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Der Israelit · 1894-08-30 · Heft 69 (30.8.1894) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 69 (30.8.1894)
Date
1894-08-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1293 und seiner Gesundheit gemäß leben. Vergnügungen und Lustbarkeiten sind für diejenigen, die sie suchen, reichlich vorhanden, aber auch leichtere Zerstreuungen, und vor Allem die wohlthuende Wirkung des Aufenthaltes an der Sce. Eine Brücke, die tief in's Meer führt, giebt uns Gelegenheit, die erfrischende und belebende Meeresluft direkt und in vollen Zügen einzuschlürfen. Von der Brücke aus bietet sich uns ein herrliches Panorama dar. Von allen Seiten von der See umgeben, blicken wir auf den durch Hunderte palastähnltche Villen geschmückten Strand (Promenoir de la digue). Abends sieht man auf der See unzählige, feurige Wellen, eine Erscheinung, die Meeresleuchten „pdosxboreseenee des eaux“ genannt wird. Voll Erstaunen und Entzücken rufst Du hier aus: „Wie zahlreich sind Deine Werke, o Herr, alle hast Du mit Weisheit ausgestattet, voll ist die Erde mit Deinen Erzeugniffen!" Bevor ich schließe, muß ich die Aufmerksamkeit der gesch. Leser auf einen Uebelstand lenken, der heute auch zur Mode geworden: ich meine das Unrecht, das viele unserer Glaubensgenossen begehen durch die gänzliche Vernachlässigung der jüdischen Restaurants und Hotels. Welcher Unterschied zwischen früher und heute! Wahrend in den früheren Jahren die jüdischen Restaurants, die, obwohl sie damals gar vieles zu wünschen übrig ließen, dennoch eines recht regen Besuches seitens unserer Glaubensgenossen sich zu erfreuen hatten, werden heute die jüdischen Restaurants und Hotels, die in den meisten Fällen namentlich in den größeren Badeorten, der Neuzeit vollkommen entsprechen und zugleich eine gesunde, schmackhafte Küche bieten, so viel wie möglich gemieden. Glauben denn die stolzirenden Verächter ihres Glaubens, daß ihr Verdauungsapparat im Laufe der Jahre ein anderer geworden als der unserer Alten? daß ihr Magen eine Metamorphose erlitten und nicht mehr die koschere, der Gesundheit zuträgliche Speise vertragen könne? Wie oft ist die trefene Kost, an die euer Magen nicht gewöhnt ist, oder das trefene Fleisch von ungesundem Vieh — trotz aller Fleischbestchttgung — die Ursache des geringen, mitunter völlig fehlgeschlagenen Erfolges eurer Kur! Gerade in jetziger Zeit sollten die Israeliten enger aneinander halten; wir werden so vielfach social zurückgesetzt, ausgeschlossen, angefetndet, hie und da auch verfolgt; warum wollt Ihr Euch denn noch selbst gegenseitig ausschließen? Welches auch immer unsere religiöse Anschauung sei, unsere moralische Verpflichtung muß, namentlich in der heutigen Zeit, in uns das heilige Feuer anfachen, Wohlthättgkeit auch „in der Stille", „indirect" zu üben; denn durch Euren Besuch wird zahlreichen jüd. Restaurateuren die so nöthige Förderung zutheil, damit er sein kostspieliges Unternehmen auf der Höhe erhalten kann. Je zahlreicher euer Besuch ist, desto mehr wird er in der Lage sein, seinen christlichen Kollegen, deren Hotels ja ohnedies genügend frcquenttrt werden, nicht allein Concurrenz zu bieten — dies ist heute schon der Fall — sondern auch ihn zu übertreffen. Und dieser Vortheil kommt wiederum eurem Magen und eurer Gesundheit zu gute. Wie aber die Verhältnisse jetzt meist liegen, kann der jüd. Restaurateur schwer auf seine Kosten kommen. Hier in Ostende giebt es zwei jüd. Hotels, die den christlichen ebenbürtig zur Seite stehen. Der verstorbene geheime Commerzienrath Moritz Simon aus Königsberg hat, obwohl einer freien religiösen Richtung huldigend, während seines Aufenthaltes in Ostende, im jüdischen Hotel Reinsberg nicht allein seine Mahlzeiten, sondern auch sein Logis genommen und das zu dem Zweck, um einem israelitischen Hotelier einen Verdienst zukommen zu lassen. Wenn jeder der jüdischen Kurgäste so denken und handeln würde, dann übte er nicht allein ein gutes Werk gegen die jüd. Restaurateure und ihre Familien, sondern er träge auch zur würdigen Erhaltung und Verherrlichung der jüd. Jnstutitkonen bet. Die Herren Antisemiten würden an der Tafel von der so lästigen Gegenwart der Israeliten befreit und viele der spottenden christl. Herren Restaurateure der unangenehmen Aufgabe enthoben sein, seinen israelitischen Gast oder Kunden bedienen zu müssen. Möge dieser Wink die gebührende Beachtung finden! Jacques Finlenstein, cand. med. Anreisen. "W> Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. S.&D. LÖWENTHALSilberwaaren, 175> Frankfurt a. M., Zeil 25, Israel. Cultusgegenstände.

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