sich als der die Ereigniffe gestaltende Lenker der Völkergeschichte einführt. Von dem tcwn ntw be-

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