Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1894)
- Date
- 1894-07-19
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1(168 Literarischer Wericht. Biblische Melodien. Inhalt: 1. Das bohe Lied, 2. der Prediger Salomos, 3. das Lied Moses. Berlin N. Verlag des „Jesch urun" 1894. Es ist uns schon lange nichts so Confuses, Ab geschmücktes, die bekannte Geduld des Druckpapieres in so glänzender Weise Bestätigendes vorgekommen, als diese „Biblischen Melodien". — Es ist eine Zerzausung und Verballhornisirung des altes biblischen Textes, wie man ihn bet den radikalsten Bibelkcitikern nicht zu finden gewohnt ist. Die verständnißlos und muthwilltg auseinander gerissenen Sätze und Glieder, werden dann wieder neu zusammengeschweitzt, mn ssn und statt des Hohen Liedes u. s. w. kommt ein Kalb heraus. — Diese weder wifienschaftlich noch sonst logisch zu rechtfertigenden Wtllkürlichkeiten werden dann in einem Vorwort mundgerecht und salonfähig zu machen gesucht, dann folgt unter der Etiquette des alten Schir Haschirim ein anderes Liebesgedicht und das Werk ist fertig. Wir hätten über diese die exaltirteste Verschrobenheit fast in jedem Zu^e verrathende Leistung kein Wort an dieser Stelle verloren, wenn wir nicht die Herren Lehrer und Cantoren vor einem Reinfall schützen wollten. — Der Titel könnte manchen verlocken und ihn auf den Glauben bringen, es wäre da vielleicht wenigstens eine musikalische Leistung geboten. Außer dem Titel ist von Melodien nirgends eine Spur anzutreffen, es sind nicht etwa Lieder ohne Worte, wie man aus dem Titel schließen könnte, sondern es sind nicht einmal biblische Worte, geschweige denn biblische Melodien, die hier geboten werden. Die Produktion hat jedoch den Werth, daß sie das jüdische Blatt charakterisirt, in deffen Verlag sie erscheint. Die Tendenz desselben, welche sonst mit großem Aufwand von Jonaleurkünsten sorgsam verhüllt wird, tritt durch diesen Verlag in wünschenswerter Weise recht offen zu Tage. — Die Herren Lehrer, welche ein Blatt von solcher Tendenz nicht zum Bundes Organ möchten, wissen nun wenigstens ihre abwehrende Haltung gegen diese aufdringlichen Gunstbewerbungen zu begründen. Zeitungsuachrichteri und Correspoudenzeu Deutschland. Berlin, 18. Juli. Zum Andenken an den am 29. April d. I. verstorbenen Herrn Kommerzienrat Louis Lkebermann haben seine Erben dem Magistrat von Berlin, vertreten durch seine Stiftungs-Deputation, zur Begründung einer Louis Ltebermann-Stiftung 50,000 Mark überwiesen. Zu dieser Summe hat der Miterbe Herr Dr. Felix Liebermann außerdem den gleichen Betrag zugefügt. Die Zinsen aus diesen 100,000 Mark sollen zwar an jedem 29. April zur Verteilung gelangen, ausnahmsweise jedoch, bei besonders dringenden Fällen, auch zu anderen Terminen. Für jede Zuwendung bestimmten die Erben den Betrag von 100 bis 1000 Mark. Bei der Auswahl der zu berücksichtigenden Personen soll deren religiöses Bekenntniß nicht in Frage kommen. Vorzugsweise sollen Unterstützungen zur Aushilfe oder Begründung einer wirtschaftlichen Existenz, zur Aussteuer bet der Verheirathung, zu einer unumgänglichen Kur hier oder außerhalb Berlins oder zur Ausbildung hervorragend Begabter in Kunst und Wiffenschast verliehen werden. Aus Sachsen, 17. Juli. Gegen das demagogische Treiben der antisemitischen Reformer wendet sich neuerdings ein Landpastor in einem Artikel der „Leipziger Zeitung." Es sei ein Jammer, so führt derselbe aus, daß unreife Hetzapostel der in der Hauptsache konservativen Landbevölkerung die Köpfe verdrehten und sie tatsächlich in's sozialdemokratische Fahrwasser hineinlenkten, so daß schon bei der nächsten Wahl die Mehrzahl der ländlichen Wähler sozialdemokratisch wählen werde. Beklagenswert sei es auch, daß man es von konservativer Seite immer noch unterlaffe in Volksversammlungen, die von reformerischer Seite einberufen werden, den wahren Werth dieser Sekte und namentlich ihrer Parteiführer klarzustellen. Der Herr Pastor scheint gar nicht zu wissen, daß es vornehmlich seine Gesinnungsgenossen sind, die die antisemitische Bewegung großgezogen haben, auch scheint ihm unbekannt zu sein, daß zahlreiche Berufsgenossen von ihm sich nach wie vor in hervorragender Weise an dem demagogischenTreiben der Antisemiten betheiligen, j Die Geister, die man rief, wird man nicht wieder los. Anzeigen. Für den folgenden Thcil ist die Redaction nicht verantwortlich. £owu> Si4tum 9*i*di*€Ij, sc(iw&z vezziCGezte iyt,