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Der Israelit · 1894-11-08 · Heft 87 (8.11.1894) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 87 (8.11.1894)
Date
1894-11-08
Page
– (sequence 26)
Language
German
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fungirten Herr Bai Ile, Inspector der Elementarschulen, und Herr Pariente, Director der Allianceschule. Zugegen waren mehrere Directoren der öffentlichen Unterrichtsanstalten, eine grosse Anzahl nichtisraelitischer Lehrer, der Oberrabbiner und die Notablen der Gemeinde. Caifa. Herr Ouziel, Director der Knabenschule, hat vor Kurzem dem Central-Comite eine sehr interessante Mittheilung über die Israeliten von Chefar-Am, einem Dorfe in der Nähe von Caifa, zukommen lassen Anbei einige Auszüge: Chefar-Am ist ein Städtchen von 2 - 3000 Einwohnern; die israelitische Gemeinde zählt nur noch ein Dutzend Familien, aber die älteren Leute behaupten, dass sie ehemals wohl tausend Köpfe stark gewesen sei. Seit zwanzig Jahren haben die dortigen Juden an gefangen, die todte Stadt zu verlassen, um nach Ortschaften zu ziehen, die mehr Erwerbsmittel bieten. Was überdies als Nachweis dafür gelten kann, dass Chefar-Am eine grosse und reiche Gemeinde besass, ist das Vorhandensein einer Art von Stadt, in w elcher sich die Synagoge befindet, und eine lange Reihe von Zimmern, die den Armen der Stadt als unentgeltliche Wohnung dienten. Heute zerfällt dies Alles zu Ruinen, nur die Synagoge ist ziemlich gut erhalten. Obgleich der Tempel nicht älter als hundert Jahre zu sein scheint, behaupten sie, dass in diesem Gebäude der Sanhedr in getagt hat, als es, von Jerusalem und Jabn6 vertrieben, sich in Chefar-Am niederliess, ehe es sich endgiltig in Tiberias niederliess. Als geschichtliches Andenken wird in Chefar-Am die Grotte des Rabbi Jehuda ben Baba gezeigt; dort wäre dieser Rabbi von den Römern überrascht worden, während er in der Torah unterrichtete und mit vier von seinen Jüngern ermordet worden. Es ist dies ein Wallfahrtsort, den sowohl Juden als Christen und Mohamedaner in gleichen Ehren halten. Gleich beim Eingang erhebt sich eine prachtvolle Eiche, die mehrere hundert Jahre zählt und weithin ihren Schatten ausbreitet. Eine Legende hat sie bis jetzt vor der Axt des Holzfällers bewahrt. Man erzählt sich, dass ein Christ einen Zweig davon entfernen wollte und daran hängen blieb, ohne sich los machen zu können. Nichts half, und so versuchte man es durch Gebete. Man liess Priester und Bischöfe kommen, aber umsonst, der Baum gab seinen Mann nicht her. Da kam man darauf, die Juden zu rufen. Dieselben kamen, mit ihrem Rabbiner an der Spitze. Da, als wolle er der jüdischen Religion ein glänzendes Zeugniss geben, verzieh der Heilige deHWMdsr, welcher hatte Hand anlegen wollen an deinen' Baume. Seit dieser Strafe (die Geschichte'wohlweislich nichts über die Zeit, geschehen) werden der Heilige von den Gläubigen aller Gemeinden Nur allein um die Erinnerungen, welche sich Grotte und den Tempel knüpfen, nicht gessenlieit gerathen zu lassen, bleiben nigen Israeliten noch in Chefar-Am, obgleiclfeY die Stadt ihnen nichts bietet. Sie ziehen es ** vor, ihre Zukunft zu opfern, als den Christen oder Mohamedanern jene bescheidenen Monumente einer fernen und ihnen dennoch theuren Vergangenheit zu überlassen. Da die Gemeinde so klein ist, kann sie keinen Schochet bezahlen, daher essen die Israeliten kein Fleisch. Andererseits wachsen die Kinder ohne jede Erziehung heran, ja sogar ohne ihre Gebete lesen zu können. Das Central- Comite hat eine Summe dotirt, um es diesen Leuten zu ermöglichen, sich einen Schochet zu halten, der zugleich die Kinder im Hebräischen unterrichten soll. Konst an tinoßcl. Mehemmed Essad Effendi, Lehrer am kaiserlichen Lyceum, Inspector aller nicht mohamedauisclien und fremden Schulen, hat am 3. Juni d. J. die Knabenschule zu Cousco undj ouk besucht. Er hat die 150 Zöglinge einzeln geprüft, namentlich in der türkis dien Sprache. Ehe er sich bei dem Director verabschiedete, schrieb Mehemmed Essad Effendi in das Klassenbuch: ..Heute habe ich diese Schule besucht und geprüft; die mir von den Schülern auf meine Fragen ertheilten Antworten haben mich geradezu in Erstaunen versetzt. Ich habe den Director und die Lehrer nach Verdienst wegen ihrer Bemühungen, unsere Sprache gut zu lesen, beglückwünscht. “ Smyrna. Vom 3. bis 11. Juli 1. J. haben in Smyrna die Jahressehlusspiüfungen in den Schulen der Alliance stattgefunden. Die Prüfungen in türkischer Sprache haben stattgefunden in Gegenwart 8. E Hassan Fehmi Pascha, unterstützt durch den Unterriclitsdirector Nahil Bey, der Lehrer des I da die und mehrerer hoher Beamten. Der Gross-Rabbiner, der Gemeinderath, die Notablen der israelitischen Gemeinde wohnten denselben gleichfalls bei. Der Vali zeigte sich sehr befriedigt von den Fortschritten der Zöglinge und beglückwünschte die Directoren und das Personal der Anstalt.

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