Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1894)
- Date
- 1894-08-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. Zweite Beilage ju M 65 -es „Israelit". Leiteuder Artikel. Z>ie Juden in Htom. ii. Der zweite Band*) handelt von den Inden im christlichen Rom, und zwar umfaßt der erste Theil desselben die Zeit vom Beginne der christlichen Herrschaft (315) bis zur Verbannung der Inden ins Ghetto (1555). Noch genossen die Inden das Bürgerrecht und nahmen an allen staatsbürgerlichen Rechten und Pflichten Thetl. Selbst Constantin, so lange er noch der heidnische Herrscher war, respectirte die alten Rechte der Inden. Aber der christliche Constantin wußte einzelne derselben aufzuheben oder wenigstens zn beschränken, was allmählich zur völligen Aufhebung des Bürgerrechts unter Theodosius II. (439) führte, nachdem dieser das Christenthum gewaltsam zur StaatSreligion erhoben hatte. Was dann im Laufe der Zeiten über die Inden in Rom bekannt wird, wird getreu zusammengcstellt, zu welchem Zwecke die Forschungen Anderer, vorzüglich Güdemann'S, verwertet werden, bis sich das geschichtliche Dunkel aushellt, und der Verfasser aus selbstständigen Untersuchungen, vorzüglich auch topographischer Art, mit vollen Händen spenden kann. Hierzu rechnen wir die endliche Lösung der Kalir-Frage, für die zuerst die Arbeiten Rappoports und DerenbourgS zu Grunde gelegt werden, um danli zu dem festen Resultat zu gelangen: Elasar ist der Sohn des Jakob -Hp, d. h. Celer, und hat im Anfang des 8. Jahrhunderts in Zoo n'Zp, welches die wörtliche lieber* setzung von Civi ras Po rtu s ist, somit in Portus, der Hafenstadt Roms, gelebt. Aus Palästina nach Rom eingewandert, hat Kalir seine ihrem Ursprünge nach palästinensische Dichtung dorthin gebracht und in dieser Weise den Sy^agogenritus nach Rom verpflanzt, wo später eine ganze Reihe von Dichtern erstanden ist, die nach dem Vorbilde in Kalirs Dichtung diese geistige Thätigkeit forschten und das römische Machsor begründeten. Nachdem diese Dichter vorgeführt sind, werden die talmudischen Studien in Rom geschildert, und die Vererbung dieser Gelehrsamkeit durch viele Generationen nachgewiesen. Höchst interessante und ganz neue Entdeckungen für die Geschichte der ältesten Patricierfamilien werden gemacht, der Verfasser des Aruch *) Geschichte der Juden in Rom von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart (2050 Jahre) von Dr. A. Berliner. In zwei Banden. Frankfurt a. M. I. Kauffmann 1893. 1. Band: 120 S. 2. Band: 1. Theil 128 S. II. Theil 236 S. Preis 10 M. und ferne Zeitgenossen, wie auch Abraham ibn Esra's Aufenthalr in Rom eingehend behandelt. „Wer noch heute den unisono Gesang ntoo nrrp nach beendigter Vorlesung der Esther-Rolle im Munde von Alt und Jung am Purim hört, muß unwillkürlich daran denken, daß hier in Rom die Wiege dieses Liedes gestanden habe." Der Bericht Binjamin di Tudela's über Rom aus dem Jahre 1160 wird mitgetheilt, und die günstigen äußeren Verhältnisse der dortigen Juden dargestellt, die allerdings später unter den verschiedenen Päpsten sich gar oft anders gestalteten. Vers, warnt hierbei davor, aus der großen Zahl der von den Päpsten gegen die Juden erlassenen Bullen die Folgerung aus eine feindselige Behandlung der Juden zu ziehen, da man vielfach die Beobachtung macht, daß gerade iu Rom die strengen Gesetze und Verordnungen der Päpste am allerwenigsten zur Geltung kamen, lieber dies war die christliche Bevölkerung daselbst zum großen Theile durchaus nicht gegen die Juden feindlich gesinnt. Die Feierlichkeiten, welche auch die Inden jedesmal bei dem Einzüge eines neuen Papstes veranstalteten und bei denen sie zugleich ihre Huldigung darbrachten, werden eingehend geschildert. Für die innere Geschichte der Gemeinde werden sehr lehrreiche, häufig bis dahin noch ganz unbekannte Beiträge geliefert, und der große Antheil, den römisch-jüdische Gelehrte an der Uebersetzungsliteratur. somit auch an der allgemeinen Wissenschaft haben, näher nachgewiesen. Auch die exegetischen Leistungen werden berücksichtigt, wobei die falsche Vorstellung, die man bisher durch Geiger in seiner Zeitschrift von der Schristerklärnng Immanuels hatte, berichtigt wird. Ein anderer, bisher nur dem Flamen nach bekannter Exeget, nämlich Salomo Jedidja, wird auf Grund einer Handschrift in der Vaticana als geistiger Nachfolger des Abraham ibn Esra näher charakterisirt. Noch werden religiöse Dichter und talmudische Schriftsteller ihres Werthes gewürdigt, letztere mehr in ihrer compilawrischen Thätigkeit, die dann vom Schluffe des 13. Jahrhunderts an weiter keine Nachfolge findet. Die römischen Juden nehmen dann Ritualwerke französischer und deutscher Gesetzeslehrer auf, wodurch sie auch mit gewissen Ausdrücken der Juden anderer Länder bekannt wurden. Bei dieser Gelegenheit theilt der Verfasser Folgendes mit: „So z. B. ist der Ausdruck „Jahrzeit" noch heute unter den römischen Juden üblich, aber mit der Aussprache „Jo rs ej at", weil er ihnen zuerst aus einem Responsum R. Meir Rothenburgs bekannt wurde, worin er als