Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 87 (8.11.1894)
- Date
- 1894-11-08
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1630 Großrabbiner Zadok Kahn und Dreifuß nebst deren Amtssiegel abgedruckt, worin die Arbeit des 8otvr au dou aeeueLI äes eorelixivvuLireZ empfohlen wird. Ich weiß nicht, ob die beiden Herren von dem Gebrauch, der mit ihren Empfehlungen getrieben wird, sehr erbaut sein werden. Ich möchte sogar behaupten, daß sie eine solche Spielerei überhaupt nicht hätten empfehlen sollen. (Wer weiß, ob die Empfehlungen nicht gefälscht sind? Red.) Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Mureck, 18. October. (Der Anttsemiten- Skandal in Mureck.) Vor dem hiesigen Bezirks geeichte fand deute Vormittag die Verhandlung statt über die Ehrenbeleidigungsklage des Landes- Jngenicms Alois Franz Heide gegen den Bürgermeister Anton Mravlag aus St. Leonhard, den Hauptbetheiligten eines seinerzeit sehr viel besprochenen Rencontres, bei welchem der Kläger mit In sulten gröblichster Art ausschließlich aus dem Grunde überhäuft wurde, weil man ihn für einen Juden hielt. Als Landes Ingenieur Heide mit einer Beschwerde über diese Vorgänge in die Oeffenrlichkeit trat, versuchten einzelne Personen den Eindruck dieser Mittheilungen abzuschwächen, und insbesondere wurde Alles aufgeboten, den Jnsultirten von der Betretung des Klagewegs abzuhalten. Allein die verschiedensten Versuche blieben vergeblich. Landes-Jngenieur Heide brachte die Ehrenbeleidigungs Klage nach §. 491 Str. G. ein, welche heute in Anwesenheit des Klägers durch den Advocaten Dr. v. Weben au aus Graz vertreten wird. Die Darstellung des Sachverhaltes, welche in der Klageschrift des Landes-Jngenieurs Heide gegeben wird, deckt sich vollständig mit den Mitthcilungen, welche seinerzeit über diese Skandal Affaire veröffentlicht wurden. Rach durchgeführter Verhandlung wurde Bürgermeister Mravlag der Eürenbeleidigung schuldig erkannt und zu einer Geldstrafe von 25 fl. verurtheilt. vermischtes. Berti», 7. Oktober. Nach nur kurzer Krankheit ist am 6. d. M. der hochgeschätzte Botaniker, Geh- Regierungsrath, Pros. Dr. Nathanael Pringsheim gestorben- Damit ist ein ernstes, nur dem tiefgründigen Forschen gewidmetes Gelehrtenleben beschlossen worden. Der Hingeschiedene war auf den verschiedensten Gebieten seiner Fachwissenschaft thatig, aber mit ganz besonderer Neigung und dementsprechendem Erfolge beschäftigte er sich mit den Mikroorganismen in der Pflanzenwelt und ihren nur durch die Linse des Mikroskops wahrnehmbaren LebenSäußerungen. Ganz mit dem Geist der neueren Forschungsmeihode durchtränkt, studirte Pringsheim — 1823 zu WzieSko in Oberschlesien geboren und in Breslau, Leipzig, Berlin und Paris zuerst als Mediziner, dann als Naturwiffenschafter ausgebildet — die Theorie der Pflanzenzelle und die Befruchtung der Algen; Schriften über diese Themata waren es auch, die dem jungen Gelehrten, der sich im Jahre 1851 in Berlin habilitirt hatte, schon im Jahre 1856 Eintritt in die Berliner Akademie der Wissenschaften verschafften. In jenen Untersuchungen wurzelte auch die wichtige Entdeckung, die allein schon geeignet wäre, dem Verstorbenen einen Platz unter den Großen seines Faches zu sichern. Er stellte sehr bedeutsame Sätze über das Geschlechtsleben der niedrigsten pflanzlichen Organismen auf und richtete dadurch die Aufmerksamkeit der Gleichstrebenden auf ein bis dahin noch unbebautes Feld. Auch wichtige Untersuchungen über das Chlorophyll, jenen Farbstoff, der die grüne Färbung der Pflanzen bedingt und für deren Ernährung eine wesentliche Rolle spielt, sind dem Gelehrten zu danken. Ueberaus zahlreich sind die Schriften, die Pringsheim über Einzelerscheinungen aus diesen seinen Sondergebieten und über andere angrenzende Stoffe veröffentlicht hat. Sie sind größtentheils in den Berichten der Akademie der Wissenschaften und in den „Jahrbüchern für wissenschaftliche Botanik" erschienen, welch' letztere Pringsheim schon im Jahre 1857 herauszugeben begann. Der Hingeschiedene lebte in Berlin, nur mit einer einzigen Unterbrechung in den Jahren 1861 bis 1866, wo er das Lehramt der Botanik in Jena versah und das pflanzenphysiologische Institut gründete, auch darin vorbildlich für seine Fachgenoffen. Das Leichenbegangniß fand am 9. d. M. unter sehr zahlreicher Betheiligung der hervorragendsten Verreter der Wissenschaft, der Akademie und Universität statt. Rabbiner Dr. Maybaum hielt die Grabrede, in der er die Verdienste und die Bedeutung des Dahingeschiedenen in ergreifender Weise schilderte. Wie schon bei seinen Lebzeiten, werden auch nach seinem Tode noch Viele mit dankbarer Erinnerung in seinen Spuren schreiten, und aus den Büchern der Wiffenschast wird sein Name nicht verschwinden. Berlin, 11. Oktober. Der Jugend-Gottesdienst, den die Religionsschule der „Israelitischen Synagogengemeinde (Adatz JiSroel)", wie seit einer längeren Reihe von Jahren, auch an diesem Rosch-Haschanah und Jom Kippur veranstalet hat, war von nahezu fünfhundert Kindern (Knaben und Mädchen) besucht. Hamburg, 9. Oktober. Unsere Synagoge hat dieser Tage einen kostbaren Schmuck erhalten. Aus Anlaß eines frohen Familie festes wurde von dem hiesigen Bankier, Herren C. Schönlank, für die Gememdesynagoge Kohlhöfen ein kostbares Ehrengeschenk gestiftet, nämlich ein Ner Tamid. Dasselbe besteht aus einem Arm und der Ampel. Der Arm welcher eine Fackel trägt, ist aus Kupfer getrieben und fünffach stark versilbert. Derselbe hat ein Gewicht von 45 Kilo. Die Ampel, welche aus *0(7i,0o feinem Silber hergestellt ist und aus der rühmlichst bekannten Werkstätte für kirchliche Kunst von St. Rentrop in Altena (Westfalen) stammt, har, nächst den aus starkem Gold Hergestellen Kelten, ein Gewicht von 10,375 Kilo. Aus diesen Angaben wird man schon den Werth des Geschenkes, welcher nach Tausenden zählt, ermeffen können. Dasselbe wurde am Donnerstag vor dem Feste von dem Oberrabbiner in Gegenwart des gesammten Vorstandes zum ersten Male angezünder. Aus Konstautiuopel schreibt man: Ein großer Brand zerstörte gegen 200 Häuser im Judenviertel Haff-Köy. DaS Feuer brach um 10 Uhr Abends aus und währte einige Stunden lang, durch einen ziemlich heftigen Wind genährt. Da das Viertel ganz aus Holz gebaut ist, so war große Gefahr vorhanden, besonders am Anfang der Feuersbrunst, wo Mangel an Waffer war. Erst nach Eintreffen der regelmäßigen Feuerwehrkorps konnte dem Feuer richtig entgegengetreten werden. Die Opfer des Feuers sind meistens ganz arme Juden.