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Der Israelit · 1894-09-13 · Heft 73 (13.9.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 73 (13.9.1894)
Date
1894-09-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Kongreßmitglieder in die Meinung zu versetzen, als seien sie in der Fabelwelt von 1001 Nacht. Der Erdboden läßt in allen Farben des Regenbogens Lichtstrahlen verbreiten, tausende Lampions erhellen die finstere Nacht und verwandeln die Nacht zum Tage — indessen dürfte eine derartige Schilderung für Ihren disttnguirten Leserkreis nur ein sehr geringes Interesse bieten, man kann von diesem Kreise mit Recht die Annahme haben, daß es ihm mehr darauf ankommt zu erfahren, ob die Anerkennung unserer ersten Grundlage, der min nämlich, hier konstatirt wird. Von den vielseitigen und mehrfachen Bestandtheilen des Kongresses ist die Bibel und die dazu gehörige Interpretation ein Hauptfactor. Unter den Thematen befinden sich: — die Lage des Paradieses — Einige hebr. Inschriften (Fritz Hammel) Sur les deux „Palestinian Syriac Lectionaries, de couverts au Mont-Sinai par Mrs. Lewis et M Hendel Harris. — Die biblische Ethnographie nach einer arabischen authentischen Tradition (Schwarzstein.) — On the Septuag. Version of the Book of Ecclesiates (Charles H. Wright). — Zur Charateristik der semitischen Sprachen (Reckendorf) u. a. m. Genannte Arbeiten werden von den Autoren in der 2. Sectton vorgetragen und einer mündlichen Kritik des Präsidenten unterzogen. Nach Schluß des Kongresses werde ich eingehender über die einzelnen Arbeiten berichten können, da gegenwärtig sich kein Urtheil über eine oder die andere Abhandlung bilden läßt, überdies ist die Zahl dieser wie der anderen 6 Sectionen so groß und deren Objekte so weit umfassend, daß man nur mit ungewöhnlicher Anstrengung über den Werth jedes einzelnen schließen könnte. — Es wäre ein ungerechtes Urtheil, wenn man Genf als schweizer. Stadt zu den antisem. verrufenen Städten zählen wollte, im Gegentheil, es genießen die Juden eine allseitige Achtung, und besonders bei dem Kongreß stehen Glaubensgenossen mit in erster Reihe; zwar wollten manche Rtschusblätter diese Gelegenheit zu ihren Zwecken benützen, fanden aber hier keinen fruchtbaren Boden dazu. — So schreibt eine schw. Zeitung: In einer Privatsammlung hat man neulich Auszeichnungen über die Genfer Geschichte gefunden, aus welcher u. A. hervorgeht, daß im Jahre 1852 die Juden sich anerboten, in der Zahl von 8—10,000 nach Genf zu kommen, auf ihre Kosten in der Gegend von St. Jean oder St. Victor Niederlassungen zu errichten, ihr Quartier mit Mauern zu umgeben und den Unterhalt einer genftschen Garnison zu bestreiten. Sie versprachen im weitern in allfälligen Kämpfen der Stadt in die vorderste Reihe sich zu stellen, der Republik Genf einen jährlichen Tribut zu zahlen und sich den Gesetzen zu unterziehen, die man ihnen auferlegen würde, alles nur um einen Zufluchtsort zu haben, von dem aus sie ihrem Handel obliegen könnten. — Trotz dieser annehmbaren Bedingungen hat Genf den Bittstellern abschlägig geantwortet. Vermischtes. < LandSberg a. d. W., 31. August. Der jüdische 'Religionslehrer und Prediger Herr M. Schlesinger, der am 28. September 1844 aus der Dessauer Franzschule als Lehrer abging und jetzt zu Parchim i. Mecklenburg a's .Lehrer und Prediger amtiert, wird am 28. September fein 5 ) jähriges Dienstjubiläum feiern. Ich wünsche demselben im voraus herzl. SIE 712. M. Slodki. Crefeld. Am 19. d. Mts. feiert der hiesige Oberrabbiner, Herr Dr. Horowitz sein 25jähriges Arntsjubiläum. Der Herr Dr. Horowitz hat es verstanden, in diesem Zeiträume durch treue Pflichterfüllung, durch die rechte Erfassung seiner Ausgabe, sich nicht allein die Liebe und Verehrung seiner Gemeinde, sondern auch die der nichtjüdischen Bevölkerung Creselds zu erwerben. Nach dem uns vorliegenden Programme verspricht die Feier eine recht erhebende und würdige zu werden. Feuilleton. Estertra, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 30.) (Nachdruck verboten.) „Elischa!" schrie Esther auf, „o Du Verblendeter! Ach, ein wahnsinniger Gedanke hat Dich erfaßt, Du tödtest Dich und Du wirst unserem Volke zum größten Schaden gereichen, Du wirst uns Alle verderben! Glaubst Du, daß wir ein jüdisches Reich gründen können, daß Gott dasselbe für uns errichtet? Gott hat uns zugeschworen, uns zurückzusühren nach Palästina in sein Land, das von Milch und Honig fließt, wo sein Tempel erstehen wird auf dem Berge Moria, wo wir ihm dienen werden mit ganzer Seele. Hier aber in Polen oder Rußland kann kein Reich Gottes erstehen, hier ist nicht der Boden, auf dem die Herrlichkeit Gottes ruhen wird. Hier können wir nicht mehr sein als eifrige Bürger dieses Reiches, das uns gastfreundlich ausgenommen und dessen Wohl wir fördern müssen mit unserer ganzen Kraft!" „O, daran erkenne ich jüdische Verzagtheit, jüdischen Knechtsinn, der durch die Unterdrückungen und Verfolgungen entstanden ist. „Welch ein Volk würde harren auf ein Land, das ihm verheißen ist, wenn die Möglichkeit vorhanden ist, ein anderes Reich zu erringen. Wohl, wenn Gott uns zurückführen will nach Palästina, so will ich der erste sein, der sich an die Spitze

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