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Der Israelit · 1894-09-06 · Heft 71 (6.9.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 71 (6.9.1894)
Date
1894-09-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1332 Kalwarya bet Krakau. In den Tagen vom 10. bis 15. August wallfahrten alljährlich viele Tausende von Leuten, namentlich Bauern aus Galizien, Ungarn, Böhmen, Mähren und Schlesien sowie aus Russisch-Polen hteher, um bet dem weit und breit berühmten Marien-Bilde Ablaß zu erlangen. Arme und Reiche, Bauern und Bürger eilen zu Wagen oder zu Fuß herbei, und das kleine Städtchen ist um diese Zeit so überfüllt, daß Viele im Freien campiren müssen. Aber nicht nur das Marienbild, das sich in der Kirche des Bernhar» diner-Ordens befindet, übt große Anziehungskraft aus, auch ein anderes merkwürdiges Bild ist in der Klosterkirche zu sehen. Unmittelbar beim Kircheneingange hängt ein großes Gemälde, das die Abschlachtung eines Kindes durch Juden darstellt. Das Bild ist ungefähr drei Meter hoch und zwei Meter breit. Auf demselben ist dargeftellt, wie mehrere Juden in jüdisch-polnischer Tracht, in Gebetmäntel gehüllt, ein Kind umstehen, dem sie Blut abzapfen; ihr Gesichtsausdruck und ihre Mienen entsprechen der Situation. Um gar keinem Zweifel Raum zu geben, befindet sich am Fuße des Bildes folgende Aufschrift in polnischer Sprache: „Das Martyrium des Kindes Simon, des Sohnes der Ehegatten Adam und Eva Studzinski, das im Alter von 3'/, Jahren am Eharfreitaz von einen Inden geraubt und am Sonnabend nach Samstag zur Nachtzeit auf grausame Weise im Marcus-Wirthshause bei Zitomir von Juden ermordet wurde. So geschehen am 26. Mat 1475. Renovatum A. D. 1870". Man kann sich leicht vorstellen, welchen Eindruck dieses Bild auf die für solche Darstellungen leicht empfänglichen Landsleute ausübt. Der slavische Bauer ist gläubig, der Geistliche ist ihm eine besondere Autorität, und er hält die gemalte Lüge für wahr, da sie ihm im Raume einer Kirche entgegentritt. So wirkt das Bild ungemein aufreizend, und es ist erklärlich, daß der Aberglaube, die Juden brauchten Blut von Christenktndern, nicht auszurotten ist. Mehrere Päpste haben in besonderen Bullen ihren Abscheu gegen diese teuflische Beschuldigung ausgesprochen, sollte das den Herren vom Bernhardiner-Olden in Kalwarya nicht bekannt sein? > Vermischtes. < Hamm, 20. August. Vorgestern ist in erhebender Feier un^er neue Synagoge eingeweiht worden. Karlsruhe, 20. August. Gegen den Führer der Antisemiten in Eggerstein, Huber, ist wegen schwerer Sittlichkeitsvergehen Anklage erhoben worden. Prag, 28. Aug. Herr Dr. Wohl, welche seine Ausbildung an dem Rabbiner-Seminar zu Berlin erhalten hat, ist zum Rabbiner in Humpoletz gewählt worden. Warschau, 20. August. Der Finanzminister halseine Einwilligung zur Errichtung einer jüdischen Wohlthätigkeitsanstalt „Rabotnik", welche den Zweck hat, Kinder armer Juden kostenlos zu Handwerkern auszubilden, erlheilt. Tarnopol. Herr Abraham Lazarus Hatzum Andenken seines verstorbenen Sohnes Dr. S. LazaruS im hiesigen israelitischen Spitale einen unter Blechdach aufgemauerten Zubau, bestehend aus zwei Sälen und Vorhaus sammt allen dazugehörigen Utensilien, sowie zehn eiserne Bettstätten sammt dazu gehörigen eisernen Tischchen, für zehn Betten Strohsäcke, Wollkotzen, Leintücher, Hemden, Wandtafeln, Trinkbecher und Spucknäpfen, kurz alles Nöthige für zehn Kranke aus eigenen Mitteln einrichten und aufführen lassen. Auch ließ er aus eigenen Mitteln am Ende des Spitalgartens ein unter Blechdach gemauertes, isolirt stehendes Gebäude, für Benützung zu einer Todtenkammer, mit steinernem Fußboden und Wafferablauf sammt Reinigungstisch einrichten und aufführen. In die Außenwände dieser besagten Gebäude sind drei Gedenktafeln, polnisch, deutsch und hebräisch, zum Andenken des Erbauers, in Stein eingravirt, angebracht. Anzeigen. "WV Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. 8. &D.LÖWENTHAL.Silberwaaren, Frankfurt a. M., Zeit 25, Israel. Cultusgegenstände. 175) ttehrling. CommiS,Buch- Kalter, Reifende u. s. w. können Stellung erhalten durch A. Ullmann, einziges iSr. PlacirungS-Bureau Bayerns in Nürnberg. Prinzipale werden kostenfrei bedient. Die hebr. Buchhandlung J. ilolzmumi, Mainz liefert billigst schöne □'□im □'□cnt> rain« E8) in en gros & eu detail. J. Holzmann, D"nD id'D 12 Lölvenhofstraße 12, Mainz ^Leirathsparthien werden durch yp einevertrauenswerthePerson, die in den feinsten Kreisen eingesührt ist, unter strengster Discretion vermittelt. Offerten unter A. A. 100 Nürnberg postlagernd, Postamt I.

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