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Der Israelit · 1894-07-12 · Heft 55 (12.7.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 55 (12.7.1894)
Date
1894-07-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1021 sage mir, mein Kind, wer wohnt noch in diesem Hause?" „Niemand mehr," entgegnete Esther, „als mein Vater, ein alter und ehrwürdiger Mann, und wenn Ihr uns die unendliche Ehre erweisen würdet in unsere niedere Hütte einzukehren und zu genießen von dem wenigen, was wir bieten können, so würden wir das betrachten, wie eine Gnade Gottes." DeS Königs Miene war wieder ernst geworden. „Nicht zu essen und nicht zu trinken bin ich hierhergekommen, ich stehe als Richter vor Dir; ein grausiges, furchtbares Verbrechen ist geschehen und die Fußspuren jener Unthat führen von dem Platze des Mordes uns hierher zu Eurer Thür." Esther erbleichte. „Um Gott," rief sie. „man Wird doch unmöglich etwa uns im Verdacht . . ." Sie vermochte nicht auszusprechen, so zitterte sie am ganzen Leibe. „Nein, nein, ich will es gewiß nicht sagen", entgegnete der ritterliche König, „wer so viel Anmuth und Liebreiz besitzt, der wird gewiß nicht einer so furchtbaren That fähig sein, aber wo ist dein Vater?" „Er ist ausgegangen, Herr, aber er wird wohl bald zurückkehren." „Besetzt das Haus", rief Kasimir seinen Knechten zu. „Umzingelt dasselbe rings um und sorgt dafür, daß Niemand entweichen kann. Ihr andern aber geht in das Dorf und seht zu, ob ihr den Juden, der dieses Haus bewohnt, findet, damit er sich vor uns vertheidige. „Ihr glaubt doch nicht, Majestät, daß mein Vater ..... das ist ja ganz unmöglich, das kann ja nicht sein. Ihr, ein so edler Herrscher!" Nochmals ruhte das Auge des Königs mit Wohlgefallen auf Esther, aber gewohnt, sich zu beherrschen, bezwang er sich auch diesmal. „Schweigt, und tretet dorthin zu meiner Linken, redet kein Wort, bis Euer Vater kommt." Stumm gehorchte ihm Esther. In den schadenfrohen Blicken ihrer Umgebung schien sie ihr Loos zu erkennen. Eine Pause war entstanden, in welcher der Pan von Wola das Wort ergriff. „Majestät" sagte er, „seht Ihr wohl, das kommt daher, weil Ihr uns diese Landplage, dieses elende Gesindel auf den Hals geladen habt. „Ihr habt die Juden in das Land gerufen und jetzt ist es schon so weit gekommen, daß sie unsre kleinen Kinder zu ermorden wagen." „Schweigt", donnerte ihn der König an, „was ich gethan habe, habe ich wohl bedacht gethan und weiß es zu verantworten. Ich habe den Juden erlaubt, nach Polen zu wandern, weil ich Freiheit, gleiches Recht für alle wünsche. Wenn einer von ihnen aber ein Verbrechen begangen hat, so soll ihn die volle Schwere des Gesetzes treffen." Noch redete der König, als ein Mönch mit einem Bauer und einer Bäuerin des Wegs daher kam, gerade auf den König zu. Der Mönch verbeugte sich tief und erklärte, daß die Beiden mit zugesehen, wie ein alter Jude und seine Tochter das Kind getötet hätten. „Ist das wahr", fragte der König, und die Beiden bestätigten eS. Und wiederum erhob sich ein Geschrei und ein Getöse. Die Knechte, die man in daS Dorf gesandt hatte, brachten Rabbi Jehoschua daher, der gerade von einem Metzger kam, bei dem er mehrere Thiere geschlachtet hatte. Seine Kleider und seine Hände waren noch von Blut bespritzt. Der König erschauderte, als er des Mannes ansichtig wurde, der Pan von Wola aber schrie: „Seht seine Hände und seine Kleider sind voll Blut, er rühmt sich noch mit dem Schrecklichen, das er begangen." König Kasimir aber wandte sich zu den Bauern und fragte: „Erkennt Ihr in diesem Mann denjenigen wieder, der das Kind getötet hat?" Er fragte nur, ob sie in Jehoschua den Mörder sahen, denn er wagte es nicht über die Lippen zu bringen, daß Esther an dem furchtbaren Verbrechen bethetltgt sein könne. „Ja", rief die Bäuerin, „wir erkennen in dem Mann und in der Dirne die Beiden wieder, die das Verbrechen begangen haben." Noch einen langen, schweren, wehmutsvollen Blick warf der König auf Esther. Es schien ihm, als ob sich ihm in seinem Herzen etwas zusammen zöge, voll Leid und bitterem Schmerze; dann aber bezwang er sich und befahl„Bindet diesen Beiden die Hände und führt sie nach Krakau in das Gefängniß. „Ein Blutgericht soll sofort zusammen treten und den Fall untersuchen und Recht sprechen." „Was bedarf es da eines Gerichts", rief der Herr von Roßny, „ist die Schuld der beiden Juden Euch nicht genugsam bewiesen? „Wir wollen sie zusammenhauen mit unfern Schwertern, damit Jeder sehe, wie polnische Edelleute das Verbrechen rächen." „Roßny" schrie König Kasimir, „seid Ihr ein Henker oder ein Edelmann. Das Schwert in die Scheide! Ich befehle es Euch, Euer König, und nun geht auseinander ihr Leute, wir wollen die Jagd nicht weiter führen, durch das Entsetzliche, das heute geschehen, ist mir jede Lust an derselben verdorben; geht heim und trauert, daß in unsrem Lande sich so Schreckliches zutragen konnte." Die Edlen verbeugten sich stumm und zogen

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