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Der Israelit · 1894-06-28 · Heft 51 (28.6.1894) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 51 (28.6.1894)
Date
1894-06-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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948 sterbenden Kardinal oder einem andern die Verantwortung dafür zuzuschreiben ist, läßt sich nicht sagen. Uns selbst sagte man einmal, der Kardinal wäre geneigt gewesen, daS Kaiserwort als Oberhirt seinem unterstehenden Klerus bekannt zu geben, er sei aber davon durch anderweitige, nicht geistliche Einflüsse abgehalten worden. Eine unanfechtbare Feststellung dieser Frage wird wohl niemals möglich sein. Doch wie dem auch sei, bekannt ist wohl, daß Graf Taaffe, obwohl persönlich durchaus kein Antisemit wofür sich unzählige schlagende Beweise anführen ließen, — er ist eben zu klug, um dieser „Verirrung" zu huldigen — bekannt ist, daß Graf Taaffe auS politischen und vielleicht noch mehr aus nationalen Gründen den Antisemitismus gewähren und anwachsen ließ. Er förderte ihn niemals direkt, aber er legte ihm niemals ein Hinderniß in den Weg und er ließ eS geschehen, daß die Antisemiten die Meinung verbreiteten, ihr Treiben werde „Oben" durchaus nicht mit scheelen Blicken betrachtet, sondern eher wohlgefällig ausgenommen. Er ließ dies geschehen, sagen wir, weil ihm dadurch ein Helfer gegen die verhaßten Liberalen und namentlich gegen die Deutschen erstand. Mit dem Sturze des verflossenen Regimes glaubte man einen Wandel erhoffen zu dürfen. Die Koalitions- Regierung trat mit einem Programm auf, das auf der Zurückdrängung „aller extremen Elemente" basirte und „Offenheit und Wahrheit" zu seiner Devise erwählte. Damit aber war eine geheime Förderung oder auch nur eine stille Duldung des zersetzenden, den Gesetzen hohnsprechenden und die Grundlagen des modernen Staates untergrabenden Antisemitismus schlechterdings unverträglich. Indessen sollten die erhegten Erwartungen betreffs einer Besserung dieser Verhältnisse vorerst noch nicht in die Erscheinung treten. Ein Abgeordneter durfte ungestraft in einer Versammlung das Verlangen stellen, daß gleichwie einst gegen die Mongolen, jetzt „auf gesetzlichem Wege" gegen die Juden ein Schußgeld ausgeworfen werden sollte; ein Geistlicher konnte unbeanstandet einen Cyklus von Vorträgen halten und Schriften verbreiten, die in maßloser Weise gegen die Juden aufreizten. Auch sonst war das Treiben so arg geworden, daß das bereits erwähnte klerikal-feudale „Vaterland" sich zu einem 1 überaus scharfen Feldzuge gegen die Antisemiten gezwungen sah, ihre Hetze brandmarkte und von ihnen schrieb, daß sie „Richter und Henker" zugleich sein wollten. Die Antisemiten ihrerseits wurden immer übermüthiger, sie reklamirten bereits offen einige Mitglieder des Kabinets Windischgrätz für sich; im deütschliberalen Lager wurde ein nicht mißzuverstebendes Murren vernehmbar. Die Antisemiten jubelten, "wie das „Berl. Tageblatt", dem wir diesen Bericht entnehmen, bemerkt, über diesen Gang der Dinge, sie sahen den Himmel voller Geigen und wähnten schon, daß nun ihre Zeit anbreche — da fuhr denn völlig spontan der Ministerpräsident dazwischen und zerriß mit starker Hand die dunkeln Wolken, die auf unserem öffentlichen Leben lagerten. Seine Eingangs zitirte Kundgebung, die übrigens noch weit entschiedener gelautet haben soll, als das „Vaterland" meldete, kommt einer wackeren, klärenden Thal gleich und wird auch von allen liberalen Blättern als solche bezeichnet und mit Wärme begrüßt, während die Antisemiten sich winden und drehen, kleinlaut oder giftig den empfangenen Schlag quittiren und sich nur mit der Hoffnung zu trösten versuchen, daß nichts so heiß gegeffen werde, wie es gekocht sei. Wir unsererseits aber dürfen hoffen, daß dieser ihr Trost auf sehr schwankendem Grunde steht. An der Loyalität wie an der Noblesse eines Fürsten Windischgrätz zu zweifeln, hat Niemand ein Recht. Er, der konservative Staatsmann, hat die Gefährlichkeit und Unstatthaftigkeit des Antisemitismus erkannt und dann auch sofort mannhaft gegen denselben Stellung genommen. Es ist nicht seine Art, etwa gleich Militär gegen die Antisemiten aufmarschiren zu lassen. Dies wäre auch ein fragwürdiges Mittel, und die Liberalen sowie die Juden selber verlangen derlei gar nicht. Ihnen ist es genug, wenn die Gesetze gleichmäßig gehandhabt werden, wenn die Antisemiten von Regierungs - wegen keine Ermunterung erfahren, sondern wenn man sie von dieser Seite offen und in aller Form verurtheilt, wie sie es verdienen, und wenn sie für Ausschreitungen aller Art nach Recht und Gesetz zur Verantwortung gezogen werden. All das aber wird geschehen, das Wort des Fürsten Windischgrätz verbürgt dies, und was wir von seinen Absichten zuverlässig wissen, spricht ebenfalls mit Sicherheit dafür. Es ist sonach viel erreicht worden, zum Mindesten ist es bedeutend besser geworden, als es in der fraglichen Richtung seit langer Zeit bei uns war. Bei diesem Anlaß dürften wir auch, Gerechtigkeit übend, des Grafen Hohenwart nicht vergessen, dieses streng konservativen, aber ehrlich konservativen, früher so viel angefeindeten Mannes, der loyal und überzeugungstreu sein redlich Scherflein zur neuen Wendung der Dinge beigetragen. Ganz besonders aber ist das Verdienst des Finanzministers Dr. v. Plener anzuerkennen. Er hat die Deutschliberalen in ihrer Erregung zu beschwichtigen sich bemüht und ihnen verheißen, daß es allmählich besser werden wird. Man vertraut ihm und man weiß, daß er unermüdlich bestrebt sein wird, zu erzielen, was nach und nach im Rahmen einer Koalition überhaupt für die Deutschliberalen erzielt werden kann. Und es ist kein bloßer Zufall, daß Kaiser Franz Joseph just nach der besprochenen Kundgebung des Fürsten Windischgrätz Veranlassung genommen hat, seiner besonderen Zufriedenheit mit dem Gang der Geschäfte Ausdruck zu geben und zu bemerken, daß Erfolge, wie sie auch in der letzten Session des Reichsrathes errungen wurden, „nur in Ruhe und Frieden" möglich seien. „Ruhe und Frieden" — diesem Wunsche des verehrten Herrschers kann man nur aus vollem Herzen zustimmen, er gilt sowohl nach Außen wie nach Innen. Anzeigen. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Mount Cfeschw. Sobernh eim, Bingen a. Rh. Gründliche häusliche, wissenschaftliche «. gesellschaftliche Ausbildung junger Rädchen. (4060 Heinricbsberg J Jjj Jsj Heinrichsberg Pensionat u. höhere Töchterschule von Hermine Wolff. Referenzen: Ihre Ehrw. Herren Rabb. Dr. Gronemann, Hannover, Rabb. Dr. Kahn u. Rabb. Dr. Silberstein, Wiesbaden. Streng "ira Streng -ibo Kotek Wctoria Bad Schrvalbach. 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