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Der Israelit · 1894-09-27 · Heft 77-78 (27.9.1894) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 77-78 (27.9.1894)
Date
1894-09-27
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Alätter für die ismekit. Schule. 27.®eptl894] [»r. 10. Deutscher Ueichsuerbnnd Huftutf. Breslau, im Juni 1894. Kollegen! Euch Allen ist es bekannt, wie sehr die Zustände auf dem Gebiete des Religionsunterrichts der Verbesserung bedürftig sind, wie das Ansehen desselben seit Jahren im Schwinden begriffen ist. Es ist leider eine amtlich, von hoher Stelle konstatirte Thatsache, daß zahlreiche Schüler besonders höherer Lehranstalten in großen Gemeinden gar keinen Religionsunterricht genießen, daß zahlreiche Landgemeinden desselben ganz entbehren, weil sie nicht die Mittel besitzen, sich eigene Lehrer zu halten. Auch die segensreichen Bemühungen tes Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, einzelner Gemeinde- und Rabbinerverbände und der „Freien Vereinigung" haben, in ihren Mitteln und Zielen beschränkt, die Uebelstande nicht beseitigen können. Da ist es denn eine ernste Pflicht für die Religionslehrer selbst, durch energisches Eintreten dem Religionsunterricht die ihm gebührende Verbreitung, Stellung und Würde wieder zu verschaffen. 1. Wir glauben durch Veranstaltung einer auf statistischer Grundlage beruhenden Enquöte, die auch die Verbreitung der Kenntniß des Hebräischen zu berücksichtigen hat, daS sichere Material zu erlangen, auf Grund dessen wir gemeinsam mit den zuständigen Rabbinaten, Gemeinden und Behörden die Bildung von Zweckverbände» für den jüd. Religionsunterricht anregen und zur Beseitigung der ärgsten Mißstände durch Zusammenlegung der Zwerggemeinden für genannten Zweck, Anstellung von Wanderlehrern oder Ueberweisung der schulpflichtigen Kinder an den nächsten Religionslehrer Mitwirken können. 2. Die Gründe für das Schwinden religiösen Sinnes und Lebens find zweifellos vornehmlich in der starken Abnahme der Kenntniß unserer heiligen Urkunden, der Literatur und Vergangenheit unserer Glaubensgemeinschaft zu suchen, einem Zustand, der beschämend zugleich ist im Angesicht der wüsten Religionshetze, welche bereits die entlegensten Gemeinden jüdischer Deligionslehrer. unseres Vaterlandes bedroht. Schon die Pflicht der Selbsterhaltung fordert, daß jeder Einzelne mit dem Maß religiöser Ouellenkenntniß ausgerüstet sei, das ihn in Stand setzt, mit selbstständigem Urtheil seine Vertheidigung gegen Jedermann zu führen und sich selbst durch das Studium unserer reinen Lehre zu veredeln. Ein wichtiges Mittel zur Förderung religiöser Bildung bietet die Einrichtung von Fortbildungskursen in der jüd.-hebräifche« Literatur, während auch die Sammlung der noch vorhandenen literarischen und geschichtlichen Denkmäler in der Gemeinde den pietätvollen Sinn für die Vergangenheit weckt und mitunter wirksame Schutzmittel liefert gegen inhaltslose Anklagen unserer Feinde. 3. Arg steht es auch mit der Kenntniß von den Rechten, die der Gemeinde, dem Lehrer, den Schulkindern auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen bezüglich des Religionsunterrichts, des Gottesdienstes, des Besuches der öffentlichen Schulen zustehen. Aufklärung hierüber wird die Betheiligten vor Nachtheil bewahren. 4. Nächst der Sorge um die hohen idealen Güter unserer Religion beschäftigt uns aber auch das Bestreben, den Männern, denen die Pflege dieser Güter anvertraut ist, diejenige Stellung zu verschaffen, in der sie von materiellen Sorgen frei ihrem hehren Berufe freudig und muthig dienen können. Wir glauben, daß schon in den oben vorgeschlagenen Zweckverbänden ein beachtenswerthes Mittel zur Hebung der materiellen Lage der Beamten in kleinen Gemeinden sich darbietet. Ein großer Theil ist aber auch wohl deshalb nicht in der Lage seine Stelle zu verbessern, weil ihnen die nöthige Kenntnitz von Personen und Zuständen in andern Gemeinden, Beziehung und Mittel fehlen, mit den maßgebenden Faktoren in Verbindung zu treten. Auch die jüdische Presse dringt nicht immer in die fernsten Winkel des Landes. Hier dürfte sehr wohlthätig wirken die Errichtung einer Stellen-NachweiS- und BermittelungS-Stätte, die jedem Kollegen auf seinen Wunsch unverzüglich von jeder Vakanz Mittheilung zu machen und seine Anstellung thunlichst nach Kräften zu befördern hätte, bei Vermeidung jedweder Einmischung in die innern Angelegenheiten einer Gemeinde.

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