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Der Israelit · 1894-07-02 · Heft 52 (2.7.1894) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 52 (2.7.1894)
Date
1894-07-02
Page
– (sequence 20)
Language
German
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974 Schulkindern auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen bezüglich des Religionsunterrichts, des Gottesdienstes, des Besuchs der öffentlichen Schulen zustehen. Aufklärung hierüber wird die Betheiligten oft vor Nachtheil bewahren. 4. Nächst der Sorge um die hohen idealen Güter unserer Religion beschäftigt uns aber auch das Bestreben, den Männern, denen die Pflege dieser Güter anvertraut ist, diejenige Stellung zu verschaffen, in der sie von materiellen Sorgen frei ihrem hehren Berufe freudig und muthig dienen können. Wir glauben, daß schon in den oben vorgeschlagenen Zweckverbänden ein beachtenswerthrs Mittel zur Hebung der materiellen Lage der Beamten in kleinen Gemeinden sich darbietet. Ein großer Theil ist aber wohl auch deshalb nicht in der Lage seine Stelle zu verbessern, weil ihnen die nöthige Kenntniß von Personen und Zuständen in andern Gemeinden, Beziehung und Mittel fehlen mit den maßgebenden Faktoren in Verbindung zu treten. Auch die jüdische Presse dringt nicht immer in die fernsten Winkel des Landes. Hier dürfte sehr wohlthätig wirken die Errichtung einer Ste lle n- Nachwets- und Vermittelungs-Stätte, die jedem Kollegen auf seinen Wunsch unverzüglich von jeder Vakanz Mitteilung zu machen und seine Anstellung thunlichft nach Kräften zu befördern hätte, bei Vermeidung jedweder Einmischung in die inneren Angelegenheiten einer Gemeinde. 5. In enger Verbindung mit dem oben besprochenen Mangel steht ein anderer Uebelftand, der in der Unsicherheit der Stellungsverhältnisse unserer Gemeindebeamten wurzelt. Hier würde sich eineVersicherungskassc gegenStellenloiigleit in den häufig plötzlich, nicht selten unverschuldet eintretenden Fällen als sehr segensreich erweisen. 6. Denen, die ein arbeitsreiches Leben im Dienste der Religion hinter sich haben, darf wohl ein sorgenfreies Alter gegönnt sein. So wollen wir den, wenn auch nicht gleich und leicht ausführbaren Gedanken ernstlich erwägen, ein Jüdisches Lehrerheim zu begründen, das unsere Alten und Schwachen aufnehmen und ihnen einen heiteren Lebensabend im trauten Kreise gleichaltriger Kollegen bereiten soll. Warum sollten wir, die wir das Jahr über durch so vielfache Sammlungen die Existenz anderer humanitärer und religiöser Anstalten begründen und befördern helfen, nicht im Stande sein für uns selbst zu sorgen! 7. Zur Erfüllung aller dieser wichtigen Aufgaben, die wir im Vorstehenden in großen Zügen vorgeführt haben, ist eine öftere persönliche Aussprache nothwendig, ist es erforderlich, daß wir in steter Fühlung bleiben mit den Kollegen und mir den Gemeinden. Mir halten daher periodische, an verschiedenen Orten stattfindende Bezirkskonferenzen für durchaus unumgänglich. Hier findet sich auch die Gelegenheit zu gegenseitiger Anregung, geistiger Fortbildung, pädagogischer Ausbildung der religiösen Unterrichtszweige, gemeinsamer Vertretung der Standesinteressen. Freilich alle diese Aufgaben auf einmal lösen zu wollen, lösen zu können, wäre zu behaupten vermessen, aber ihre Lösung ins Auge zu fassen und allmählich zu versuchen, ist wohl des Schweißes der Edlen Werth. Liebe Kollegen! Es bedarf wohl kaum der weiteren Ausführung, daß sich alles dies nur erreichen läßt in Form eines festen, großen und starken Verbandes. Wir fordern Euch daher auf zu einem Verbände jüdischer Religionslehrer zusammenzutreten. Dieser Verband soll keineswegs in Gegensatz zu bereits bestehenden Vereinigungen anderer Art treten, vielmehr die denselben mehr oder minder fernliegenden Ziele in vorbezeichneter Weise — Keinem zu Leide — verfolgen. Zu Mitgliedern dieses Verbandes sollen alle diejenigen zugelaffen werden, welche durch eine autoritative Persönlichkeit oder Behörde Deutschlands das Recht zur Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichts erlangt haben. Beitrittserklärungen sind an den mitunterzeichneten Herrn Dr. Louis Neustadt in Breslau zu senden. Wir werden uns alsdann erlauben Ihnen nach einiger Zeit weitere Mittheilung zugehen zu lassen. Jakob Bahr, Prediger und Religionslehrer in Reichenbach i. Schl., Dr. M. L. Bamberger, Rabbiner in Schildberg, Dr. Scckel Bamberger, Rabbiner in Schrimm. Salomon Borchardt, Hauptlehrer in Samter (Pos.), Dr. S. Chodowskt, Rabbiner in Oels i. Schl., Dr. Jakob Cohn, Rabbiner in Kattowitz, Dr. John Cohn, Rabbiner in Wreschen, Isidor Feibel, Kantor und Lehrer in Jauer, Max Graf, Lehrer in Glogau, A. Ksinski, Lehrer in Kempen (Pos.), S. Knttner, Lehrer in Gostyn, M. Loewenthal, Rabbinatsverweser in Groß- Wartenberg, Dr. Lonis Neustadt in Breslau. Dr. Ludw. A. Roflnthal, Rabbiner in Rogasen, Dr. N. Sandler, Rabbiner in Schwedt a. O., Dr. H. Tietz, Klausrabbiner in Jnowrazlaw, P. Weißmann, Hauptlehrer in Antonienhütte, Dr. Leopold Wreschner, Rabbiner in Samter. Die Mitglieder werden demnächst Einladung und Tagesordnung für den Verbandstag erhalten. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Ioh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

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