Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1894)
- Date
- 1894-08-16
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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1228 der Thiertödtung ist, die bcste jetzt existirende. (Beifall und Widerspruch.) Was wird nun die Folge einer Diskussion sein? Der schöne Eindruck der ersten beiden Sitzungen wird verwischt werden und ein sehr bitteres Gefühl sich einfinden, darum folgen wir dem Präsidenten und vermeiden eine Diskussion. (Lebhafter Beifall.) Nur noch eine Bitte: Man könnte aus der Thatsache, daß keine Diskussion stallfinden soll, allerlei Schlüsse ziehen; man hat nur Bericht erstatten lassen über zwei Länder, die das Schächtverbot erlassen haben, warum nicht auch über die Länder, die dieses Verbot abgelehnt, besonders über Bayern, wo sich die ganze Volksvertretung wie ein Mann gegen einen derartigen Antrag erhoben hat. Was nun der Streit über den Schächlschnitt anbetrifft, so ist dies eine wissenschaftliche Frage, und wir sind nicht das Forum, wo diese Frage entschieden werden kann. Für mich persönlich ist die Frage schon entschieden, ich glaube nach den zahlreichen Erklärungen der ersten Koryphäen der Wissenschaft, nach den jahrelangen Untersuchungen des Dr. Dembo (Anhaltender Lärm), nachdem der Aerztekongreß in Rom, die physiologische Gesellschaft in Berlin, die Akademie in Paris dieselben gebilligt haben (Lärm, Schlußrufe), daß das Schächten keine Thierquälerei ist (Lärm.) Ich bitte also den Präsidenten, zu erklären, daß man mit dem Beschluß, daß keine Diskussion statlfinden solle, nicht gemeint hat, daß der Kongreß sich für oder gegen das Schächten ausspricht. (Beifall.) Professor Förster: Auch ich bin gegen eine Diskussion, auch ich glaube, daß, bona fides vorausgesetzt, wir uns gegenseitig nicht bekehren werden, aber ich will, daß der Kongreß zu dieser wichtigen Frage Stellung nehme. Daher beantrage ich: Der Kongreß erklärt setne Zustimmung zu der gesetzlichen Regelung der Schächtfrage in Sachsen und der Schweiz und fordert alle Vereine auf, dahin zu wirken, daß die gleiche Regelung in allen Ländern durchgeführt werde. Generalarzt Decroix: Ich bin für die Diskussion. Caviezel, Graubünden: Ich habe selbst gegen das Schächten agitiert, aber jetzt bin ich der Ansicht (Lärm bei den Schweizern), daß die Erörterung der Schächtfrage nicht den Programmpunkt bildet, sondern nur die Berichterstattung. (Schlußrufe.) Ich bin ein freier Schweizer und lasse mir das Wort nicht nehmen. Ich bin gegen eine Diskussion. Pfarrer Wolfs: Wir haben einzig die Berichte entgegeugenommen und weiter nichts in der Frage zu thun. Ich beantrage: Der Kongreß dankt den Berichterstattern Herrn Keller und Gmeiner- Benndorf. Präsident L i e n h a r d: Ihr Präsident hat in Uebereinstimmung mit dem schweizerischen Zentralborstand das Programm, wie es vorliegt, festgesetzt, weil er der Ansicht ist, daß auf schweizerischem Boden, nachdem das Volk gesprochen hat, es nicht gut angängig ist, die Schächtfrage für andere Länder unbefangen zu besprechen. Wir wollen weder nach der einen noch nach der anderen Seite yin Einfluß ausüben, wir wollten nur zeigen, wie sich der Kampf in zwei Staaten entwickelt hat. Professor Förster wünscht, daß über seinen Antrag jedenfalls abgestimmt werde. Geh. Ober-NegierungSrath Dam mann: Ehe der Antrag Förster zur Abstimmung gelangen kann, müßte eine Diskussion erfolgen. In diesem Falle bitte ich selbst gegen den Antrag um das Wort. Hartmann, Köln: Als Präsident des ThierschutzoerbandeS des Deutschen Reiches betone ich, daß ich der erste war, der den Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung stellte. Bei der Abstimmung wird der Antrag Wolff: „Die Vorträge nur dankend entgegenzunehmen ohne daran eine Stellungnahme zu knüpfen", mit außerordentlich großer Mehrheit angenommen. Bet der Gegenprobe sind nur fünf Stimmen für das Eingehen in die Diskussion nach dem Anträge Förster. (Lebhafte Bewegung.) Unter der starken Erregung, die diese Debatte und Abstimmung im Saale hervorruft, verhallt das Referat des Herrn Keller über die Bestimmungen des Viehtranportes fast ungehört. Während der Debatte über das Schächten sind eine große Anzahl Schriften über das Schächten verlheilt worden, die lebhaft studiert werden. Stellenweise war die Erregung so lebhaft geworden, daß man eher geglaubt hätte, in einer Volksversammlung zu sein, als auf einem internationalen Delegiertenkongreß; man bedauerte deshalb schließlich nicht, daß eine Diskussion vermieden wurde, bei der die an Zahl fast gleichen Gegner und Freunde des Schächtens sich sehr bald unliebsam erhitzt hätten. Unter den Schweizern überwiegen die Feinde dieser Methode, unter den Deutschen hatten die Freunde die Majorität, die andern Delegierten waren gethetlt. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schotlstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz.