Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-07-26 · Heft 59 (26.7.1894) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 59 (26.7.1894)
Date
1894-07-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448465--38963-2487093
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

XXXV. Jahrgang. M 59 Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthurn. Begründet von »1«. Lehman« in Mainz. Donnerstag, den 26 Juli 5654 (1894). Leitender Artikel. Der Erfolg der Antisemiten Sei dem jüdischen Höerratlj in Waden. Von AistrictS-Rabbtner Dr. Deutsch. Burgpreppach, den 20. Juli. Das Verbot der Einführung des Kizzur Schulchan Aruch in die israelitischen Schulen Badens, über welches drr „Israelit" in der Pädagogischen Beilage zu Nr. 57 berichtet hat, gibt mir zu nachfolgenden Darlegungen Veranlassung. Ich erachte mich umso eher verpflichtet, in dieser Sache das Wort zu nehmen, als mir das vorerwähnte mit Interdikt belegte Werk in gewissen Kreisen eine Popularität verschafft hat, an welche ich niemals gedacht hatte und die auch vollkommen unverdient war. Nach dem Vorgang anderer Schulen — der Realschule der israel. Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. und der israel. Lehrerbildungsanstalt in Hannover beispielsweise — habe auch ich vor Jahren dieses Compendium in Ermangelung eines geeigneteren in die hiesige israel. Lehrerpräparandte „als Anleitung für Kenntniß der ritualen Gebräuche", wie Zizith, T'fillin u. s. w. (Religionslehre bildete eine gesonderte DiSciplin) eingeführt. Ich war mir dabei so wenig eines Vergehens gegen den Geist des neunzehnten Jahrhunderts bewußt, daß ich in einem Berichte an die Königliche Regierung über den Gebrauch dieses Buches gewissenhaft und treu mit den Worten berichtete: „Außer dem Unterrichte in der Bibel ist als „Anleitung für die ritualen Gebräuche der Israeliten" das hebräisch geschriebene Werk Kizzur Schulchan Aruch etngeführt" — und dieser harmlose Satz — der Bericht, der ihn enhielt, wurde von einigen jüd. Zeitungen beifällig abgedruckt — hat meinem Namen den eigenartigen Ruhm verschafft, von vielen Tausenden antisemitischer Kehlen in einem Athem mit dem eines R. Josef Karo zusammen genannt zu werden. So heißt es in der Einleitung zu dem in vielen Hunderttausenden von Exemplaren verbreiteten Flugblatt Nr. 6 der Antisemiten. nachdem von R. Josef Karo und dessen Werk „Sch. A." die Rede ist: „Der Schulchan Aruch ist Lehrbuch an den Judenschulen auch in Deutschland, dafür liegt unter anderem das Zeugniß des Vorstandes der jüdischen Präparandenschule in Burgpreppach vor. In einem amtlichen Berichte an die Kgl. Bayer. Regierung vom Jahre 1891 wird u. a. gesagt: Außer dem Unterrichte in der Bibel ist als Anleitung für Kenntniß der ritualen Gebräuche der Israeliten das hebr. geschriebene Werk Kizzur Schulchan Aruch eingeführt; in den oberen Klaffen wird noch Stern „die Vorschriften der Thora" benützt. Einen Theil der reltgionsgeschtchlichen Unterweisung bildet noch die Durchnahme leichter Kavitel in Mtschna und Talmud".*) — Gegenüber solchen Beweisen sind die Ableugnungsversuche der Juden vollständig werthlos." Freilich, wenn man so ungeschickt ist, seine Schlechtigkeiten nicht allein einzugestehen, sondern sie freihändig mttzutheilen und zu verbreiten, dann ist es allerdings thöricht, sie nachträglich ableugnen zu wollen. Es fragt sich nur, was die Juden eigentlich ableugnen, und wieso diese Ableugnung nunmehr durch die angeblich erst in meinem Bericht festgestellte Thatsache illusorisch gemacht worden sei. Daß der Talmud, Schulchan Aruch, deren Auszüge und Bearbeitungen von Juden studirt werden,, ja daß deren Studium und Kenntniß das sehnsüchtig erstrebte Ziel in allen besseren jüdischen Bildungsanstalten ausmacht — dies kann von Juden *) Die hier durch Sperrdruck ausgezeichneten Worte sind im Flugblatt durch Fettdruck hervorgehoben. s;> r U. \ 'v\ «*> t 'V j

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.