Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 73 (13.9.1894)
- Date
- 1894-09-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1360 ZeituugSnachrichte« mtb Correfpondeuze«. Deutschland. -oll Hamburg, 7. Sept. Der Verein O"I1 lipo, eine Verbindung junger Männer, der auch sogenannte alte Herren angehören, mit dem schönen Zweck mirfc D’ny yaip beging am vergangenen Sonntag Abend m cfttcn ovd attfniwa’mo rivv. Um 8 Uhr sollte die Festlichkeit beginnen, zu welcher Zeit die activen Mitglieder ca. 55 Personen im rva mon rechtzeitig erschienen waren. Der Präses Herr R. Hirsch begrüßte zunächst den als Ehrengast erschienenen Herrn Oberrabbiner, den langjährig unermüdlich wirkenden Leiter der Vorträge, Herrn Dr. S. P. Nathan, sowie alle Anwesenden. Eine recht animirte Stimmung herrschte bei der Tafel, deren Pausen durch schöne Reden und Toaste in angenehmer Weise ausgefüllt wurden. Herr Oberrabbiner sprach in längerer Rede über die lobenswerthen Bestrebungen des Vereins, bezugnehmend auf den Wochenabschnitt und einige sehr treffend angewendeten Stellen aus Talmud und Midrasch; die Herren Dr. Nathan und Dr. Schlesinger sprachen über den hohen Werth des Thoralernens im Allgemeinen, sowie über das Studium der rwo insbesondere; Herr Louis Klein, Mitglied des Vereins seit seinem Bestehen, brachte in wohlgeordneter freier Rede und in vorzüglich gelungener Weise den Toast auf Sr. Ehrwürden aus, indem er an dessen Text bei der Amtseinführung nni ’W üb'o erinnerte, ferner sprachen die Herren M. Jacobson, Jsr. Meyer und Jos. Bachrach jun. — Die Seele des Vereins, der seit ca. 35 Jahren besteht, ist Herr Dr. S. P. Nathan, der seitdem in unausgesetzter Weise als Lehrer und Leiter der Vorträge segensreich wirkt, sind ja die meisten Mitglieder die Schüler des Genannten von ihrer frühesten Jugend her und alle bringen ihrem Freund und Lehrer hohe Verehrung entgegen. Sollen die weiteren Verdienste und Leistungen dieses seltenen Mannes für mm u. profanes Wissen innerhalb unserer Gemeinde hier noch hervorgehoben werden, so würde dieses den zur Verfügung stehendm Raum wesentlich überschreiten, wir beschränken uns nur darauf an seine fast fünfzigjährige Lehrthätigkeit an der Talmudthoraschule, sowie an seine Tehillim- und Gemora-Vorträge im Verein pnw zu erinnern. v»a ma» nypo. Dem Verein D”n npo und seinem Vorstande rufen wir pinrm pm zu. E. Aus Baden, 5. Sept. In Heidelberg und Mannheim wurde heute die Nummer 68 des „Badischen Volksbotcn" (Antisemitenblatts) vom 1. September beschlagnahmt. Ursache zu der Beschlagnahme gab ein Gedicht gegen die Juden, welches mit der Frage: „Was ist ein Jude?" anfängt und mit der Wendung: „Ihm gehören Prügel" schließt. Der in Vertretung zeichnende Redakteur I. A. Schäfer — der eigentliche Redakteur, der bekannte Thomas Reuther, kam am Tage des Erscheinens der Nummer aus dem Gefängniß — wird wegen Verletzung des § 130 des Str. G. B. (Aufreizung) in Anklagestand versetzt werden. B. L. B. München, 10. September. An Stelle des verstorbenen Herrn Rabbiner Dr. Perles wurde Herr Rabbiner Dr. Werner, ein eminenter Kanzelredner, seither Rabbiner in Danzig, hierher berufen. Herr Dr. Werner neigt bedeutend mehr nach der conservativen Seite wie sein Vorgänger. Dem Prediger des Frommen-Vereins, Herrn Dr. Ehrentreu wurde das Ueberwachungsamt über die Schechita bet der Hauptgemeinde mit einem Fixum von 1200 M. p. a. übertragen. M. Hultschin, 10. September. Der Olmützer Fürsterzdischof Dr. K o h n, welcher gegenwärtig im Dekanat Hultfchin weilt, empfing Hierselbst am Donnerstag eine Abordnung der zu den Empfangsfeierlichkeiten geladenen Hultschtner Synaogengemetnde. Der Sprecher der Deputation, Rabbiner Dr. Blumenthal aus Rattbor, begrüßte den Kirchenfürsten, wie oberschlesische Blätter melden, mit folgenden Worten: Fürsterzbischöfliche Gnaden! Die israelitische Gemeinde Hultschin hat mir den mich ehrenden und beglückenden Auftrag ertheilt, Ew. Fürstlichen Gnaden den Ausdruck ihrer ehrfurchtsvollen Gesinnung zu entbieten. Von heiliger Begeisterung erfüllt, begrüßt die Bevölkerung von Stadt und Umkreis preisend und betend diese Freudenstunde, diesen Tag, den der Herr gebracht. Mit liebedurchglühten Gedanken begleitete Jung und Alt, Groß und Klein den Triumphzug des erlauchten Kirchenfürsten. In der Reihe der Jubelnden stehen auch die Vertreter der hiesigen jüdischen Gemeinde, innig beglückt, den Tribut ihrer Verehrung darbringen zu dürfen. Friede herrscht in diesen Gauen, Eintracht unter den Bewohnern. Ein Band umschlingt im Kreise Ratibor alle Bekenntnisse, das Band der Vaterlandstreue und der Menschenliebe. Wie die Strahlen des Regenbogens einzeln verschieden leuchten, alle geeint aber die goldene Brücke zwischen Himmel und Erde bilden, so steht hier jedes Bekenntnitz treu zu seiner Fahne, alle aber schließen sich freudig zu einem großen Ganzen zusammen, wo es gilt, durch edle That und frommes Werk dem gemeinsamen Ziele aller Religionen zuzustrrben. Es ist unser Stolz, mit unseren christlichen Mitbürgern in Frieden und Eintracht leben und streben zu dürfen, eS ist unsere Freude, daß ein Glaubensgenosse, Freiherr v. Rothschild, berufen ist, als Patron der hiesigen Kirche derselben Liebesdienste zu leisten und daß er in reicher Fülle seine Pflichten löst. So begrüßen wir Ew. Fürsterzbischofl. Gnaden als den Hort des Friedens, als das Sinnbild der Menschenliebe, als einen Bürgen jener ahnungsreichen Ferne, in der es nur einen Hirten geben wird und nur eine Heerde. Und so ruft die israelitische Gemeinde Ihnen, Herr Fürsterzbischof, den biblischen Segensgruß zu: „Gesegnet seiest Du bei Deinem Kommen! Gesegnet seiest Du bei Deinem Scheiden!"