Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 85 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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1585 Die obige Erläuterung des Departements für fremde Culte wird vom „Woschod" als eine Tatsache begrüßt, die wohl im Stande sei, eine Annäherung zwischen der jüdischen Bevölkerung und den Russen herbeizuführen. Namen spielen eben eine Rolle und ein das russische Ohr beleidigender sei kein kleines Hinderniß zur Aufnahme seines Trägers in die russische Gesellschaft. . . Italien. (n) Rom 28. Oktober. Der Generaldirccior der archäologischen Ausgrabungen hier, Commendatore Ciro-Nispl Landi, hat sich dahin geäußert, daß es ihm hoffentlich baldigst gelingen werde, den siebenarmigen goldenen Leuchter (narnpn miio), aus dem heil. Tempel in Jerusalem, den Kaiser- Titus hierher gebracht und bei seinem Triumpheinzuge hier vor sich her tragen ließ, und der dann später, als König Geiserich mit seinen Vandalen die ewige Stadt plünderte, in die Tiber geworfen wurde, damit die Barbaren dieses unschätzbare Kleinod nicht erbeuten sollen, aus dem Schlamme dieses Flusses heraufzuholen. Rom wird so die kostbarste und unschätzbarste Rel'gaie der Welt besitzen. Amerika. New-Nork, 13. Oktober. Die Reise des Rabbiners Dr. Kraus kopf nach Rußland dürfte, wenn sie auch keine andere Erfolge aufzuweisen hätte, als die Berichterstattung eines glaubwürdigen Augenzeugen, von unschätzbarem Wcrihe sein. Schon seine Reiseberichte liefern viele interessante Mittheilungen. So schreibt er aus Odessa: „Während wir Alle in dem Glauben befangen waren, daß der russische Jude selber die Schuld an seinem Leiden trägt, weil er ausschließlich dem Handel sich ergiebt, so habe ich durch persönliche Anschauung die Ueberzeugung gewonnen, daß er mit größerem Eifer und in verhältnißmäßig größerer Anzahl dem Handwerk und dem Ackerbau sich widmet, als die Juden anderer Länder. Außer den 39 Kolonien von Landbauern, welche im südlichen Rußland sich befinden und im blühenden Zustand sind, sagte mir der kaiserliche Aufseher, ein Nichtjude, daß gleich blühende Kolonien in anderen Theilen Rußlands sich befinden. ... In Odessa besteht seit dem Jahre 1864 eine Werkstätte, die in solchem florirenden Zustand ist, wie keine ähnliche in ganz Rußland. Ihre Gediegenheit ist bezeugt durch eine Masse von Medaillen, Preisen und Belohnungen, welche die Regierung der Anstalt anläßlich verschicdener Ausstellungen gewährte. Begleitet von einer Gesellschaft gebildeter Juden stattete ich der Werkstätte einen Besuch ab. Ich fand da ein ausgedehntes Etablissement, in verschiedene Departements eingetheilt, wie z. B. Maschinenbau-Werkstätte, Schmelzhütte, Dampfkesselbau, Schmiede, Bauhütte und Drechslerei. Ungefähr 300 Jungen sind da beschäftigt, nicht als Amateure, sondern wirkliche, harte, ernste Arbeit verrichtend, alle möglichen Aufträge ausführend. Die Lehrer sind alle Juden, darunter einige, die ihre Ausbildung in der Anstalt erhielten. Der Kursus erstreckt sich auf 4 Jahre, nachdem der Zögling 4 Jahre vorher einen Kursus der niederen Elementar-Handfertigkeitsschule durchgemacht hat. Ich sah ihre braunen, bloßen, muskulösen Arme, welche einem Vulkan Ehre gemacht hätten. Der Schweiß, welcher von ihrem berußten Gesicht und ihrer bloßen Brust herabrieselte, gaben beredtes Zeugniß, daß der Jude sein Brod im Schweiße seines Angesichts verdienen kann." Ein anderes Bild von Berditschew: „Das war der traurigste Tag meiner Rundreise. Ich habe Schmutz und Armuth schon früher gesehen, aber noch nie in der Ausdehnung, wie ich sie hier sah. Wohl war ich darauf vorbereitet, ehe ich hierher kam, aber die Wirklichkeit übertraf an bodenlosem Elend alle Erwartungen. Berditschew ist eine Stadt von 70,000 Einwohnern, von denen 65,000 Juden sind, und mit ganz geringen Ausnahmen die schmutzigsten, die ich je gesehen. Unsere schmutzigen Viertel, wie zum Beispiel Chinatown in San Franziska, sind Paradiese im Vergleich. Hier gibt es keine Straßen, kein Pflaster, keine Häuser, keine Werkstätten. Ein Masse einstöckiger Hütten, unregelmäßig zusammengeworfen, durch ein paar Hofräume und Sockgäßchen geschieden, hier und da von einer Kirche und Synagoge unterbrochen, bilden den Haupttheil der Stadt." Berlin. Die Weine der Firma Ern. Stein in Berlin wurden ans der Internationalen Ausstellung für Nahrungsmittel rc. in Dresden neuerdings mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. Es ist dies bereits das dritte Mal in diesem Jahre, daß die Marken dieser Firma auf Nahrungsmittelausstellungen prämiirt wurden, außer in Dresden erhielt sie in Cottbus die goldene, in Kiel die silberne. Medaille holländL. Cac&o wurde mit' der Weltausstellungin Antwerpen 1894 mit dem Prix.“, der höchsten Auszeichnungprämiirt. Eine derartige hohe Anerkennungwurde his jetzt noch keinem liolländ. Fabrikate verliehen; mithin ldeibt Blooker’s (Ateno die feinste Marke.