Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 79 (4.10.1894)
- Date
- 1894-10-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. Zweite Beilage?tt M 79 des „Israelis. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Berlin. Mit dem am ll. d. M. hier verstorbenen Rentner S. N. Speier ist eine stadtbekannte Persönlichkeit Berlins aus dem Leben geschieden. Herr Speier, der ein Alter von 84 Jahren erreichte, war seinem Beruf nach Kaufmann und ertheilte auch Unterricht im Rechnen und kaufmännischer Buchführung. Seinen Stammbaum konnte er bis in das 17. Jahrhundert zurückführen, und seine Vorfahren gehörten zu den ersten aus Wien nach Berlin eingewanderten Israeliten. Einer seiner Vorfahren erwarb sich dadurch ein besonderes Verdienst, daß er den noch vorhandenen alten jüdischen Begräbnißplatz in der großen Hamburger Straße begründete, der mit seinen zahlreichen Grabmälern und alten Grabstätten berühmter Personen eine Sehenswürdigkeit Berlins bildet. Spandau, 16. September. Bet all' dem Für und Wider in der „Schächtfrage" wird es von Interesse sein, zu vernehmen, daß die hiesige Königl. Militär-Konserven-Fabrik bei der Polizei um die Erlaubniß eingekommen ist, schachten zu dürfen, was deshalb nöthig ist, weil die Tödtung durch Halsschnitt ohne vorherige Betäubung im hiesigen Schlachthofe nur für das jüdisch-rituelle Schächten gestattet ist. &o erweist sich immer mehr, daß unserer rituellen Schlachtmethode hinsichtlich ihrer Hygiene nicht nur von den Vertretern der Wissenschaft, sondern auch von allen den Männern der Praxis der Vorzug gegeben wird, welche vorurtheilsfrei genug sind, ihr Urtheil sich nicht durch antisemitische Voreingenommenheit trüben zu lassen. Daß speziell die Militär-Behörde nur diejenige Methode wählt, welche sich in Bezug auf die Konservirung und Sanität des Fleisches als die beste bewährt hat, ist selbstverständlich. (Nebenbei gesagt, werden auch in der Militär-Konservenfabrik in Mainz sämmtliche Thiere geschächtet). Die Spandauer Polizei dürfte wohl die nachgesuchte Erlaubntß um so weniger verweigern, als seit einiger Zeit im hiesigen Schlachthause die bisher übliche Art und Weise des „Werfens" der Schlachtthiere mit der sog. Niederschnürungsmethode vertauscht worden ist. Auf Anregung des Vorstandes der Spandauer Synagogengemeinde, Herrn S. Bloch, und durch das Entgegenkommen des Schlachthausinspektors Herrn Schubarth, dem ich auch die erstgebrachte Mittheilung verdanke, wurden Versuche mit der genannten Methode angestellt, welche bald hinsichtlich der Leichtigkeit und absoluten Sicherheit und Gefahrlosigkeit des Werfens ein so günstiges Ergebniß hatten, daß nunmehr das gesammte zum Schächten bestimmte Großvieh „niedergeschnürt" wird. Die Handhabung ist die Ihnen bekannte; nur daß das liegende Thier noch obendrein an den Füßen gefesselt wird. Leipzig, 11. Sept. In einer Unterredung mit Major von Wißmann brachte der Besucher, Redakteur Wilhelm Gcorg, der sich erst vor Kurzem vom Antisemitismus abgewandt hat, die Judenfrage zur Sprache. Er wies auf einen Artikel der „Tgl. Rdsch." hin, welche sich abfällig über die angeblich „mehr und mehr in echt semitischem Geschäftsgeiste geleitete Deutsch Ostafrikanische Gesellschaft" ausgesprochen und wörtlich geschrieben hatte: „ Es könnte sonst leicht kommen, daß aus dem vom deutschen Patriotismus geborenen Deutsch- Ostaftika ein Dattsch-Neujudäa würde . . . ." Mit Bezug darauf sagte der Reichskommissar lächelnd: „Von diesem „eckt semitischen Geschäftsgeist", in dem die Deutsch Ostafrtkanische Gesellschaft geleitet sein soll, ist mir auch nicht das Geringste bekannt. Ich bedauere lebhaft, daß man die Parteigegensätze, die uns ohnedies soviel zu schaffen machen, auch auf das Bereich der Kolouien überträgt. Man soll doch den Juden dankbar sein, wenn sie ihr Geld in unsere kolonialen Unternehmungen stecken. Mir ist jede Unterstützung unserer kolonialen Unternkhmungen — mag sic herrühren, von wem sie will — willkommen." vermischtes. Frankfurt, 22. Sevt. Der im Januar 1893 gegründete oberhessische Verein für Volksbildung hat in der kurzen Zeit seines Bestehens in den Kreisen Büdingen und Friedberg 32 Zweigvereine, 23 Volksbibliorheken, 8 Voltsbühnen und 2 Musikvereine begründet, eine Reihe von Stipendien verliehen und verschiedene Lehrmittel für die Volksschulen angeschafst. Im ersten Winter fanden 1 Vortrag, 3 Concerte und 6 Theatervorstellungen statr, im zweiten Winter 52 Vorträge, 1 Eoncert und 14 Theatervorstellungen, wobei auch kleinere klassische Stücke zur Aufführung kamen. Obwohl der oberhessische Verein für Volksbildung jede polnische Agitaiion ausschließt, so ergibt eS sich von selbst, daß derselbe, indem er in einem dunkeln Theile Deutschlands Bildung und Aufklärnng verbreitet, den demagogischen Umtrieben, welche aus die Unwissenheit und Leichrglänlngkeit deS Volkes speknliren, mehr und mehr den Boden emzieht. Um seine Ausgabe durchführen und sein segensreiches Wirken auch au: d:e anderen Kreise von Oberhessen auödchnen?u können, dedars der Verein vor Allein einer kräftigeren UnterNütznng. Wir appeltieen deshalb, so schreibt der Präsident des Vereins, an den ervrobten Sinn der Frankfurter für alles Gute und Edle und bitten uns dinch Spenden, sei cs an Geld, sei es an gute-: Büchern zu unlerstüßen. Tie Herren Leopold Sonnemann, Eharles Hallgarten, Stadtraih Flirsich und Dr. Hoeowiß, welche unseren. Verein seit Anbeginn in