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Der Israelit · 1894-10-25 · Heft 82-83 (25.10.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 82-83 (25.10.1894)
Date
1894-10-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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y . -,i,, .ij " «»« .- v—'J— XX.S.T, Jahrgang. M 82 & 88. Der Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orlhodore IudentHum. Begründet von Dr. Lehman» in Mainz. Donnerstag, den 25. Oetob er 5655 (1894). Leitender Artikel. Me Wahrheit üöer den Zionismus. VonDr. S. Adler*) ist eine Broschüre erschienen, der wir Folgendes entnehmen: „Nach langem, langem Leiden zeigte dieses Jahrhundert einem Theil der edlen Dulder Gottes Gnade: Einige Nationen, die die Juden bisher gequält, vertrieben, getödtet hatten, nahmen ste in ihre Mitte als gleichberechtigte Staatsbürger auf, die Freiheit war ihnen in dem Lande der Knechtung geworden, sie hörten auf zu klagen; doch ihre Mission vergaßen ste nicht einen Augenblick und priesen nach wie vor Gott, der ste als Priester ausgesandt hatte, seinen göttlichen Namen allerorten durch ihr Bekenntniß zu künden. In inniger Dankbarkeit mühten sie sich seither, nützliche Bürger des Staates zu werden, der ste ausgenommen hatte; im Kriege bewiesen sie sich ebenso wie die übrigen Streiter als tapfere Wehr des Staates, in der Friedenszeit waren sie unablässig thätig, das Staatswohl durch rege Anteilnahme am öffentlichen Leben, durch Erhöhung des eignen und damit auch des Wohlstandes des Staates zu fördern. Mit Fug und Recht nannten sie sich in Deutschland „Deutsche jüd. Glaubens," von den andersgläubigen Brüdern nur durch die Religion getrennt. Die Religion war das ideale Band, das sie nunmehr an die dereinstigen Schicksalsgenossen knüpfte, in gleicher Weise wie die Katholiken und Protestanten aller Länder durch das religiöse Band unter einander verbunden sind. Freilich blieb der Rückschlag gegen die Aufnahme der so lange Unterdrückten und Geschmähten nicht aus. Ein krankhaft gesteigertes Nationalgefühl, das in jedem Menschen, besonders dem geistig *) Assimilation oder Nationaljudenthum. Bei Emil Apolant, Berlin, Markgrasenstr. 60. oder moralisch niedriger stehenden, wohnende Bedürfniß auf andere herabzusehen, die Folgen einer schweren wirthschaftltchen Krists, religiöser Fanatismus neben Neid und Rachsucht — alle diese Momente schweißten in Deutschland eine beträchtliche Menge aneinander, die mit wüstem Geschrei gegen die jüdischen Mitbürger anstürmte. Manchen Erfolg erzielte ihr Toben; das gesellschaftliche Leben haben sie vergiftet, den jüdischen Deutschen den Eintritt in die diesen ebenso wie allen übrigen Staatsbürgern zustehenden Stellungen im Staate, der Verwaltung, dem Heer vorläufig unmöglich gemacht. Und doch wird und muß der Antisemiten Mühen erfolglos bleiben! Glaubt jemand im Ernste, daß sie, und wüchse ihre Zahl noch um das Doppelte und Dreifache, ihren Plan, die Deutschen jüdischen Glaubens unter ein Fremdenrecht zu stellen, zur Verwirklichung bringen können? Ja, es ist zu wünschen, daß dieser schon längst angekündigte Antrag von ihnen vor das Parlament gebracht würde — die Verhandlung über denselben würde kräftig dazu beitragen, dieses sittlich nicht zu rechtfertigende Conglomerat wie Spreu im Winde auseinanderzuwehen! Wir können unbesorgt sein, wir bleiben deutsche Bürger, und wenn auch nicht die gegenwärtige Generation, so werden unsere Nachkommen sich der ungeschmälerten Rechte in ihrem Baterlande erfreuen. Wir haben nur die Pflicht, auch weiterhin in der alten Anhänglichkeit unserem Vaterlande zu dienen, selbst wenn diese Dienste uns nicht die erhoffte Anerkennung, den berechtigten Lohn bringen. Es genügt keineswegs, diesen Dienst in dem Gefühl zu leisten, daß wir nur durch die Uebernahme der Staatsbürgerpflichten zu den staatsbürgerlichen Rechten gelangen; der Dienst muß vielmehr der aufrichtigen Liebe entsprießen, die ein jeder von uns für das Land, dessen Bürger er ist, empfindet, aus dem Bewußtsein hervorgehen, daß des Vaterlandes Ehre und Größe unser höchstes Glück bilden!

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