Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 84 (29.10.1894)
- Date
- 1894-10-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1567 dcckenden Betrag von 300 000 Mk. sucht die Gemeinde die Bewilligung eines städtischen Zuschusses in gleicher Höhe nach. Der Werth des für das jetzige Projekt erforderlichen Geländes einschließlich der aufstehendcn und abzubrechenden Gebäulichkeiten ist zu 300000 Mk. anzurechnen. Die Kommission spricht sich für die Hergabe des Geländes und die Bewilligung eines baaren Zuschusses von 200 OO0 Mk. a fonds perdu aus und empfiehlt die weiter verlangten 10O000 Mk. als Darlehen zu gewähren unter der Bedingung, daß das alte Synagogengebäude an die Stadt abgetreten, wogegen dessen Werth auf das Darlehen in Anrechnung gebracht wird. Die Kommission ging bet dieser Entschließung von der Erwägung aus, daß die Stadt abgesehen von der Betheiligung an den Kosten der Synagogen-Erweiterung in den Jahren 1863/64 von der israelitischen Knltusgemeinde zu deren Kultusbaukosten bisher nicht in Anspruch genommen worden ist, und daß auch die israelitische Bevölkerung bisher in nicht unerheblichem Maße zu den Kultusbaulafttn der übrigen Konfessionen beigetragen hat. Der Gemeinderath beschließt einstimmig, der israelitischen Kultusgemeinde das Gelände unentgeltlich zu überlassen und ihr außerdem einen Baarzuschutz von 200 000 Mk. ä fonds perdu zu geben, unter der Voraussetzung, daß die israelitische Gemeinde sich verpflichtet, der Stadt auf deren Verlangen, das alte Synagogengebäude zu einem noch abzuschätzendcn Abbruchswerthe zu überlassen; dieser Voraussetzung schwebt der Gedanke vor, an Stelle dieser Gebäude einen öffentlichen Platz anzulegen. Der Vorschlag der Kommission vorzüglich der Darlehnsgewährung wird hiernach einstimmig abgelehnt. Amerika. New-Nork. Vor einigen Jahren hat Herr Oscar S. Straus dahier, der frühere Gesandte der nordamerikanischen Freistaaten bei der Pforte und der gegenwärtige Präsident der „Amerikanisch-Jüdischen-Historischcn Gesellschaft", auf Grund umfassender Studien in seinem Werke „The Origin of republican of governement in the United States“ den Nachweis g. liefert, daß die Gründer der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten die Bibel, d. h. die altjüdische Verfassung, zum Muster für ihre Verfassungsform genommen haben. Gewissermaßen im Anschluß an diese auch in's Französische übersetzte Schrift hat jetzt Herr Straus als Ergebniß sorgfältiger Studien das Lebens- und Charakterbild Roger Williams', eines der frühesten Kämpfer für Glaubens- und Gewissensfreiheit, des Gründers von Rhode-Jsland, in einem umfassenden Werke zum erstenmale dargestellt. (Roger Williams, the Pioneer of religions Liberty, by Oscar 8. Straus. New-York, The Century Co. 1894 XIII, 157 S.). Roger Williams, in Wales geboren, studierte auf Wunsch seines Gönners, des großen Rechtsgelehrten Eduard Cocke, unter dessen Führung die englischen Presbyterianer sich eine völlige Organisation gegeben hatten, zuerst Jurisprudenz, widmete sich aber bald, seiner Neigung folgend, dem Studium der Theologie und wurde Caplan in einem kleinen Orte in Esflx. Schon als junger Mann stand er auf Seite der radicalen Puritaner, so daß er, von dem Primas von England, dem päpstlich gesinnten Bischof Land, verfolgt, mit mehreren Anderen sich entschloß, nach Amerika auszuwandern. Aber auch hier gerieth er mit den weltlichen und geistlichen Behörden bald in Conflict: sein ganzes Leben war ein fortwährender Kampf für sein Prinetp, für die Freiheit dcs Glaubens und des Gewissens. Unerschütterlich treu seinem Princkp, wurde er auch ein Anwalt der Juden. Er übte, was bisher nicht erkannt wurde, direkten Einfluß auf die Freiheit, welche ihnen in England eingeräumt wurde, ebensowohl wie auf die freie Stellung, welche sie sehr früh in Amerika genossen. Mit Hugh Peters, dem Sccretär Cromwell's, der schon im Jahre 1648 für den Wiedereintritt der Juden in England seine Stimme erhob, mit Thomas Godwin und Ppilipp Nye, welche Mitglieder der Commission waren, der die von Menasse bcn Israel dem Protector Cromwell überreichte Petition zur Begutachtung überwiesen worden, mit dem Dichter John Milton, der in seiner „Areopagitkca" mit zündender Begeisterung die Freiheit, die Mutter aller großen Gedanken, sowie die Wahrheit als die höchsten Güter der Erde pries, und mit anderen Independenten, welche Gleichheit in allen staatlichen und religiösen Angelegenheiten anstrebten, war er innig befreundet. Und als sich Roger Williams später im Jahre 1653 in England aufhielt, um die Anerkennung der von ihm gegründeten Colonie zu erlangen, reichte er der Commission, in der Cromwell den Vorsitz führte, im Verein mit mehreren Gesinnungsgenossen eine Petition ein, in welcher er völlige Toleranz forderte und in der es u. A. heißt: „ob es nicht die Pflicht der Obrigkeit wäre, den Juden zu gestatten, frei und friedlich unter uns zu leben." Zugleich erhob er für den Wiedereintritt der Juden in England seine Stimme. „Ich erachte es für Pflicht der Obrigkeit", heißt es in einem jener Petition beigelegten Memorial, „niederzuretßen jene abergläubische und gewisssnsängstliche Scheidewand zwischen uns und den Juden und ihnen das freie und friedliche Wohnen unter uns zu gestatten. Wie andere Nationen hat besonders unsere Nation sammt ihren