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Der Israelit · 1894-11-08 · Heft 87 (8.11.1894) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 87 (8.11.1894)
Date
1894-11-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Zweite Beilage zu M 87 des „Israelit". Literarischer Bericht. Handelsgeschichte der Jude« des Alterthnms von Professor Dr. Herzfeld. Zweite Ausgabe: Mit einer biographischen Einleitung vonGustav Karpeles, Braunschweig 1894. Joh. Heinrich Mayer L. u. 334 S. Dieses durch Form und Inhalt sehr anregende Werk rief bei seinem ersten Erscheinen im Jahre 1879 allgemeines Aufsehen hervor. Trotzdem wir uns mit vielen Resultaten derselben durchaus nicht einverstanden erklären können, so sind wir den Herausgebern der zweiten Ausgabe sehr dankbar, daß sie das im Buchhandel vergriffene Werk durch die neue Aflage weiterem Leserkreise wieder zugänglich machen. Herzfeld versucht in seiner Schrift zum ersten Male eine Geschichte des Handels der alten Juden zu geben bis in das talmudische Zeitalter hinab. Dabei hat er Gelegenheit eine ganze Reihe wissenschaftlicher Themen zu behandeln, die das Interesse der Gelehrten und Laien in hohem Grade erregen. Gustav Karpeles schickt im Aufträge der Familie des Verfassers eine 46 Seiten füllende B ogrophie voraus. Wie von ihm nicht anders 511 erwarten, versteht es Karpeles durch seine Darstellung zu fesseln. W r finden nur, daß das Herzfeld gespendete Lob selbst in den Augen seiner Parteigenossen ein zu überschwängliches sein wird. Freunden der jüdischen Literatur können wir das Werk sammt der Biographie empfehlen. Predigten aus dem Nachlasse von Dr. M. Jovl, herausgegeben von Eckstein u. Ziemlich. Band II, Fe stu n d Gelege nheitsreden, Breslau 1894. S. Dchottländer 316 S. Jetzt gehört zu den wenigen Kanzelrednern, deren Predigten nicht nur den Hörer erbauen, sondern auch für den Leser wenig an Reiz verlieren. Auch der zweite Band der nachgelassenen Predigten wird sich bald einen größerer» Leserkreis erobern. Besonders die darin enthaltenden Gelegenheitsreden werden durch die geschichtliche und literargeschichtlichen Erinnerungen erhöhtes Interesse erregen. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Aus der Pfalz, 19. Okt. wird der „Laubhütte" geschrieben: Das religiöse Leben in den kleineren Gemeinden treibt oft wunderliche Blüten, die, wenn der ernste Hintergrund nicht zu allere! Betrachtungen Anlaß böte, das Ergötzen Ihrer Leser bilden würden. So besitzt das Söhnchen eines Vorstandes einer Minimalgemeiude das Kroner'sche Gebetbuch. Der Herr Vorstand liest in demselben S. 236, daß am Sabbatmorgen sieben männliche Personen aufgerufen werden. Flugs wird der Mapthir abgeschafft; denn dies widerspräche ja dem neuen Schulchan Aruch; daß einige Zeilen weiter gedruckt steht, daß am Morgen der Sabbate und Festtage außer den genannten noch einer zu einer Vorlesungaus den Prophetenschriften aufgerufen wird, hat der gute Mann zu lesen vergessen. In einer anderen Gemeinde vermißt man plötzlich, als der Baal Tokea Schofar blasen wollte, beide Gemeindeschofars, die, in ein Tüchlein eingewickelt, immer in der Synagoge aufbewahrt wurden. Alles Suchen war umsonst; die Schofar waren und blieben verschwunden. Zufällig besaß ein Gemeindemitglied noch aus uralter Zeit ein Schofar; dasselbe wurde geholt und die Schofartöne erschallten. Kurz vor Rosch Haschonoh hatte ein vagabundirender Sofer in der betreffenden Synagoge Thorarollen ausgebessert uud da nach seinem Weggänge in seinem Kost- und Logierhause allerlei fehlte, so oermuthet man, daß derselbe auch die beiden Schofar mitsamt dem Tüchlein habe mitgehen heißen. In den meisten Städten der Pfalz finden an Samstagen Wochenmälkte statt und da ist es gar rührend wahrzunehmen, wie die Pfälzer Juden so sehr auf Sühnemitte! für ihre Sünden bedacht sind, daß sie sogar am Bußsabbat Geflügel einkanfen, um nur ja Kaporaus zu haben. Ich erzählte eben ein Stücklein, so von einem Sofer erzählt wird. Ob der Verdacht begründet ist, weiß ich nicht. Dagegen kann ich Ihren Lesern von einem andern Sofer, der zugleich auch Sofer heißt, eine Geschichte erzählen, die vollständig aus Wahrheit beruht. Da schickte mir neulich ein christli^er Banguier ein Kästchen aus Papiermachtz zur Ansicht. Als ich es öffnete, lag eine Miniatur-Sefer Thora mit Mäntelchen und Wimpel darin. Dabei lag ein gedrucktes Circular, worin besagter Sofer männiglich diese Sefer Thora zum Preise von 20 Frcs. anbietet. Das Sefer war eine photographische Nachbildung eines von erwähntem Sofer geschriebenen Miniatursefer. Der besagte Banguier heißt Lehmann, und da es in Frankreich viele Juden gleichen Namens giebt und der Sofer diesen christlichen Lehmann auch für einen Juden gehalten hatte, so hatte er ihm eben seine Offerte gemacht. Auf dem Circular waren zwei Empfehlungsschreiben der

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