Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 79 (4.10.1894)
- Date
- 1894-10-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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für die Provinz Sachsen) ihre in der Form zwar widerlichen, in der Sache jedoch richtigen Glossen über jenes würdelose Treiben jüngst mich zurückgehalten hat. Das Publikum, meist zu unachtsam, um die Blasphemien, die aus solchen frivolen Anweisungen auf die göttliche Vorsehung im Elysium sprechen, zu erkennen, kauft solche im Stile von Hochzeitskladderadatschen verfaßten Dummheiten und freut sich noch des gut gelungenen Wunsches. Es dürfte eine der Aufgaben jüdischer Zeitungen sein, durch ernsten Tadel solchen Ausschreitungen zu begegnen und sowohl Verleger wie Publicum auf dies Unwesen zu verweisen. G. G. (Wir haben hier zwei vollständig widersprechende Auslassungen. Der Eine der Herren Einsender ruft die Hilfe der jüdischen Presse zur Bekämpfung erwähnter Mißstände an, während der Andere die jüdischen Zeitungen bittet, doch ja zu schweigen, damit unbemittelten Leuten kein Verdienst entgehe. Wir glauben, daß wie überall, so auch hier man den richtigsten Weg geht, wenn man sich nach beiden Seiten von Übertreibungen fern hält. Es bleibt Niemandem benommen, bedürftige Glaubensgenossen, in einer Form, die nicht verletzt, zu unterstützen und denselben Karten abzukaufen, die er entweder gar nicht oder deren Rückseiten er zu seiner Correspondenz benutzt. Andererseits müssen wir uns aber heute, wo die Augen der ganzen Welt auf uns gerichtet sind, gar sehr in Acht nehmen und dürfen keine Karten in Umlauf setzen, die, wie wir sehen, die Kritik von Freund und Feind so sehr herausfordern. Red.) Feuilleton. Estrrka. Königin von Föten. Historische Erzählung von Hago Freund. 34.) (Nachdruck verboten.) Der König erbleichte, seine ganze Gestalt erbebte bei den Worten Elischa's. „Ist das die Wahrheit, was Du sprichst, Jude?" schrie er auf. „Es ist die Wahrheit" entgegncte Elischa. Der König drückte beide Hände vor sein Angesicht. Das Blut hämmerte ihm in den Schläfen und die Nerven seines Gesichts zuckten. „Ist es denn möglich?!" rief er aus, „Sollte Esther nur darum vorgegeben haben mich zu lieben, um sich als Preis zu verkaufen für die tollen Herrschgelüste dieses Mannes; es kann ja nicht sein, aber doch vielleicht?! Wer kennt die Herzen der Menschen?: „Auch sie ist eine Jüdin. Vielleicht ist sie von gleichem Geiste beseelt wie j.mer Schwärmer. „Komm mit mir," schrie Kasimir und mit eisernem Griff faßte er Elischa am Arme und zog ihn mit sich fort bis zu den Gemächern Esther's. Esther war noch in demselben Zimmer, in dem sie der König gelassen hatte. Sie halte sich auf ein Ruhebett niedergelassen und träumte noch von dem Glück, das sie genossen, während bereits der nagende Gewiffenswurm in ihrem Innern sich zu regen begann. „Esther," schrie der König sie an, „Esther, ist es wahr, was dieser Mann gesagt, nicht aus Liebe bist Du die Meine geworden, sondern aus Ueberlegung, eines häßlichen, eines politischen Zweckes wegen?" Esther sah ihn erstaunt an, sie verstand ihn nicht. „Was sprichst Du, Kasimir?" fragte sie ihn. „Ist es wahr," schrie der König wieder auf, „daß Du Dich mit diesem Manne verabredet, mir ein Stück von dem Reiche Polens zu entwenden, um es den Juden zu verkaufen, damit sie dort ein Reich gründeten, frei und unabhängig von meinen Staaten." Esther schaute auf die Beiden. Ein einziger Blick überzeugte sie von dem, was vorgegangen war, und doch kränkte sie das Mißtrauen des Königs so tief, daß sie in diesem Augenblicke nicht zu sprechen vermochte. Elischa wendete sich aber nochmals zu ihr. „Ich habe Dich nie mehr Wiedersehen wollen, Esther, Gott aber verlangt, das Wohl Israels erheischt es. „In Deine Hand ist das Schicksal unseres Volkes gegeben, von Dir allein wird es nun abhängen, ob Israel zu Grunde gehen wird, ob es in Noth und Elend verkommen wird, oder ob es frei sein soll und glücklich. „Ich habe geglaubt. Rettung und Hülfe würde vielleicht von dem König kommen, der mir zugeschworen hat, mir dankbar zu sein, so weit es in seiner Kraft steht; aber er hat sein Wort nicht gehalten, er schlägr mir meine einzige Bitte ab. Deshalb stehe ich wieder vor Dir, Esther. Bist doch auch Du eine Tochter Juda's. Du darfst, Du kannst Dein Volk nicht verleugnen, Du kannst es nicht dem Elend und der Noth preisgeben, während Du schwelgst in der Fülle des Glücks, im Palaste des Königs. „Sage es diesem Herrscher, daß auch Du lieber zu Grunde gehen willst, als Israel aufopfern D.'inem eigenen Wohl. Sage es ihm, daß Du nie die Seine werden wirst, wenn er nicht Muth und Kraft genug besitzt, auch einzutreten für unser Volk."