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Der Israelit · 1894-09-27 · Heft 77-78 (27.9.1894) · page 32

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 77-78 (27.9.1894)
Date
1894-09-27
Page
– (sequence 32)
Language
German
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letzteren hat das jüdische Wissen im angegebenen Sinne Nichts zu thun und er kann sich andererseits nicht in die Grenzen des Schulmäßigen einzwangen lassen; die pädagogische Berathung wiederum mit fremden und weitabliegenden Gegenständen zu spicken, das würde den nothwendigen Fragen des Unterrichts das heilsam Wirkende und Zielbewußte rauben. Wir erlangen durch diese Trennung einen anderen Bortheil und erheben uns über eine Täuschung anderer Art. Bis jetzt sind oft Vorträge, die weniger der Unterrichtswiffenschaft, als dem jüdischen Wissen im allgemeinen angehörten, bei dem pädagogischen Theile der Versammlung vorgebracht worden, oft in Ermanglung eines Referats aus dem Gebiete der Schule. Jetzt, wo wir das eigentlich Wiflenschaftliche von den Berathungen über die Fragen des Unterrichts trennen, wird dadurch der etwaige Mangel an pädagogischen Borträgen klar werden, und diese Gebietstheilung wird den Vortheil haben, in beiden mit einander verwandten, aber von einander wohl zu trennenden Fächern Ersprießliches zu leisten und keinen Mangel hervortreten zu lassen. Ob wir zu alledem die Zeit haben werden? Die Frage läßt sich leicht beantworten. Da wir doch außer der allgemeinen Jahresversammlung noch vierteljährliche Bezirksversammlungen haben werden, so wird für diese gerade eine Bereicherung an Stoff nicht unwillkommen sein. Sind Ortsausschüsse für freie Station thätig, und haben wir 2 Tage in einem solchen Orte für uns, so ist die Zeit für diese Arbeiten schon gefunden. Sie dürften mich nun nach der besondern Form dieser das jüdische Wissen betreffenden Besprechungen und Mitteilungen fragen. Der Vorsitzende der Jahres- oder Bierteljahrsvnsammlung muß rechtzeitig mit all den vorgeschlagenen Themen bekannt gemacht werden, damit sie in dem Einladungsschreiben zur Versammlung die Tagesordung mitbilden und den Mitgliedern Gelegenheit geboten wird, sich darauf vorzubereiten. Es können der angekündigten Vorträge leicht zu viele sein. Da wäre von vornherein der Grundsatz aufzustellen; dem Nächstliegenden gebührt der Vorzug, also dem Siddur (und Machsor) vor dem Biblischen und diesem vor den talmudischen Gegenständen. Selbst einzelne Gedankensplitter und kurze Mittheilungen sind nicht zu verwerfen, vielmehr mit Dank anzunehmen. Sind für ein Gebiet, etwa Siddur, mehrere Mittheilungen angekündigt, so würde das Loos entscheiden, und nach einem aus diesem Gebiete gehörten Vortrage würde man dann zum nächsten Gebiete, etwa der Bibel, mit gleichem Verfahren Vorgehen. Damit verhindern wir uns selbst daran, uns ins zu Gelehrte zu verlieren. Es ist dabei aus die Fernhaltung jedes unnöthigen Redeschmuckes zu halten, und den Preis würde der erlangen, der die Sache nicht weiter ausdehnt als sie es verträgt. Auch die jedesmalig sich anschließende Besprechung muß sich auf das Nothwendige beschranken, ohne sich auf Seitensprünge einzulassen. Zweifeln Sie daran, daß dies jüdisches Wissen sei? Aus jedem dieser Gegenstände führen die Pfade in Bibel, Talmud und jüdische Geschichte h'nein und grade daran muß uns liegen, daß alle unsere Berufsgenossen an den Verhandlungen Theil nehmen und sich thätig als Vortragende bekunden. Wer außer seinem Lehramte noch das Kantorat bekleidet, kann manchmal sehr gesunde Gedanken über die von ihm vorgetragenen Gebete haben. Wer noch als Baal Koreh den Text der Thora fast auswendig kennt, wird uns oft durch merkwürdige Anschauungen und neue Gesichtspunkte überraschen können. Und sollte es für Mischna, Gemara und Midrasch eine Entweihung sein, wenn Einzelheiten aus denselben, statt in unS zu schlummern oder in unfern jüdisch-wissenschaftlichen Zeitschriften, die sich leider eher vermindern als vermehren, von Wenigen ge'esen zu werden, hier öffentlich vorgebracht werden? Sie legen dann das steifleinene Schulgewand ab. treten ins frische Leben, in die Erörterung hmein, verlieren einen Theil ihrer gedruckten Langweiligkeit, können dann erst recht veröffentlicht werden. Auch die jüdische Geschichte wird bei solchem Verfahren nicht zu kurz kommen. Welchen Vortheil bieten nicht schon die Vorbereitungen zu diesen Dingen! Wie anregend ist nicht die Aussicht, über dieselben sich aussprechen zu können! Ein Protokoll, von kundiger Hand gerade über diesen Theil der Verhandlungen geführt, hat einen weit über das Augenblickliche hinausgehenden Werth und wird gewiß gern von unseren jüdischen Zeitungen verbreitet werden. Treten dazu noch die geplanten Fortbildungskurse, so haben wir auch die geeignete Grundlage für diese Gegenstände gefunden. Es müßten dann in den Einzelbezirken Personen sich finden, die zu gewiffen Zeiten die Bezirksm'tglieder um sich schaaren, um mit ihnen das vielleicht vergessene wieder durchzugehen, vielleicht das Gebiet ihres WiffenS weiter auszudehnen, sowohl m Bezug auf die Gegenstände, als auch auf die Art Unterrichts und der Berufsthätigkeit in weiterem Sinne. Dazu wäre vielleicht eine geeignete Ferienzeit zu wählen; der Urlaub wird zu diesem Zwecke gern ertheilt werden, es werden sich auch diejenigen finden, welche derartige Kurse kostenfrei ertheilen. Nur über die Art, wie der Aufenthalt an den betreffenden Orten den weniger Bemittelten zu ermöglichen sei, sind noch Erwägungen anzustellen. Gehen wir in dieser Weise aus Werk, und wir nützen dem Judenthnme, wir nützen der Thora. Die Gemeinden werden solche Bestrebungen wohl bemerken und in uns die Vertreter einer Sache zu ehren beginnen, die, wie man sehen wird, von uns selbst verehrt wird. Und seien unsere geistigen Erfolge noch so gering: Daß wir ein solches Streben haben, daß wir es zu bethätigen und an die Zukunft des jüdischen W ssens zu glauben binnen, das ist des Erfolges schon genug. Der Präsident dankt dem Referenten Namens der Versammlung. Das Interesse für die jüdische Wissenschaft sei heute zu Tage leider sehr spärlich vertreten. Man müsse es daher den Männern der Wissenschaft Dank wissen, die für dieselbe zu begeistern verstehen. Der Referent habe mit großem Feuer gesprochen und seine Hörer zu entflammen verstanden. Möge das Feuer, das er entzündet, als eine heilige Flamme in unserem Herzen weiter glühen für unsere Lehre und unseren Glauben. — Dr. Silberberg-Rawitsch ist wohl im Prinzip für die Pflege der Wissenschaft in unserem Verbände, besonders auf den Berbaudstagen, möchte diesen Punkt jedoch nicht besonders in § 1 hervorgehoben wissen, da wir ohnedies genug Aufgaben zu lösen haben. Dr. Königsberger-Breslau spricht sich dagegen sehr entschieden für den Standpunkt von Dr. Rosenthal aus. (Fortsetzung folgt.) Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelis, Schottstraße Nr. 3, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Aetien-Gesellschaft in Mainz.

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