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Der Israelit · 1894-10-12 · Heft 80-81 (12.10.1894) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 80-81 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Mette Keil.?u M 80 & 81 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu Deutschland. Berlin, im Oktbr. Herr Dr. Böckel. der seinen hessischen Wirkungskreis unter so eigenthümlichen Umständen verlassen hat, verwendet seine „hervorragende Kraft" jetzt in der hiesigen „Deutschen Reformpartei". Gestern Abend hielt er in einer Versammlung einen Vortrag, über den weiter nichts zu sagen ist. Nachdem er unter großem Beifall geendet, legte der antisemitische Gastwirth Bodeck die Gründe dar, die Dr. Böckel veranlaßt hätten, Marburg zu verlassen und nach Berlin überzusiedeln. Es sei, sagte der Redner nach dem Bericht der „Staatsb.-Ztg.", Herrn Dr. Böckel nicht möglich gewesen, dort feine materielle Position zu behaupten. Die antisemitische Partei müsse Männer auf den Schild erheben, die wahr, offen und frei gegen die Schäden unserer heutigen Zeit austreten; deshalb dürfe Dr. Böckel der guten Sache nicht verloren gehen. Ein kleiner Kreis von Freunden sei bereits zusammengetreten und habe das seinige gethan, damit die Wogen nicht über dem Haupte Dr. Böckels zusammenschlagen." Eine Erklärung, die ebenfalls recht tief, vielleicht noch tiefer blicken läßt, als die Bodeck'sche, giebt der Fraktionsgenoffe Böckel's Abg. Köhler, über dessen — Rückzug aus Hessen. Er sagt u. A.: „Es ist Thatsache, daß Herr Dr. Böckel durch seine „ehemaligen Freunde", die Abgeordneten Bähr, Btndewald, Htrschel, Köhler, Rtpper und sämmtliche Vertreter der Ortsgruppen des mitteldeutschen Bauernvereins genöthigt worden ist, den Vorsitz niederzulegen; daß für Dr. Böckel sich in der Versammlung keine einzige Stimme erhob, er aber auch nirgends angegriffen oder beleidigt und überhaupt sehr großmüthig und schonend behandelt wurde; daß diese Vorbedingungen unbedingt erforderlich waren, da die Zustände in Marburg durch Dr. Böckel's einzig eigene Schuld unhaltbar und lebensgefährlich für das Wetterbestehen der Partei und des mitteldeutschen Bauernvereins geworden waren: daß Dr. Böckel's „ehemalige Freunde", damit sind insbesondere gemeint die Abgeordneten Bähr, Btndewald, Hirschel, Köhler und Rtpper, dazu tausende treuer Parteigenossen, nicht aus „Bosheit" handelten, als sie Dr. Böckel zwangen, aus Hessen fortzugehen, vielmehr, daß das Vorgehen dieser „ehemaligen Freunde" ein Werk der unbedingten Nothwendigkeit war, um die Partei in Hessen und den mitteldeutschen Bauernverein vor dem sonst sicheren Untergänge zu bewahren." So Herr Köhler. Soweit wir die hier in Betracht kommenden Herren kennen, wird man wohl noch mehr und vielleicht noch Interessanteres über den Fall hören. Berlin, 30. September. Die „Voffische Ztg." schreibt: Die Synagoge in der Heidereutergaffe kann zum jüdischen Neujahr dieses Jahres den 180. Jahrestag ihrer Einweihung feiern. Sie war die erste öffentliche Synagoge in Brandenburg-Preußen. Den aus Wien im Jahre 1671 aufgenommenen Juden waren bis dahin nur Privatsynagogen gestattet gewesen. Die Aeltesten hatten ein Grundstück am Neuen Markt zu dem Bau erworben, aber die Geistlichen der Marienkirche protestirten dagegen. König Friedrich Wilhelm I. war nicht so engherzig. Er erschien mit dem Hofe zum Weihefefte des Gotteshauses. Daß für ihn als tüchtigen Geschäftsmann dabei etwas herauskommen mußte, ist freilich selbstverständlich. Er forderte für die Bauerlaubniß von der Gemeinde 3000 Thaler für seine Nimmersatte Rekrutenkasse. Das war bitter. Aber der König resolvirte kurz: „Wenn sie nicht bis Sonntag zahlen, soll die Ltebmannin (die Inhaberin der bisherigen Synagoge) die Schuhl haben." Nach erfolgter Zahlung aber war der König sehr gnädig. Er erschien zur Einweihung in dem festlich geschmückten Gotteshause, am Eingänge von dem Gemetndevorstand ehrfurchtsvoll begrüßt. Er brachte sogar ein Angebinde mit, einen Teppich aus dem Schlosse, ein Antiquität aus der Zeit Kurfürst Johann Georgs. Dieser hängt noch heute als Vorhang vor der Lade mit den Thorarollen. Der Rabbiner sprach ein hebräisches Gebet für den König, die Festrede hielt einer der aus Wien Etngewanderten, der hochbetagte Htrschel Benjamin Frankel. Eine Tafel mit einem Segenswunsche für den König, die Königin und das königliche Haus verewigt das denkwürdige Ereigniß. Alsheim, 1. Oktbr. Letzten Donnerstag, 27. Seplbr., beging Herr Lehrer Marx hier seinen 70 jährigen Geburtstag. Der Gesangverein „Sängerbund", dessen Dirigent derselbe seit 1848 ist, brachte Abends vorher ein Ständchen mit Lampions und Fackeln. Am folgenden Tag überreichte der isr. Vorstand im Namen der Gemeinde einen Lustre mit einer Ansprache. Herr Wertheimer aus Heldenbergen, Vorsitzender des israelitischen Lehrervereins unseres Landes, dessen Vorstandsmitglied und Mitbegründer der Jubilar ist, gratulirte, dann überreichte Herr Lehrer Gabriel aus Offenbach Namens mehrerer Kollegen und Freunde einen prachtvollen silbernen Pokal. Der Vorstand der „Achawa", Verein zur Unterstützung htlfsbedürfttger isr.

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