Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 86 (5.11.1894)
- Date
- 1894-11-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. HS 8« Der Israelit. Ein EenLral-Hrgan für das orthodore IudenLHurn. Begründet von vr. Lehmann in Mainz. Montag, de« S. November 5655 (1894). Leitender Artikel. Die Wahrhaftigkeit uad die Ethik des Judcnthums. Von Rabb. Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). IX. Ein weiterer Ausspruch im Talmud lautet, daß ein intelligenter Heide, der sich mit der Gotteslehre beschäftigt, selbst dem Hohenpriester gleichgestellt ist (Aboda-Sarah 3)') und die sittlich Frommen unter den Heiden werden ebenso der ewigen Glückseligkeit theilhaftig, wie die Frommen unter den Israeliten (Sanhedrin 105). 0 Ausdrücklicher als im folgenden Satz, der jede andere Deutung ganz ausschließt, kann die Zusammengehörigkeit und der gemeinschaftliche Glaube an den Weltenschöpfer, welcher das Christenthum mit dem Judenthum verbindet, wahrlich nicht ausgesprochen werden. Dieser Satz im Talmud lautet: Jeder, der den Götzendienst verwirft, wird Jude genannt. (Megilla 13, a)3) und gilt als Bekenner des Judenthums. Das codificirte Gesetz des Judenlhums auf diese u. ähnliche Talmudstellen gestützt, sagt daher mit Recht, daß die christlichen Völker, ebenso Bekenner des einzigen Gottes, des Schöpfers des Himmels und der Erde sind, wie die Judenheit, und die Gesetze bezüglich der Heiden auf sie gar keine Anwendung finden. (Orach Chajim, Remah 156.)4) Die Gesetze der Wahrhaftigkeit in unserer Lehre gelten mithin in vollem Maße in Staaten, wo es gar keine Heiden gibt, auch dem Ntchtjuden gegenüber; das ist klar erwiesen und ganz ('j ,?"y) Snj pDD nct nmm poiyi *"dj (i ,(n"p]mn:D)3"njJ7 p'pn DrbtP’ obiyn nuoiN n’ontp (2 .(n"v ,j"» mn» topj mi rrroyanBrsn!?3tp (3 ,y"t£0 pro D’DE? npyatwi nin pn d"dj/ )w (4 0"Jp P’D D’TI miN deutlich ausgesprochen. Darum sind folgerichtig alle Cttate, die wir bisher über diesen Gegenstand vorgebracht haben und die wir fernerhin in dieser Abhandlung Vorbringen werden, auch als den christlichen Glaubensbekennern gegenüber für rechtsgiltig und zu Recht bestehend aufzufassen. Wer dies zu leugnen sich erkühnt, weiß entweder nichts vom Talmud und dem rabbintschen Schriftthum, oder wenn er davon weiß, dann ist er ein bewußter Lügner, Fälscher und Verleumder. Die hervorragendsten Talmudisten, die vornehmsten Vertreter der rabbinischen Literatur, sie lehrten alle in diesem Sinne. Der maßgebendste Talmudcommentar, dessen Aussprüche in der traditionellen Lehre des Judenthums von höchster Bedeutung sind, war Nascht aus Trotzes in Frankreich, der im 12. Jahrhundert wirkte. In seinem Namen lehrte sein Enkel, der große Raschbam, daß die Völker, unter welchen wir jetzt leben, keineswegs als Heiden zu betrachten sind (Abodah Sarah, Rabenu Ascher zu Folie 11* *). Ueberhaupt ist es im Jndenthum strengstens verboten gegen die bestehenden Staatsgesetze zu handeln, gegen die andersgläubigen Mttbrüder treulos zu sein, zu thun oder zu veranlassen, was dem Nichtisraeliten zum Schaden gereichen könnte, sondern ehrlich, wahrhaftig, aufrichtig und in jeder Beziehung gewissenhaft zu sein, darauf hat der Heilige, gelobt sei Er, Israel beschworen. (Gittin 10b und Kethubot lll,a)c). Wie im Handel und Verkehr die Wahrhaftigkeit geboten ist. so ist es auch in Glaubenssachen Pflicht Gewissenhaftigkeit zu üben. Wenn ein Proselyte kommt und will zum Judenthum übertreten, darf man ihn nicht bereitwillig aufnehmen, sondern man muß ihm die Schwierigkeit t5~n55ny^ WDjn '"Lp irpr dm d“3M bttbi (5 .(n“’ rp mt rvray tr'x-o dp py) py naiy irrritp rrapn yptpn (,u"y " pD’j) eon tsroi&m njh (6 .(«"y ,n"*p rrairo) nioisc mö' fW