Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1894)
- Date
- 1894-08-23
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448473--39163-2487301- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mit dem Werke der Schule und der Alliance in Konstantinopel stets verbunden bleiben. Jaffa. Herr Niego, Director der Ackerbauschule zu Jaffa, hat dem Central-Comite folgenden Bericht über die im Monate März 1894 erledigten Arbeiten zugesandt: Der März war unbedingt einer der günstigsten Monate, die wir seit lange hatten. Der Gesundheitszustand, welcher sich bis ^svor Kurzem täglich verschlimmerte, hat sich plötzlich verbessert. Wir hatten in dieser Woche keinen Kianken in der Anstalt, was seit achtzehn Monaten nicht vorgekommen ist. Die Temperatur ist eine massige, wir hatten noch keine grosse Hitze. Wohltätige Regengüsse durchfeuchten zu Zeiten den Boden. Die Pflanzungen zeigen sich sehr günstig. Die in diesem Monate hauptsächlich erledigten Arbeiten sind einerseits die Ackerarbeiten für den Weinbau und Viehlutter, andererseits die Anpflanzungen der Maulbeerbäume und des Orangengartens. Die Nothwendigkeit solcher Anpflanzungen zeigt sich immer mehr. Man hat zuviel Reben um uns herum angebaut, und wir müssen von jetzt an für den Absatz unserer Weine sorgen. Für den Augenblick verkaufen sich unsere Weine sehr leicht, und wir können die Kunden kaum befriedigen. Indessen müssen die industriellen Pflanzen und die Obstbäume zum grössten Theil unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Das Central-Comite hat mich ermächtigt, in Jerusalem eine Niederlage zum Verkauf unserer Produkte — Weine, Gemüse und Bäume — zu errichten; wir werden dadurch eine nicht zu verachtende Absatzquelle gewinnen. Ich bin überzeugt, dass diese Niederlage unsere Produktion begünstigen und uns klar machen wird, welche Kultur wir begünstigen sollen. Ich freue mich, Ihnen mittheilen zu können, dass mehrere grosse Grundbesitzer in Palästina uns verschiedentlich darum gebeten haben, ihnen israelitische Arbeiter zuzuweisen, namentlich Zöglinge aus unserer Anstalt, um ihre Besitzungen zu bewirtschaften. Ich erblicke in diesen Ansuchen einen sehr grossen Fortschritt. Durch die Vermittelung dieser reichen nichtisraelitischen Grundbesitzer wird sich bei unseren Glaubensgenossen der Sinn für den Ackerbau verallgemeinern. Diese Ansuchen bilden ausserdem eine sehr erfreuliche Anerkennung der landwirtschaftlichen Kapacität der Israeliten und beweisen, dass die Israeliten nicht allein keine Antipathie gegen den Ackerbau haben, sondern auch, dass er ihnen ausserordentlich gelingt. Diese Anträge sind sehr schmeichelhaft für unsere Anstalt, und werde icü nicht ermangeln, diese Propositionen der arabischen Besitzer auszunützen. Salonichi. Am Abend des 14. April hat das Comite der Alliance im Schnllokale einen grossen Ball z. G. der Schulen gegeben. Es waren 500 Theilnehmer, unter denen man den französischen Konsul, wie auch die Konsuln von Spanien und Italien, Se. Eic. Iskender Pascha, der Ober-Inspector des Hospitals, und mehrere mohamedanische und griechische Notablen der Stadt bemerkte. Es ist selbstredend, dass sich die Israeliten mit besonderem Eifer betheiligt hatten. Die Einnahme war eine sehr bedeutende. Unter den Gebern müssen die Gebrüder Allatini. Saias, Saul Modiano, die Bank von Salonichi und Mehmed Oapandji namhaft gemacht werden. Tripolis. Die vom Central-Comite erhaltenen Berichte über den Fortgang und die Entwickelung der Schreiner- und Schmiedewerkstätten, welche von der Alliance eingerichtet wurden, sind zufriedenstellend. Die Schreinerwerkstatt zählte am 31. März 12 Lehrlinge, die Schmiedewerkstatt deren 8; die anderen 10 Lehrlinge sind bei verschiedenen Meistern der Stadt vertheilt. Man beabsichtigt, noch weitere 5 Lehrlinge für Bernfszweige vorzubereiten, die noch nicht von Israeliten ausgeübt worden. Alle diese jungen Leute zeigen die besten Anlagen zur Arbeit, und ihre Fortschritte sind auflallend. Die Israeliten von Tripolis wissen die von der Alliance geleisteten Dienste sehr wohl zu würdigen; sie sehen ein, dass dieselbe berufen ist, auf die moralische und materielle Lage der armen Bevölkerung den besten Einfluss auszuüben. Mehrere Notablen haben namhafte Spenden zur Kleidung der Lehrlinge gemacht. Die Kriege, die jetzt im Süden wüthen, hatten eine betrübende Rückwirkung auf die Lage der israelitischen Gemeinde in Tripolis. Eine bedeutende Karavane, welche vor einigen Wochen Tripolis verliess, wurde kürzlich in Sudan angefallen und ausgeraubt. DieWaaren, welche sie führte, gehörten israelitischen Kaufleuten aus Tripolis, die nahezu 600,000 Frcs. verlieren. Dieser beklagenswerte Fall hat das Elend, welches unter der israelitischen Bevölkerung von Tripolis herrscht, noch vermehrt. In Folge dieser besonders traurigen Sachlage hatten zwei grossherzige Philantropen zu Paris die Güte, bei Gelegenheit des Pessachfestes einige Hilfsmittel unter die bedürftigsten israelitischen Familien von Tripolis vertheilen zu lassen. Dieser Zug der Mildtätigkeit ist in Tripolis durch eine Manifestation rührendster Dankbarkeit erwiedert worden.