Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 88 (12.11.1894)
- Date
- 1894-11-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Deiner edlen und vortrefflichen Gemahlin nichts einzuwenden ist. Wer sie hier stehen sieht in ihrer Reinheit und Unschuld, dem geht das Herz auf bei ihrem Anblick, und wie er auch sonst gesinnt sein möge, er kann nicht anders, als ihr gut sein." Ein beifälliges Grmurmel unterbrach die Rede des Erzbischofs, und durch dieses Beifallszeichen kühner, fuhr er fort. „Es mag vielleicht solche in diesem Staate geben, die einen Anstoß daran genommen haben, daß die erhabene Gemahlin, die Du erwählt, nicht aus christlichem Hause entsprossen, sondern aus dem Stamme der Juden. „Sie aber hat, wie Du uns hast mittheilen lassen, ihren Jrrthum abgeschworen, und ist zu unserem, dem einzig wahren Glauben übergetreten, und die Bibel spricht, daß ein reuiger Sünder dem Herrn lieber ist als viele Gerechte, und so mag es auch mit ihr sein, auch uns ist die reuige Sünderin lieb und Werth geworden. Wmn Du mir, edler Monarch, verstatten willst ein Bedenken geltend zu machen, so wäre es nichts, was ich im Sinne des Volkes von Polen zu sagen hätte, wohl ab:r im Sinne meines Amtes. „Von jeher ist es Sitte gewesen in Polen, daß der Erzbischof von Gnesen den König gekrönt hat und auch ich habe Dir, großer Kasimir, die Krone auf Dein Haupt gesetzt, und Du hast Dich nicht für zu groß gehalten, sie aus der Hand Gottes durch meine Hände zu empfangen. „Mit Freuden hätte ich an diesem Mädchen, das Du zu Deiner künftigen Gattin gewählt hast, die Taufe vollzogen. „Warum, o König, hast Du mich umgangen, und einen gewöhnlichen Möich mit diesem hohen Aufträge beehrt? „Gewiß, ich bin kein Judenfeind, ich habe es in dem Prozesse, in den vor Zriten Esterka, Deine jetzige Gemahlin und ihr Barer verwickelt waren, wohl genug bewiesen, daß ich eher ein Freund, denn ein Feind der Juden zu nennen bin, und das mir über Alles geht die Gerechtigkeit und die Liebe. „Diejenigen Juden aber liebe ich am meisten, die von dem Jrrthum und der Hartnäckigkeit ihres Herzens abgelassen haben und zu der Reinheit der Religion der Liebe übergetreten sind. „Ich muß es Dir gestehen, mein König, daß ich tief und schwer mich gekränkt gefühlt habe, als Du mich umgangen, nicht meiner Person wegen, an der mir nichts gelegen ist, wohl aber meines Amtes wegen, dessen Rechte ich wahren muß für alle meine Nachfolger in dem Herrn, und um zu zeigen, daß es nicht aus Absicht geschehen ist, so möchte ich Dich bitten, laß uns zusammen wallfahrten zum hohen Dome und dort mag vor dem Bilde des Stifters unserer Religion Deine Gattin nieder knieen, und dort will ich ihr im eignen Namen und im Namen Gottes die Krone auf ihr Haupt setzen." Nachdem der Erzbischof seine Rede beendet hatte, entstand wieder ein lebhaftes Sprechen im Saale; für und gegen die Rede des Erzbischofs wurde Partei genommen. Die Geistlichen waren Alle auf seiner Seite, während die Adeligen es nicht gerne sahen, daß nun auch die Geistlichkeit sich aus die Seite des Königs schlug. Der Pan von Wola flüsterte dem von Roßny zu, daß sich vor Allem Volke der König und die Jüdin verpflichten müßten, die Rechte des Adels und des Volkes zu wahren, wie dies vor Kasimir gewesen, ehe sie übereinstimmen würden m't der Handlungsweise des KöitgS. Und der Bischof von Wermeland erhob sich und sprach in demselben Sinne, wie eS sein Vorgesetzter, der Erzbischof von Gnesen geredet. Auch er verlangte nachdrücklich, daß Esther in der Kirche laut vor allem Volke den Gott anbete, zu dem sie Alle beteten, damit Jeder erkenne, daß sie wahr und wahrhaftig ihre Jrrthümer abgeschworen. Er wolle nicht verschweigen, daß etgenthümltche Gerüchte im Lande umher gingen, daß Esther nur zum Scheine die Taufe erhalten habe. Eine Jüdin könne niemals über Polen herrschen und bei aller Treue zum Köaig müßten sie dagegen ankämpfen, so lange noch Athem in ihrer Brust lebe. Alle diese Gerüchte solle Esther zur Unwahrheit machen, dadurch, daß sie das Verlangen des Erzbischofs erfülle. Da stand auch der Pan von Wola aus, der sich die Zeit über mit den Häuptern des Adels berathen und rief laut: „Ja, das verlangt auch der Adel, ich weiß es, die Juden sind schlau und falsch, und von jeher sind sie die geborenen Hasser und Feinde der christlichen Religion gewesen. Esther soll schwören, daß sie nicht allein aus Zwang, sondern aus innigster Ueberzeugung Christin geworden sei, daß fie nicht gemeinsame Sache mit den Juden machen wolle und diese schützen und günstige Maßregeln für sie erwirke; daß nicht allein ihr Körper, sondern auch ihr Geist getauft sei in dem Herrn, daß sie treu zu den Christen halten wolle und vor allen Dingen verlange er, daß der König die Juden, die er in hohe Würden und Aemter eingesetzt, derselben wieder entkleide und daß die günstigen Bestimmungen für die Juden zurück genommen würden. Daß die Verhältnisse wieder dieselben würden, wie sie vor