Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1894)
- Date
- 1894-07-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1085 Stelle sein, welche die beste Auskunft und die geeignetsten Rathschläge in Sachen der isr. Schule und ihrer Lehrer geben kann, an ihn wird sich die Regierung wenden, wenn die Verhältnisse der isr. Schule gesetzlich geordnet werden sollen. Es würde hier zu weit führen, all die Gebiete der isr. Schule und des isr. Gemeindewesens aufzuzählen, in denen der Bund segensreich wirken könnte. Richtig geleitet und erfaßt könnte er dem deutschen Judenthum, welches jetzt durch manche schlimme Zustände in der isr. Schule großen Schaden erleidet, großen Nutzen bringen. Mit großem Bedauern haben wir vernommen, daß die Conferenz der isr. Lehrer in Hessen zu Caffel sich der Gründung eines D. I. L. B. gegenüber ablehnend verhalten hat. Wir können keinen Grund finden, der einen solchen Beschluß rechtfertigt. So lange sich die isr. Lehrer nicht aufraffen und selbst Hand ans Werk legen, sich und ihrer Schule die gebührende Stellung, das gebührende Ansehen zu verschaffen, so lange müssen sie in ihrer unwürdigen Lage verbleiben; mit Jammern und Klagen allein ist es nicht geschehen. Die größte Achtung genießt der self-made Mann und nur dadurch, daß alle isr. Lehrer dem gleichen Ziele zuftreben, ist es möglich, daß es fürs Erste einzelne, später mehrere und endlich mit Gottes Hilfe alle erreichen. Darum muß der D. I. L. B. gegründet werden. Wer sich auf Gott verläßt Und die gelenke Kraft, Der ringt sich leicht aus jeder Fahr und Noth. Den schreckt der Berg nicht, der darauf geboren. Berit us. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu Deutschland. Berlin. Zu der neuen Auflage des Werkes über die Schechitay von Hofrath Dr. Dembo liefert Professor Birchow eine hochinteressante Vorrede. England. London. Aus der Rede, womit Lord Rosebcry im Oberhause die zweite Lesung der Fremden Bill Salisbury's bekämpfte, ist folgendes Thatsächliche zu jenem Theile der Vorlage hervorzuheben, welcher die Einwanderungsfrage behandelt. Der Premier sagte, die Einwanderung sei viel größer gewesen zur Zeit, als Lord Salisbury sich am Ruder befunden habe. Damals regte sich der confervative Premier-Minister nicht. Der damalige Führer des Unterhauses, W. H. Smith, erklärte im Parlament, daß die Zahl der Einwanderer für viel größer gehalten werde, als sie thatsächltch sei. Das Asylrecht sei in England stets geachtet worden. Ebenso sprach sich Sir Michael Hicks-Beach 1891 und Ritchie 1892 aus. Dem Verbot der Einwanderung von völlig Mittellosen, sagte der Letztere, würden höchstens | größere Uebelstände folgen. Niemals sei diese Einwanderung geringer gewesen als jetzt. Lord Rosebery fügte hinzu, daß er nicht unter allen möglichen Umständen gegen eine Beschränkung der Einwanderung sei. Die Zeit möge kommen, aber jetzt sei sie nicht da. Die dahin zielenden Gesetze der Vereinigten Staaten hätten im Jahre 1893 den Erfolg gehabt, daß von 60,000 Einwanderern nur 99 zurückgewiesen worden wären. Man sage, daß die mittellosen Einwanderer, namentlich die sich im Ostende Londons niederließen, der Gemeinde zur Last fielen. Es seien aber hauptsächlich Juden, und da komme dies nicht vor, weil ihre Glaubensgenossen für sie sorgten. Die ganze Sache sei jetzt noch zu geringfügig, um ein gesetzliches Einschreiten dagegen zu erheischen. Ein paar tausend Ausländer könnten am Ende dem britischen Volke wenig Schaden zufügen. Gegenwärtig gäbe es nur 5.8 Ausländer auf 1000 Briten. Die in Rede stehenden Ausländer seien namentlich in der Fabrikation billiger Kleider beschäftigt. In den letzten Jahren habe sich die Ausfuhr dieses Artikels um 62 Percent gehoben. Wozu also gesetzlich einschretten? Die Folge würde nur sein, daß das Ausland Gegenmaßregeln ergreifen würde. — LebensversicherungSuttb Erfparttiß-Ba«k in Stuttgart. Die Bank giebt soeben ihren 39. Bericht für das Verwaltungsjahr 1893 heraus. Aus demselben ist zu ersehen, daß die Bank im vergangenen Jahre emen sehr starken Neuzugang zu verzeichnen hatte. Trotz den bekannt schlechten Erwerbsverhältnissen dieses Jahres, welche bei einer Reihe anderer Gesellschaften durch verminderten Zugang zum Ausdruck kamen, steigerte die Bank ihren Jahreszuwachs gegen 1892 um 1,152,420 Mark und stellte sich damit im „ReinzuwachS" an die Spitze der deutschen Gegenseitigkeitgesellschaften. Im einzelnen ist folgende? zu berichten : Neue Versicherungsanträge wurden gestellt 5,941 über rund 42 Millionen Mark. Zur Annahme gelangten 5,871 über rund 34,7 Millionen Mark. Der Gesammtabgang durch Tod, Ablauf bei Lebzeiten, Rückkauf u. s. w. belief sich auf nicht ganz 11 Millionen Mark. Reinzuwachs demgemäß rund 23,7 Millionen Mark. Gesammtversicherungsstand Ende 1893: 71,517 Policen, 62,963 Personen, 390 Millionen Mark versichertes Kapital. Der freiwillige Abgang bei Lebzeiten ist auch in diesem Jahre wieder erfreulicherweise prozentuell zurückgegangen. Durch Mindersterblichkeit wurde ein Ersparnis von 1 lU Millionen Mark erzielt. Der Aufwand für Verwaltungskosten betrug ansschließlich Steuern, aber einschließlich Abschluß- und Inkasso-Provisionen, nur 5,50,'° der Gesammteinnahmen. Die durchschnittliche Versicherungssumme hat sich von 6,536 Mark auf 6,616 Mark gehoben. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist einen Jahresüberschuß für die Todesfall-Versicherten aus von 3,887,416.86 Mark. Gegen das Vorjahr ist derselbe höher um 222,215 Mark. An Prämien wurden vereinnahmt rund 14,2 Millionen, an Zinsen rund 4,, Millionen Mark. Die Bilanz ergiebt ein Vermögen von rund 107,5 Millionen Mark. Die Fonds sind hauptsächtlich in Hypotheken angelegt. Außerdem in Grundbesitz der Bank in Stuttgart und Berlin rund 1,7 Millionen Mark, in Darlehen aus Werthpapiere 932 204 Mark, in eigenen Werthpapieren der Bank 1973114 Mark, in Darlehen auf Policen der Bank rund 8 Millionen Mark. Unter den Passiven ist der wichtigste Posten die 5 0 t ■ r