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Der Israelit · 1894-10-12 · Heft 80-81 (12.10.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 80-81 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. M 80 & 81. Der Israelit. Et« Eentrat-Hrgan für das orthodore IudenLHum. Begründet von Dr. Lehman» in Mainz. Freitag, den 12. O etober 5655 (1894). Wir geben heute eine Doppel-Nummer, da des hl. Suttoth-Festes wegen die nächste Nummer, wiederum eine Doppcl-Nummer, Donnerstag, 25. Oktober erscheint. Leitender Artikel. Die KoschanotH von Bezilks-Rabbiner Dr. Ehrman» in Baden (Schweiz). Es ist eine tief charakteristische, merkwürdige jüdische Eigenthümlichkeit, daß sich mitten im Vollgefühl der Freude die Bitte um Hilfe aus dem bewegten Herzen ringt. Daß sich an den Priestersegen -,212' sofort die Bitte um seine Erhaltung *pD«n knüpft, ist einleuchtend. Es wäre auch psyhologisch erklärlich, wenn die freudig erregte Brust von dem Gedanken an die Möglichkeit durchzittert würde, diese Freude könne einmal aufhören. Aber wofür wir um Hilfe zu bitten hätten gerade am Feste unserer Freude, gerade wenn die Blüthen und Früchte, welche uns reifen durch den Feststrauß in unseren Händen ihren symbolischen Ausdruck finden, das sprechen eben die Gebete aus, welche unter dem Namen Hoschanoth uns auf die Höhe jener Seelenstimmung geleiten möchten, die mitten in der Freude Gott um Hilfe anruft. Das womit Menschen sonst geholfen ist, wenn sie nach Hilfe rufen, Besitz und Genuß, das kann nicht Gegenstand der Hilfe sein, um die unsere herrlichen, von glühender Begeisterung getragenen Hoschanoth ausschauen. Wenn ein Funke von dem Geiste, den diese Hoschanoth athmen, in die Brust ihrer Beter fällt, dann geht ihnen eine Ahnung davon auf, wie nicht Besitz und Genuß, sondern die richtige oder falsche Verwendung von Besitz und Genuß reich oder arm macht. Wenn ein David, Gold, Silber und alle Schätze der Welt aufgehäuft hat, so hält ihn dies nicht ab von seiner Armuth zu sprechen, so lange es ihm versagt ist, sie für den Zweck zu verwenden, für welchen er sie gesammelt hat. (Chron. I C. 22. V. 14.) Im Besitz der Wohlthaten, womit ihn Gott überhäuft hat. fühlt sich Vater Jakob klein (I B. M. E. 32. V. 11). Es ist die Anschauung, aus welcher der 67. Psalm um den Segen Gottes bittet nachdem die Erde ihren Ertrag bereits gegeben hat, die somit zu bitten anfängt, wenn andere zu wünschen und zu bitten aufgehört haben. So lange Jemand in Armuth und Dürftigkeit nach Gottes Hilfe ruft, so lange bittet er für sich. Wer aber zur Zeit der Freude Gottes Hilfe erfleht, der erfleht sie für Gott, für Gottes Anliegen auf Erden. Für einen solchen geht die Bitte um Gottes Hilfe in Sehnsucht auf, daß es ihm vergönnt sein ryö« mit allen ihm verliehenen Mitteln und Güterm mit allem Genießen und Versagen, Gottes Ziele auf Erden zu fördern. Das ist die Freude und daS Lebensglück, die nicht durch die Größe oder Kleinheit unseres irdischen Besitzes bedingt sind, das ist die Seligkeit, die jeden von ihr Erfüllten zum n'«-r<i2 mpn^ t]m» zum Mitarbeiter an Gottes Weltschöpfung macht, das ist der Gedanke,'^er unser >yDN,i jn unser Erntefest zu unnc» im,.- zur Zeit unserer Freude umwandelt. — Für diese Anschauung ist Gott und sein Wille der Ausgangspunkt unseres ganzen Lebens und Strebens, dafür sind uns die irdischen Güter geworden, damit wir sie im Sinne und dem Willen Gottes gemäß verwenden. Dafür bitten wir Gott um Einsicht und Hilfe. Um diesen Gedanken concreten Ausdruck zu geben, nehmen wir die Gaben aus Gottes Natur, den Feststrauß mit seinen Pflanzen und Früchten, wie ihn Gott selber uns gereicht. Während der Egoismus draußen zuerst an sich denkt, für sich und nur für sich sorgt, reichen wir die Lebensgüter, deren symbolischen Ausdruck wir in Händen tragen zuerst der Welt, bevor wir sie an uns ziehen, heben sie zuerst himmelwärts, bevor wir sie der Erde zuwenden, bieten das was Gott unseren Händen über-

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