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Der Israelit · 1894-11-01 · Heft 85 (1.11.1894) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 85 (1.11.1894)
Date
1894-11-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXV.Jahrgang. Zweite Beilage M M 85 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 20. October. In den antisemitischen Blättern und Zeitschriften bildet die „Beteiligung der Juden an Verbrechen" ein beliebtes Thema. Es werden einzelne Z ffer willkürlich herausgegriffen und derartig gruppirt, daß natürlich die Jaden im Verhältniß zu den Christen das größere Kontingent der Delinquenten stellen. Demgegenüber erscheint es am Platze, die Feststellungen der offiziellen Retchscliminalstatiftik über diesen Punkt einmal näher zu betrachten und dazu bietet sich eine besonders günstige Gelegenheit, da der kürzlich erschienene Jahrgang 1891 der Crimina!stattstik vergleichende Betrachtungen für die 10 Jahre von 1882—1891 anstellt. Diese Berechnungen haben das Ergebniß, daß im Durchschnitt der genannten zehn Jahre von 100,000 strafmündigen Personen der Zivilbevölkerung derselben Kategorie 1153 Verurteilte Katholiken, 963 Evangelische und 784 Juden find. Hiernach ist nicht zu leugnen, daß die Kriminalität bet den Juden im allgemeinen eine geringere ist, als bei den Bekennern der anderen Religionen. Die Reichsstatistik hat sich dann noch die Mühe gemacht. die Kriminalität für einzelne deutsche Bezirke festzustellen, in denen mindestens 1 pCt. der jüdischen Religion angehört. Es sind dies die Bezirke: Marienwerder, Berlin, Posen, Bromberg, Breslau, Oppeln, Cassel, Wiesbaden, Köln, Pfalz, Unteisranken, Hamburg und Unter-Elsaß. Fast ist das Resultat das gleiche, z. B. entfallen in Berlin auf 100,000 strafmündige Personen derselben Kategorie 994 Christen und 612 Juden, in Posen 1014 Christen und 517 Juden, in Wiesbaden 649 Christen und 414 Juden, in Hamburg 949 Christen und 565 Juden. Einzig und allein im Bezirk Oppeln ist die jüdische Kriminalitätsziffer eine etwas höhere als die christliche; dort entfallen nämlich 1214 Juden auf 1181 Christen. Dabei warnten naturgemäß die Herausgeber der Reichsstatistik davor aus diesen Zahlen weitgehendere Schlüffe auf die kriminelle Belastung nach den verschiedenen Religionen zu z ehcn. Denn einmal gibt die Statistik nur Aufschluß, ob ein Verurteilter sich äußerlich zur christlichen oder zur jüdischen Religion hinzugereä net hat, nicht aber über das Maß der inneren Religiosität, und diese wäre es doch, die je nach ihrer Verschiedenheit in verschiedenem Maße vor Verbrechen und Vergehen bewahren sollte. Dieser Umstand läßt sich nicht beseitigen, da die Statistik überhaupt nur an äußerlich erfaßbare Erscheinungen anknüpfen kann. Dann aber müßten gleichzeitig alle andern Faktoren der Kriminalität, Beruf, Alter Geschlecht genau berücksichtigt werden, um etwaige Verschiedenheiten in den Krimtnalitätsziffern auf das Glaubensbekenntniß als solches zurückzuführen. Zur Anstellung derartiger Untersuchungen fehlt es aber bisher an dem genügenden Material. Jedenfalls wird man in der Zugehörigkeit zu einer religiösen oder konfessionellen Gemeinschaft die Erklärung krimineller Verschiedenheiten nur mit der größten Vorsicht und Umsicht suchen dürfen und mit d<m Instrument der Statistik wohl kaum finden können, denn die bei uns verbreiteten Reltgions« und Konfesstons Gemeinschaften unterscheiden sich in ihren Moralvorschriften doch nicht dermaßen, daß ihre Angehörigen dadurch zu einem verschiedenen Verhalten gegenüber den gesetzlichen Vorschriften über Eigenthum, Person und öffentliche Ordnung bewogen werden könnten. Es wäre zu wünschen, daß die antisemitischen Hetzer diese treffenden Ausführungen in der Kriminalstattftik beherzigen und die dort gebotenen Zahlen etwas genauer studiren möchten. Aber vorläufig find leider berechtigte Zweifel vorhanden, ob diese Fanatiker den angezeigten Weg zur besseren Erkenntniß auch benützen werden. Breslau. Dem Jahres Bericht der Hebräischen Unterrichtsanstalt zu Breslau über das Schuljahr 1893/94 von Rabbiner Dr. P. Neustadt entnehmen wir: Was unsere Anstalt angeht, kann ich meine Zufriedenheit erklären mit der Anerkennung, die derselben hier wie auswärts auch von privater Sette entgegengebracht worden ist. Die Zahl der hiesigen Mitglieder ist von 337 auf 396, die der auswärtigen von 402 auf 425 gestiegen. JnSgesammt beträgt demnach die Zahl der beitragenden Mitglieder 821. Besonders zu erwähnen sind drei Legale, welche der Anstalt von drei verstorbenen langjährigen Mitgliedern zugefallen sind, drei edlen Frauen, deren Herz für die religiöse Ausbildung unserer Jugend warm geschlagen hat. Namens der Frau Henriette Schottländer s. A. haben deren Erben Hierselbst 100 Mark übersandt, die Frau Rosalie Können, geb. Mendel in Kempen a. Rh. hat der Anstalt 700 Rmk. vermacht, welche ihr nach Abzug der Gebühren bereits ausgezahlt worden sind. Die Frau Georgine Jacobson, geb. Cohn zu Stolzenau (Hannover) hat der Anstalt ein Legat von 1500 M. verschrieben. Dasselbe geht auf ein Testament zurück, das deren Gatte, der sel. Vorsteher

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