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Der Israelit · 1894-11-12 · Heft 88 (12.11.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 88 (12.11.1894)
Date
1894-11-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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und in denjenigen der Griechen keine Erwähnung finden, um so unbegreiflicher ist cs, daß ein Volk in Asien, wo sich die erste Kulturentwickelung vollzogen hat und der Schauplatz denkwürdigster Ereignisse war, ganz unbekannt geblieben sein sollte (die Behauptung, Herodot wären die Türken bekannt gewesen, wird im allgemeinen als Schreibfehler widerlegt und nachgewiesen: Herodot IV, 22 erzählt nämlich: Nach dieser Wüstenei (über den Lendineu) etwas mehr nach Sonnenaufgang zu, wohnen die Thyssageten, ein zahlreiches und eigenes Volk; die leben von der Jagd. Dicht neben ihnen in demselben Lande wobneu Leute, die heißen die Ivqxcu — was irrtümlich Tvpxcu gelesen oder geschrieben wurde). — Andererseits werden die Kimmerer, welche einen Hauptfaktor in der medischen, syrischen, babylonischen und andern in der früheren Zeit bekannten Völkergeschichten, wie aus den alten griechischen und römischen Urkunden und aus den entzifferten syrischen Ketltnschrtften hervorgeht, ausmachen, von den neueren Geo- und Ethnographen kaum erwähnt. Es scheint daher keine zweifelhafte Hypothese zu sein, wenn man einen Völkertheil der gegenwärtig genannten Türken oder Tartaren mit den in der Vorzeit bekannten Kimmerern identifizirt. — Zeitungsnachrichten und Eorresponderrzeu. Deutschland. Dresden. Einen bösen Neinfall haben wieder einmal die antisemitischen Blätter zu verzeichnen, die einen hiesigen Verlagsbuchhändler. Namens Naumburger, heftig angegriffen hatten. Selbstverständlich mußte der Mann ein „Jude" sein, sonst hätten sich die Antisemiten über sein Geschäftsgebahren nicht entrüsten können. Am schärfsten war die „Volksrundschau" ins Zeug gegangen; sie hatte sich einen großen Artikel geleistet und den „Juden" Naumburger mit Haut und Haaren verspeist. Nun stellt sich heraus, daß besagter Naumburger ein Christ ist und einer urgermanischen Familie entstammt, in der auch nicht ein Tröpfchen semitisches Blutes rollt. Ein anständiges Blatt hätte daraus Veranlassung genommen, wenigstens zu erklären, daß die Handlungsweise Naumburgers dem Judenthum nicht zur Last gelegt werden könne. Die Volksrundschau aber schreibt: „Aber Herr Naumburger ist Christ, ist Deutscher! Wie sich die Juden ins Fäustchen lachen werden. Gemach, ihr Herren! Herr Naumburger gehört Euch voll und ganz. Wir haben uns über das Christenthum des Herren Naumburger ei kündigt und die Auskunft erhalten, daß er wirklich einer älteren evangelischen Familie entstamme. So mag er denn nicht körperlich zu den Juden zu rechnen sein; aber seine geistigen Anschauungen weisen desto mehr auf jene Gemeinschaft hin." Dahin muß es kommen. Die Antisemiten entrüsten sich nur, wenn es sich um einen Juden handelt; erwischen sie mal fälschlich einen Christen anstatt eines Juden, so wird derselbe für einen „geistigen Juden" erklärt. Es ist das derselbe Kniff, wonach sie jeden liberalen Manu als „Judenknecht" verschreien.*) Köthen. Unter der Spitzmarke: „Auch eine christliche Sonntagsfeier", berichtet die in Dresden erscheinende „Deutsche Wacht" von hier: „Am Sonntag, den 14. Oktober, waren hier den ganzen Tag die Geschäfte geöffnet und zwar aus dem Grund, weil die jüdischen Geschästsinbaber im Laufe der letzten 3 Wochen mehrere Tage ihre Geschäfte wegen der jüdischen Feiertage geschloffen hatten!!" Zur Erläuterung des tendenziös ausgebeuicten Vorganges mögen folgende verbürgte Thatsachen dienen: Vor etwa acht Wochen ließ hier ein größeres christliches Manufakturwaaren-Geschäft, die Firma H. Sirben eine Petition an die Polizeibehörde zirkulircn, welche bezweckte, von den gesetzlich freistehenden Sonntagen für zwei aufeinanderfolgende Sonntage im Monat Oktober die Erlaubniß zur Oeffnung der Geschäfte zu erlangen. Diese Petition, welche dem hies. kaufmännischen Vereine vorgclegt und von diesem befürwortet worden ist, trägt die Unterschrift von 34 Firmen. Von diesen sind 24 in christlichen und nur 10 in jüdischen Händen. Stuttgart, im Oktober. Das Stadtrabbinat, Herr Kirchenrath Dr. Kroaer, hat an die Gemeindegenoffen ein Rundschreiben versandt, welches das rituelle Schlachten (Schächten) sowie den Koscherfleisch-Verkauf den ReUgronsgesetzen gemäß ordnen und Mißbräuche verhüten soll, und in welchem das Kirchenvorfteheramt auf Grund seiner seit längerer Zeit gepflogenen Berathungen und Verhandlungen tm Einverständnisse mit der König!, isr. Oberktrchenbehörde den Grundsatz aufstellt: „Das rituelle Schlachten und Untersuchen, sowie der Koscherfleischverkauf wird als religiöse Gemeindeeinrichtung erklärt." Charakteristisch für die hiesigen Verhältnisse ist es, daß das als „Grundsatz" aufgestellt werden muß, was, wie die „Allg. Zeitung des Judemhums" meint, in anderen Gemeinden von jeher als selbstverständlich galt. Es wird in dem Rundschreiben bestimmt, daß das rituelle Schlachten und Untersuchen der Thiere von nun an nicht mehr durch die Metzger, sondern nur durch die der Aufsicht des Stadtrabbinats unterstellten und von demselben zugelassenen Personen ausgeübt werden soll, und daß diejenigen Metzger und Fleischwaarenhändler, welche ihren Koscherfleischverkauf der religiösen Aufsicht des Stadtrabbinats unterstellen und Bei gl. unfern eisten Leitartikel in vor. Nummer. Red.

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