Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 80-81 (12.10.1894)
- Date
- 1894-10-12
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1512 Türko-rufftchen Krieg in Thätigkekt ist, um Terrainconceffionen zu erlangen. Man gewährte ihnen 5 Donums (etwa einen halben Htctar) pro Person. So gingen denn im Frühjahr 1888 etwa 30 Familien nach Dermendjik im Vtllayet von Aidin, ohne eine Ahnung von den sie erwartenden Schwierigkeiten zu haben. Die neuen Colonisten fingen tapfer zu arbeiten an, indessen waren ihre geringen Mittel bald erschöpft. Da beauftragte die Alliance ihren Vertreter in Smyrna, Herrn Pariente, die Colonie zu besuchen und sie zu unterstützen. Fast alle diese Familien kamptrten im Freien, jedem Wetter ausgesetzt. Herr Pariente vertheilte bedeutende Mittel unter ihnen. Gegen das Ende von 1888 installirte er die Familien in Aidin selbst und ließ ihnen allen eine wöchentliche Unterstützung zukommen, dann ließ er für sie Rindvieh, Sämereien, Werkzeuge kaufen, und es wurde eine große Bodenfläche am Ufer desMeander gepachtet. Man hatte vorher versucht, die Colonisten als Unterpächter bei mohamedanischen Pächtern unterzubringen, aber auch das ging nicht ohne Enttäuschungen ab. Es wurde ein Comitö zur Beaufsichtigung und Leitung der Colonisten ernannt, indessen ließ es dieses Comitö an Eifer fehlen. Die Ernte von 1889 war eine mittelmäßige. Im Jahre 1889 erhielten die Colonisten eine letzte Unterstützung an Geld, Pflügen und Rindvieh. Einigen gelang es bei Pächtern Beschäftigung zu finden, andere blieben in Aidin oder kamen nach Smyrna. Seitdem haben die Colonisten weiter gearbeitet, ohne sich entmuthigen zu lasten; indessen haben sie mehrere schlechte Ernten noch nicht zu einer unabhängigen Stellung kommen lassen. Dre meisten der armen Leuten haben ihr geringes Hab, welches sie in das Unternehmen gesteckt, aufgezehrt, und ihre Zukunft wäre entgtltig verloren, wenn man ihnen nicht Hilfe brächte. Es wäre schade, einen so interessanten Versuch scheitern zu lasten, und das C. ComtlL der All. wird binnen kurzem über die Frage zu verhandeln haben. Italien. Reggio d' Emilia, 24. September. Der bekannte Komponist, Baron AlbertoFranchetti, ein Neffe der Rothschild, dessen Familie aber hier ansässig ist, hat das hiesige Stadttheater gepachtet, in dem er nun Musteraufführungen von Opern veranstalten wird. M a r o c c o. Aus Marokko sind in Spanien nähere Nachrichten über die Unruhen bet Marrakesch eingegangen. Danach fanden Ausschreitungen nicht in Marrakesch selbst, sondern in verschiedenen, östlich am Fuße des Atlas gelegenen Ortschaften statt. Dort sollen kleine jüdische Mellahs bestehen, gegen die sich namentlich die Vorksmuth richtete. Mehrere Händler sollen ihr zum Opfer gefallen sein, während man sich bet anderen mit Plünderung der Läden begnügte. Einige jüdische Frauen sollen als Sklavinnen verkauft worden sein. Eine andere Ursache der Unzufriedenheit bildet dort einer der sich in Marrakesch aufhaltenden Gouverneure. Er hat die Kabylen von Rajanca, Chembran und Kiuta gegen sich, und diese scheinen nach der Stadt gezogen zu sein, um seine Bestrafung oder Auslieferung durchzusetzen. vermischtes. Berlin, 30. September. Der „Vorwärts" schreibt: „Irgend ein beliebiges Judenhetzblatt, das wir nicht nennen wollen, um ihm keine Reclame zu machen, bringt folgendes „Gedicht": Einst sprach der Kaufmann Isidor Cohn Des Morgens zu seinem würdigen Sohn: „Hast Du den Tabak auch schon benetzt, Die Butter genug mit Kartoffeln versetzt? Hast in den Zucker Du Kreide gelegt, Cigarrenholz in den Zimmet gesägt, Die Rosinen mit Steinchen und Reisern vermengt, Den Branntwein gehörig mit Wasser getränkt? — Wenn nach dem allen Du hast gesehn, Dann komm, dann wollen wir beten gehen! Das „Gedicht" ist bis auf die erste und letzte Zeile eine ziemlich wortgetreue Uebersetzung aus dem Englischen, und zwar einiger Verse aus einem vielleicht hundert Jahre alten Gassenhauer zur Verspottung scheinheiliger, augenverdreyender christlicher Krämer. Natürlich ist der „Isidor Cohn" antisemitisches Fabrikat, ebenso wie das „beten gehn" am Schluß an Stelle des go t<> church — dann laß uns in die Kirche gehn! — steht, was natürlich zum „Isidor Cohn" nicht paßt, aber für manchen antisemitischen „teutschen Mann" sicher gut passen würde. Anzeigen. "wa Für den folgenden Thcil ist die Redaction nicht verantwortlich. SFtAAvkfovtA a. 9TL friiWwyrifr. 4$. scfuv&t x>vloitbe/üte vyt.