Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 85 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1590 Heine Jacobson in Steyerberg, ein früheres, langjähriges Mitglied, am 16. November 1881 kurz vor seinem Tode errichtet hatte. Seine Frau, welche das Wohlwollen ihres verstorbenen Gatten unserer Anstalt gegenüber bewahrt und vermehrt hatte, hat das Legat beinhalten und den Vorstand der hiesigen Synagogen Gemeinde mit der Verwaltung desselben betraut. Der Gemeinde-Vorstand hat darauf den bisherigen jährlichen Etats-Zuschuß von 360 Rmk. gestrichen, trotzdem die Repräsentanten die Fortzahlung befürworteten. Daß der Vorstand es in demselben Jahre that, indem die Freunde der Anstalt die Vollendung meiner 5Ojährtgen Lehrtätigkeit feierten, in demselben Jahre, in dem die König!. Regierung der Anstalt durch Gleichstellung derselben mit den Gemeindeschulen einen neuen Beweis ihrer Anerkennung gab, in demselben Jahre, in dem der Vorstand einen Schüler unserer Anstalt als Lehrer an eine Genuindefchule berief, und nachdem der Zuschuß 21 Jahre gezahlt worden war, das mag nur für denjenigen ein Räthsel bleiben, der mit den hiesigen Parteiverhältnissen nicht genügend vertraut ist. Ohne ein Urtheil hierüber auszusprechen. halte ich es nur für meine Pflicht hinzuzusügen, daß ich mich, wie bisher, unbeirrt um die vorhandenen Parteiungen, auch durch das Verhalten des Gemeindevorstandes nicht hindern lassen werde, den Weg zn gehen, den ich für den richtigen halte zur Rettung des Judenthums. Die Signatur unserer Anstalt ist und wird bleiben: Mehr Bildung, mehr Aufklärung über unsere Religion und unsere reine Lehre. Da auch gelegentlich der Debatte über den Zuschuß das alte Mißverständniß von Neuem aufgetaucht ist, gegen das ich seit Bestehen der Anstalt ankämpfe, so wiederhole ich auch hier wiederum, daß unsere Anstalt wohl auch Religionsunterricht crtheilt, aber keine Religionsschule ist im Sinne der hiesigen Gemelndcschulen, sie ist und heißt „Hebräische Unterrichtsanstalt", sie ist mehr als eine Religionsschule, sie ist das was man in unfern alten ehrwürdigen Gemeinden mit einer Talmud-Thora zu bezeichnen pflegte, sie legt das Schwergewicht im Unterricht auf die Quellen der Religion, auf Bibel und Talmud und deren Kommentare, sie gibt dem praktischen Kultus Raum durch Anleitung der Jugend zum Gottesdienst bei selbstständiger Vollziehung aller seiner Funktionen in einer eigenen Synagoge. Gegen eine Verwechslung mit einer modernen Religtonschule muß ich daher nach wie vor entschieden Protest einlegen. Die Einnahmen und Ausgaben deckten sich mit 7476 M. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Die am 3. d. in Wim verstorbene Frau Emilie Singer, geborene Baumgarten, vermachte den größten Theil ihres Vermögens wohlthäügen Zwecken. Sie befolgte damit das Beispiel ihres vor acht Jahren in Budapest verschiedenen Vaters, des durch seine munificenten Wohlthätigkeitsacte bekannten Herrn Ignaz Baumgarten. Die tnsgesammt bei 210.000 fl. bctragenden Legate der Verblichenen vertheilen sich wie folgt: Einem zu begründenden israelitischen Kinderspitale 60,000 fl., dem israelitischen Mädchen Waiseuliause 25.000 fl., dem israelitischen Alters Versorguugshause 30,000 fl., dem israelitischen Blinden Institute 20.000 fl., dem allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummen Institute 20,000 fl., dem israelitischen Spitale 10,000 fl., dem israelitischen Ktiaberr-- Waisenhause 5000 fl., dem israelitischen Mädchen- Unterftützungsvereine 5000 fl., dem israelitischen Theresien-Kreuzerverein 5000 fl., der Ersten Suppen- und Thee Anstalt 1000 fl., dem ungarischen israelitischen Handwerkeivereine zu Budapest 10,000 fl., der Freiwilligen Rettungsgesellschaft 20,000 fl.; außerdem eine Reihe kleinerer Legate für verschiedene wohltätige Zwecke. vermischtes. Rhede, 14. Oktober. Dem Infanteristen Cleffmann, dem Sohn eines hiesigen Bürgers, welcher erst im ersten Jahre in Mörchingen dient, wurde bei^ Gelegenheit des diesjährigen Manövers von Sr. Majestät eine ganz besondere Auszeichnung zu theil. Es ward dem jungen Krieger nämlich von nnserm Kaiser persönlich eine goldene Uhr überreicht und erhielt er außerdem die Schießschnüre. Mitglieder derselben Familie haben sich schon mehrfach im Heere bewährt, so hat der Onkel des besagten jungen Mannes, Herr David Cleffmann sKüster der israel. Gemeinde zu Wesel) die sämmtlichen Feldzüge in Oesterreich und Frankreich ebenfalls als tüchtiger Soldat mitgemacht. Lembera. Der Redacteur der „Drohobyczer Zeitunng A. H. Zupnik wurde bei der Lemberger Landesausstellung von Sr. Majestät dem Kaiser mit einer huldvollen Ansprache ausgezeichnet. Der Kaiser verweilte einige Zeit bei den ausgestellten Objekten und erkundigte sich über die Proserpität und die Ideen des Unternehmens. AuS Paris wird berichtet, daß der Bischof von Blois, Msgr. Laborde, gleich dem Bischof von Vames seinen Geistlichen das Lesen der antisemitischen , lülnn pavolir Drnmonts verboten hat. Man schreibt aus Konstantinopel: Das Ministerium der Moscheengüter hat der Pforte den Antrag unterbreitet, das Mausoleum, welches sich über dem angeblichen Grabe des Hohenpriesters Aaron, des Bruders von Moses, erhebt, aus dem Moscheensonds zu restauriren. Das Grab befindet sich auf dem Berge H?r, in dem einstigen Jdumäa, dem beutigen El-Hadschr., einem Theile der türkischen Provinz Aviibia petraeil. Der pensionirte greise Rabbiner Dr. Jastrvw in Philadelphia hat an den hohen Feiertagen im Tempel „Ahawath Chesed" gepredigt.