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Der Israelit · 1894-09-06 · Heft 71 (6.9.1894) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 71 (6.9.1894)
Date
1894-09-06
Page
– (sequence 26)
Language
German
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142 Alliance Israelite Universelle. -< I Schulen und Lehrlingswerk. Aidin. Diese nicht weit von Smyrna gelegene Stadt besitzt eine bedeutende jüdische Gemeinde. Vor zwei Jahren hat das Central- Comitö auf Veranlassung des Herrn Pariente, ehemaligen Directors der Schule zu Smyrna, daselbst ein kleines Lehrlingswerk gegründet, dessen Entwickelung eine befriedigende ist. Als die Gemeinde darum gebeten, dass die Alliance es übernehme, die „Talmud T o rah" -in eine Schule umzuwandeln, ersuchte das Central-Comite den Nachfolger des Herrn Pariente in Smyrna, Herrn Gabriel Arie, sich nach Aidin zu begeben, daselbst die Verhältnisse der Israeliten und namentlich die Frage der Schule zu studiren. Anbei einige Auszüge aus dem Berichte des Herrn Arie. Aidin zählt 5 0,00 0 Einwohner, worunter 37,000 Mohamedaner, 10,000 Griechen und etwa 2,800 Juden. Die jüdische Gemeinde ist eine der ärmsten, die mir bekannt ist. Man fragt sich, wie es möglich ist, dass die Juden in einem Lande, das so fruchtbar ist, wo ein jeder einzelne der zwölf Monate ein neues Exportprodukt liefert, nicht günstigere, weniger elende Verhältnisse erschwingen konnten? Wo liegt der Grund zu diesem Elend? Er ist schwer zu finden; man müsste längere Zeit die Gegend bewohnen, nm ihn mit Sicherheit feststellen zu können. Aidin hat mir den Eindruck einer jener Gegenden gemacht, wie sie die afrikanischen Reisenden beschreiben, wohin nicht ein Strahl europäischer Civilisation gedrungen ist. Namentlich die Israeliten jener Stadt sind sehr zurück; sie besitzen als einzigen Erwerbszweig den kleinen Handel mit Manufacturwaaren. Auch einige Schuster und Blechschmiede sind dort zu finden, sonst nichts. Ich werde Sie nicht von der „Talmud Torah“ unterhalten; diese Anstalt gleicht allen anderen derartigen, wie sie noch vor einiger Zeit in den Städten des Orients existirten, wo die Alliance noch keine Schulen gegründet hatte. Ein Verein junger Leute, die den grossherzigen Plan gefasst hatten, die Israeliten ihrer Jahrhunderte alten Unwissenheit zu entziehen, haben eine kleine Schule gegründet, die sie den Fortschritt benannten. Sie zählt erst zwanzig Zöglinge. Es wird dort Hebräisch, etwas Türkisch und etwas Französisch gelehrt. Es ist dies wenig, aber immerhin etwas, und man kann nicht genug den Muth und den Unternehmungsgeist dieser jungen Leute anerkennen. Soll man nun ihre Stelle einnehmen und die endgiltige Organisation einer Schule unternehmen? Ich glaube nicht. Das persönliche Eingreifen ist im Orient etwas so Erfreuliches und Seltenes, dass wir sie in diesem Falle sich frei entfalten und ihre Ergebnisse erreichen lassen müssen. Wenn man bedenkt, dass vor der Organisation des Werkes der Alliance alle Gemeinden des Orients mehr oder weniger der von Aidin glichen, und dass eine Gemeinde von 3000 Seelen immer mehr zurückgeht, so dass man sich fragen muss, ob sie sich jemals aus dieser Lage wird erretten können, so ist es unbedingt Pflicht der Alliance, dieser Gemeinde dazu zu verhelfen, dass sie auf bessere Wege gelange. Nun habe ich, im Einverständnis mit dem Verein junger Leute, und bis auf einen Einspruch Ihrerseits, folgende Massregeln getroffen. Ein besonderes Schulcomite ist ernannt worden; dasselbe soll die Schule mit der „Talmud Torah“ verschmelzen. Die erste Pflicht des Directors wird darin bestehen, die Schüler in gleichartige Klassen einzutheilen und einen methodischen Unterricht einzuführen. So ist denn eine sehr elementare Schule geschaffen worden, in der das Hebräische methodisch unterrichtet und mit dem 'Unterricht der Elementargegenstände begonnen werden soll. In einiger Zeit werde ich mich überzeugen, wie es steht, und falls, wie ich glaube annehmen zu können, das Resultat befriedigend sein sollte, so wird man einen der Lehrer unserer Schule zu Smyrna als Director anstellen können. Der jetzige Director kann alsdann als Lehrer weiter fungiren. Um dieses Projekt durchzuführen, werde ich des Beistandes der Alliance bedürfen, und wird sie mir ihn gewiss nicht versagen. Das Central-Comite hat diesen Plan gut geheissen und alsbald einen Credit votirt, um der neuen Schule die erforderlichen Bücher und Schulmaterial zu liefern. Jerusalem. Herr Alfred L. Cohen aus London, der sich sehr hingebend mit den Interessen des Judenthums befasst, hat kürzlich Syrien und Palästina besucht. Bei seiner Rückkehr hat Herr Cohen der Anglo-Jewish Association, deren hochgeschätztes Mitglied er ist, einen sehr interessanten Bericht über die Schulen und andere israelitische Anstalten erstattet, die er in Syrien, namentlich in Damaskus und Jerusalem, besucht hat. Er hat der Schule zu Jerusalem einen sehr langen Besuch gewidmet und sie gründlich studirt. Aus den Auszügen des erwähnten Berichts wird man ersehen, welchen günstigen Eindruck er daselbst gewonnen.

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