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Der Israelit · 1894-09-13 · Heft 73 (13.9.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 73 (13.9.1894)
Date
1894-09-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1363 der kriegerischen Schaaren stellt, um das Land zu erobern. Das aber ist noch nicht geschehen und wer weiß, ob und wann es je geschehen wird? „Du nennst mich einen Verblendeten, Mädchen, aber Du selbst bist blind. Weit mehr als tausend Jahre sind vergangen, daß Israel auf Errichtung dieses Reichs in Palästina harrt und seine Hoffnungen haben sich nicht bestätigt; ja, sie sind jetzt weiter, als je vom Ziele entfernt. „Wohl glaube ich mit heißer Innigkeit an den Gott Israels. Wohl halte ich alle Gebote der heiligen Lehre, die er uns gegeben; wenn ich aber in blinder Hoffnung hoffen soll auf das Reich, das er uns gründen will, und deshalb nicht handeln soll, da uns die Gelegenheit geboten ist, so wäre ich kurzsichtig und engherzig wie Du es bist. „Hoch steht die Religion Israels, aber weit höher noch steht Israel als Nation! „Ja, Mädchen, steh mich nicht so fragend an. Verstehst Du nicht die ungeheure Kraft, den ungeheuren Gedanken, der in diesem Worte liegt, „Israel als Nation." „Wie zerstreut unter allen Völkern, wie gehetzt und gejagt von einem Ende der Welt bis zum anderen wir auch sind, wir wollen uns vereinen, wir wollen ein neues Reich gründen, wir wollen wiederum zu einer Nation werden. „Ein Volk, ein mächtiges Volk, sehe ich entstehen vor dem Blicke meines Geistes und sein Name wird sein, „Israel!" „Alle unsre Unterdrücker sollen uns künftighin bewundern, nicht mehr gehetzt und angefeindet wird Juda sein, sondern machtgebietend, kühn und stark, ein Reich, das eine Stelle einnimmt unter den Reichen der Völker, das mächtig ist und groß unter den Nationen. Wohl habe ich des Oefteren nachgedacht, ob nicht Palästina dieses Reich sein könne. Wohl habe ich in schlaflosen Nächten mich auf meinem Lager umhergewälzt mit dem kühnen Gedanken, ein großes Heer zu sammeln, um hin zu ziehen, und Palästina, unser angestammtes Land zurück zu erobern unserem Volke. „Wäre ich der Schwärmer, zu dem Du mich machen willst, so würde ich es versucht haben, diesen gewaltigen Plan zur Ausführung zu bringen. Aber nicht nach Unmöglichem steht mein Sinn, nicht das Unausführbare will ich erreichen. „Palästina ist im Besitze des mächtigsten und kriegstärksten Volkes, das die Erde kennt, unter der Herrschaft der kühnen und für ihren Glauben fanatisch begeisterten Türken. „Vergebens haben die Christen des Abendlandes Züge ausgesendet, um dieses Land zu erobern. Es ist ihnen nicht gelungen trotz aller Opfer und trotz aller Tapferkeit, die sie daran verschwendet. „Die zwei mächtigsten und stärksten Völker der Erde, die Muhamedaner und die Christen streiten sich um dieses Fleckchen Erde in ewig sich erneuernden blutigen Kämpfen. „Dies Land zurück zu erobern ist für Juda, das verglichen mit all den anderen Völkern dieser Erde nur schwach und ohnmächtig ist, ein ganz unmögliches Beginnen. Nein, Esther, du wirst es einsehen, Palästina zu erobern, Palästina zurückzuerlangen ist unmöglich." „Was ist bei Gott unmöglich?" unterbrach sie ihn. Er aber hörte nicht auf sie und fuhr in begeisterungsvollen Tönen fort, während seine Augen blitzten und seine Arme, gewaltig arbeitend, die Luft durchschnitten. „Wir brauchen auch Palästina nicht. Wir brauchen nur ein kleines, aber freies Land, in dem wir sicher sind vor den Unterdrückungen und Verfolgunaen der andern Völker. „Ist es nicht ein herrlicher und kühner Gedanke, Israel zu befreien von der Schmach, die auf ihm ruht. Ist es nicht ein Gedanke, der des Blutes der Edelsten werth ist, und du wolltest dich weigern, mich zu unterstützen?" „O ja, herrlich und schön wäre dieser Gedanke," rief Esther, „in einem freien Lande abzuwarte», bis Gott uns wieder zurückführt nach Palästina, um dort sein Reich zu gründen. Aber Elischa, wenn ich dich vorhin verblendet nannte, so nenne ich dich jetzt zehnfach verblendet, hundertfach verblendet. Du, ein Mann mit so weitem Blick, du, ein Mann, der Polen errettet hat von seinem Feinde, der dem König die größten Dienste geleistet hat, du kannst so thöricht, so wahnbefangen sein, einen solchen Gedanken zu hegen? „Wie kannst du glauben, daß die Völker rings umher, selbst wenn der König deinen Wunsch erfüllte, und ein Stück Land dir für Juda überließ, wie kannst du glauben, daß die fanatischen Völker rings umher ein jüdisches Reich dulden würden in ihrer Mitte, selbst wenn König Kasimir dein ungeheuerliches Verlangen erfüllte, selbst wenn es dir gelänge unter den schwersten Mühen ein solches Reich zu errichten? Keinen Tag würde es Bestand haben. Von Ost und West, von Süd und Nord würden sie herbei kommen, um Euch auSzutreiben aus dem Lande, das Ihr besitzt. „Die christlichen Völker rings umher würden es als einen Hohn betrachten, wenn in ihrer Mitte ein solches Reich entstehen würde. Nicht allein, daß sie Euch vertreiben würden, es wäre der Tod von dir, von uns allen. Diese grenzenlose Vermessenheit würde man in aller Herren Länder den Juden zum Vorwurfe machen und alle würden über sie herfallen und würden sie vernichten."

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