Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 71 (6.9.1894)
- Date
- 1894-09-06
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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144 schliessen müssen, die in der Schule untergebrachten Kinder zu kleiden und zu ernähren. Das Central -Comite hat für das Jahr 1894 einen Credit von 6000 Fr cs. ausgesetzt, zum alleinigen Zwecke, die jungen Russen, welche das Alter haben, dass sie arbeiten können, ein Handwerk erlernen zu lassen. Dem C.-Comite wird aus Salonichi geschrieben; „Durch die Schule und Werkstatt wird die unglückliche Bevölkerung dem Elend entrissen werden, das sie heute dahinrafft; hierdurch wird man ihr das verlorene Selbstvertrauen wieder schenken, und sie bestimmen, in Salonichi zu bleiben und sich dort heimathlich zu fühlen.“ Smyrna. Der Central - Gouverneur, Hassan Feh mi-Pascha, hat den Alliance Schulen zu Smyrna am 8. Mai einen Besuch abgestattet. Er hat alle Klassen besucht, die Schüler geprüft, namentlich in der türkischen Sprache, und den Directoren die Befriedigung ausgesprochen, welche die Haltung der Klassen, die Antworten der Schüler und ihre verschiedenen Kenntnisse bei ihm hervorgerufen; er versprach, zu Ende des J ahres wiederzukehren und den alsdann statfindenden Prüfungen beizuwohnen. Dieser Besuch des Vali, sein Wohlwollen und seine Aufmunterung haben auf die Lehrer und Schüler einen tiefen Eindruck gemacht. Die israelitische Gemeinde fühlte sich ihrerseits durch dieses verbindliche Vorgehen Sr. Excellenz sehr gerührt. Notizen. Jerusalem. Das Netz der syrisch - palästinaischen Eisenbahnen schreitet rüstig fort, nnd es wird nur noch wenige Jahre dauern, bis dieses ganze Gebiet dem Weltverkehr auch durch Bahnen angeschlossen ist. In allernächster Zeit wird die Bahn Beirut- Damaskus bereits eröffnet, und eine Zweigbahn von Damaskus in den Hau ran ist bereits fertig. Nun ist in der letzten Zeit die sehr wichtige Konzession einer französischen Gesellschaft ertheilt worden, die Fortsetzung dieser Bahnen von Damaskus über Horns, Hama, Aleppo nach Biredschih am Euphrat zu bauen. Biredschih ist aber der Knotenpunkt in dem bereits konzessionirten Netze der kleinasiatischen Bahnen, von denen die Anschlüsse nach der projektirten Tigrisbahn gebaut werden sollen. Auch die Linie Akka-Damask u s macht bedeutende Fortschritte und soll noch in diesem Jahre bis zum Jordan dem Verkehr übergeben werden. Nun fehlt nur noch eine Zweiglinie von einem Punkte dieser Strecke nach Jerusalem, dann ist auch der Süden Palästinas in dieses Netz hineingezogen, und man kann von Europa aus nach Jerusalem per Bahn reisen, ohne mehr zur See zu fahren, als der Uebergang über den Bosporus erfordert. Alle diese Bahnen sind in den Händen der Franzosen und Engländer, dagegen hat sich ein Deutscher eine Konzession ertheilen lassen, auf dem Tiberiassee einen Dampfer laufen zu lassen. Man sieht, Palästina wird mit allen Erfordernissen der neuen Zeit versorgt. — Der englische Konsul in Jerusalem giebt in seinem letzten Berichte an die Regierung einige interessante Mittheilungen über die Beschaffenheit der heiligen Stadt. Danach hat die Stadt weit hinaus über ihre alten Grenzen an Umfang zugenommen, und wird in der nächsten Nachbarschaft derselben unausgesetzt stark gebaut. Auf der Westseite haben die Häuser sich so rasch vermehrt, dass an der Stelle, wo sich früher Feld und Weinberge befanden, eine ausgedehnte Vorstadt entstanden ist. Jedes nur zu erlangende Stück Land wird von Privatpersonen oder von wohlthätigen Gesellschaften und Missionen gekauft, so dass der Name „Neu Jerusalem“ dem genannten Viertel beigelegt worden ist. Im vergangenen Jahre wurde der erste Volksgarten ausserhalb des Jaffa - Thores vollendet. Der Handel der Stadt ist im Allgemeinen im Wachsen begriffen, so namentlich in Jaffa Orangen, Olivenholzarbeiten und Olivenöl. Die Ausfuhr von Koloquinten liess nach, weil die Behörden einen zu hohen Zoll auf diesen Artikel legten. Koloquinten werden von denArabern in der Nähe von Gaza gesammelt, woselbst sie wild wachsen. Ein interessantes Unternehmen hat kürzlich begonnen, welches darin besteht, das auf der Oberfläche des todten Meeres schwimmende Erdpech zu sammeln. Zwei Segelboote voll wurden davon per Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem gebracht, und dann auf Wagen bis zum Jordan befördert. Darauf fuhren die Boote den Jordan hinunter und in das todte Meer, um das Erdpech aufzufischen, welches von europäischen Händlern sehr gut bezahlt wird. Der Konsul glaubt, dass es für den Handel sehr vortheilhaft sein müsste, wenn eine Dampffähre und mehrere kleinere Boote das todte Meer ständig befahren würden, um die Erzeugnisse Moabs herüberzuschaffen. Diese Landschaft sei reich an Getreide, Früchten und Vieh. Zur Zeit werden diese Erzeugnisse durch Karawanen um die Nord- und Südspitze des Meeres herumgeführt, wodurch ein Zeitverlust von vier bis fünf Tagen entsteht. Kerak, die bedeutendste Stadt Moabs, hat eine türkische Garnison; es herrscht daselbst Ordnung und Sicherheit. Druck der Joli. Wirth’scben Hofbuchdruckerei Äctien-Gesellscliaft, Mainz.