Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1894)
- Date
- 1894-09-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXv. Jahrgang. M 75. Der Israelit. Ein Eenlrat-Hrgan für das orthodore IudenIHum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Donnerstag, den SO. September 5654 (1894). Da mit dem i. Okt. 1894 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1894 eingetragen unter Nr. 3304. Leitender Artikel. Die religiösen Zustände in Bade« und Württemberg Mainz, den 19. Sept. Die Darstellung, welche die religiösen Zustände Westphalens, in den jüngsten Nummern des„Jsraelit" erfahren haben, hat unter anderen auch die gute Folge gehabt, daß uns von allen Seiten Klagen über Mißstände mit der Bitte um Veröffentlichung zugehen. Wir werden dieselben sichten und zusammenstellen und soweit sie dazu sich eignen der Oeffentltchkeit übergeben. Bei der Schutzlosigkeit und Wehrlosigkeit, unter welchen unsere dringlichsten heiligsten Anliegen leiden, ist die öffentliche Mittheilung das einzige Mittel, durch welches dem Verrath mit Erfolg entgegen getreten werden kann, den gerade diejenigen an unseren Heiligthümern verüben, welche zu ihrer Hut eingesetzt sind. Vor dem gesunden Sinn der öffentlichen Meinung zerstieben alle büreaukratische Formen und Floskeln, aller geformelter Firlefanz, und aller hierarchischer Beamtenschlendrian trotz der steifen Grandezza, hinter welcher sie sonst ihre Hohlheit dürftig verbergen. In einer Zeit, in welcher die Furcht Gottes so tief im Kurs steht, und man an den Dienst Gottes nicht einmal mehr erinnert sein will, in einer solchen Zeit, ist schon viel erreicht, wenn man die Mängel und Schäden unserer Zeit nicht todtschwetgt, und wenn man wenigstens noch davon spricht. Das ist nicht erst seit heute und gestern so. Schon bet unseren Propheten finden sich Zeiten geschildert, deren Kinder sprachen: „Es ist umsonst Gott zu dienen, was für einen Gewinn brächte es auch, wenn wir dasjenige hüten, was Gegenstand seiner Hut ist, und daß wir als die „Schwarzen" einhergehen, wegen des Gottes Zebaoth! Und jetzt müssen wir gar glücklich preisen die Uebermüthigen, auch treiben Erbauung die Vollbringer des Schlechten, auch haben sie Gott versucht, und sind davon gekommen!" (Maleacht Cap. III.) 'Di lmoiws lnot? *3 ym noi 't* nay wr omon d”wnd uru« nnyi mto» ’,i »jdö rrmp 'n una m nyttn ’»y uaj m In solchen Zeiten meint das Prophetenwort, müßten die Gottesfürchtigen Zwiesprache halten, einer mit dem anderen, und wenn's auch Niemand beachtet, Gott achtet darauf, wenn auch kein Mensch es hören und beherzigen will, Gott hört's und schreibt es ein, in sein Buch des Gedächtnisses, in dem alle verzeichnet sind, die Gott fürchten und seines Namens gedenken." p-Di iDv ana’i yve-'i ri atppn -n »mt rnu i» . ivo ’annVi Ti Darin liegt die Rettung, wenigstens der erste, entscheidende Schritt dazu. Die gleichgesinnten Gottesfürchtigen, die unter demselben Jammer leiden, müssen zusammentreten, müffen sich aussprechen, wie viele oder wie wenige es auch immer sind. Sie dürfen nicht an ihre Unzulänglichkeit glauben. Wenn sie auch zu schwach für eine entscheidende That wären, so sollte wenigstens das offene, freie Wort die That ersetzen. In solchen Zeiten, in welchen die That feiern muß, denke man nicht gering von dem Wort, das zur Ehre Gottes gesprochen wird. Wie würde es anders um unser in großen, jüdischen Kreisen der Verkümmerung preisgegebenes Heiligthum stehen, wenn diejenigen, denen dieser Verfall zu Herzen geht, durch ein entschiedenes, männliches Wort dagegen Protest erhüben! Leidet