Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 79 (4.10.1894)
- Date
- 1894-10-04
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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für das Orthodoxe KuderrthumÄ -OM 0 5ES^ 4. Oft. 1894 ] lNr 8. FhTigp^i» r^x (f’■ Die Veefiitzrrung. Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) „Ich Haffe ihn mit der ganzen Kraft meines Herzens und werde ihn Haffen, so lange ich athme, so lange noch ein Tropfen Blut in meinen Adern rollt, denn er hat meine Jugend vergiftet, mir das Glück meines Lebens geraubt, mich elend gemacht, kurz ich Haffe ihn." „Aber der Haß ist eine Sünde. Gott selbst hat uns verboten, unfern Nebenmenschen zu Haffen und wer einst von dem Richter der Welt Vergebung erhofft, der muß seinem Nebenmenschen das Unrecht verzeihen, das dieser ihm etwa angethan. So verlangt es unsere heilige Religion." „Es ist nichts Neues, was Du mir sagst. Wohl weiß ich, daß nur der auf eine seliclio hoffen darf, der sich mit seinem Nebenmenschen versöhnt, bevor der Tag der Versöhnung mit Gott erscheint; ich habe mich mit Niemand zu versöhnen, ich lebe mit Niemand in Feindschaft außer mit ihm. Diese Feindschaft ist aber so groß, daß selbst der Tod sie nicht auszulöschen vermag, denn wenn ich vor ihm sterben sollte, will ich nicht —" „Schweige und versündige Dich nicht. Was er Dir auch gethan haben mag, wenn er bereut, was er Dir gethan und Dich um Verzeihung bittet, so bist Du verpflichtet, ihm zu vergeben. Der Mensch soll nicht strenger richten als Gott selber und Er verzeiht selbst dem größten Sünder, wenn er —" „Ich weiß, was Du sagen willst. Aber ich kann nicht. Meine Natur ist nun einmal so und ich kann sie nicht ändern." „So kann ich ihm keine andere Botschaft bringen?" „Keine andere als ich Dir gesagt." „So leb wohl, und mögest Du nie bereuen, mich heute so fortgeschickt zu haben." Der Herr, der diese Worte in traurigem Tone zu seinem Gefährten sprach, mochte ungefähr dreißig Jahre zählen. Er war ein starker Mann von echt orientalischen Typus. Kohlschwarzes, sorgfältig gescheiteltes Haar bedeckte den interessanten Characterkopf, dunkle Augen glühten in dem intelligenten Antlitz und gaben demselben Seele und Leben. Jetzt, da er sich traurig von seinem Gefähcten abwandte, glänzte eine Thräne in denselben, die jedoch nicht von ihm bemerkt wurde. Sein Begleiter war etwas kleiner, von gedrungener Gestalt, lebhaft und beweglich. Sein Antlitz trug strenge Züge, welche in der Schule des Lebens noch verschärft worden waren. Man sah ihm an, daß er ein energischer Character war, der einen gefaßten Entschluß auch bis zu den letzten Consequenzen durchführte. Er blickte dem Davonschreitenden nach, stampfte mit dem Fuße auf die Erde und sagte: „Was er mir gethan, kann ich ihm nicht verzeihen und sollte selbst ein Engel für ihn bitten. Gott weiß es, und er wird mir ein milder Richter sein." Der Unversöhnliche, Hermann Beit war sein Name, war einer der geachtetsten Kaufleute in M. Er hatte klein angefangen und sich durch seine Energie und strenge Rechtlichkeit, durch seinen Fleiß und sein freundliches und zuvorkommendes Wesen emporgearbeitet, so daß sein Name, einer der geachtetsten unter den Kaufleuten in M. war. Verschiedene Ehrenämter, die man ihm anbot, schlug er aus, denn sein Geschäft gestatte ihm nicht — wie er sagte — seine Kräfte zu zersplittern. Er