Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1894)
- Date
- 1894-06-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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921 durch Wuchergeschäfte zum Hauptziel ihres Trachtens machten. Dieses ist ihnen in Deutschland, Frankreich, England Italien und den übrigen Ländern aufgenöthigt worden; durch anderhalb Jahrtausende mußten sie ein kaum menschenwürdiges Dasein Hinschleppen, aus dem sie sich allein durch das Zusammenscharren von Geld emporschwingen konnten, um bald wieder desto tiefer herabzustürzen. Nun sie dieselbe Berechtigung mit den anderen Confessionen genießen, wird auch das Gleichgewicht wieder hergestellt. Wir haben schon gesehen, wie aus Familien, deren Mitglieder ehemals den gelben Lappen auf ihrem Rücken tragen mußten, ein hochdenkender, von kosmopolitischen Ideen erfüllter Philosoph und mehrere treffliche Musiker hervorgegangen sind, während Andere vom Stamme Juda und Levi auf wissenschaftlichem Gebiete sich glänzend hervorgethan haben, und so wollen wir alle ihre Glaubensgenossen anspornen, mit Maimontdes und Jehuda ben Halevi zu wetteifern, statt danach zu trachten, sich zu Königen der Berliner oder Londoner Börse emporzuschwingen. Denjenigen aber, die sich nicht scheuen, heute die Judenhetze des finstersten Mittelalters zu wiederholen, soll man sagen, daß sie unwerth sind, am Ende des 19. Jahrhunderts zu leben, das in so vieler Hinsicht seine Vorgänger überragt, und daß sie bei Nathan dem Weisen in die Schule gehen sollen." Feuilleton. Esterku, Königin von Uoten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 7.) (Nachdruck verboten.) Jubelnd vor Entzücken geleitete der junge Arzt seine Braut und deren Vater nach seinem Zelte. Da gab es ein Fragen und Erzählen ohne Ende, und doch konnten fle sich gegenseitig nicht genug berichten von all den vielen endlosen Abenteuern und Gefahren, die sie beide erlebt. Das Leben in der modernen Zeit verläuft so ruhig und verhältnißmäßig eintönig, daß es schier unbegreiflich und über die Maßen fantastisch und romantisch tönt, wenn man von jenen Erlebnissen hört in einer Zeit, die wie ein Feen-Märchen zu uns herüberleuchtet. Nachdem die drei sich lange und ausführlich alle ihre Erlebniffe erzählt, sagte ihnen Elischa, daß es nun Zeit sei. daß sie sich dem Fürsten, Armienos hieß er, vorstellten. Gerne willigte der Rabbi und seine Tochter ein und Elischa ließ durch Diener um die Erlaubniß bitten, die Seinen vor das Antlitz des Fürsten führen zu dürfen. Der gütige Fürst, ein Held von Aussehen und doch mit sanften, edelmüthtgen Zügen, die von langem, weißen Haupthaare und langem Barte umhüllt waren, empfing die beiden Fremden mit Liebe und Güte. Ein heiteres Lächeln spielte um seine Lippen, als er von den Schicksalen hörte, die Rabbi Jehoschua und seine Tochter in der deutschen Heimath getroffen. „Ja, ja", sagte er, „Polen ist wohl auch ein Land, in dem manches besser sein könnte, aber so wild, so unkultivirt und barbarisch, wie da draußen weit in der Ferne das Deutschland, so waren wir doch vor vielen hundert Jahren schon nicht mehr." Und gütig wendete er sich dann zu Esther. „Gerne würde ich Dir ein Zelt gönnen in unserer Mitte, Jungfrau", redete er sie an, „aber das Leben, das wir führen, ist ein wildes und gefährliches und jeder Tag und jede Nacht kann unS den Tod bringen. Auch wir haben unsre Weiber daheim gelassen in Gori und ich habe ein Gesetz ausgegeben für meinen ganzen Stamm, daß Weiber nicht in meinem Lager verweilen sollen, denn das Weib erschlafft den Mann und benimmt ihm die Heldenkraft. Wir aber brauchen Kraft und Muth, um kühne Thaten zu begehen." „Mein edler Fürst", ergriff Elischa das Wort, „schon habe ich bedacht, was Deine Lippen soeben redeten, und weil es nicht möglich ist, daß wir diesen Greis hier, dessen Lenden schwach sind und der nicht mehr die Härte des Kriegslebens ertragen würde, daß wir diesen Greis und dieses junge Mädchen hier lassen, so will ich sie in eine Hütte bringen auf eines der Güter, welches unserem erhabenen König Kasimir gehört, dem ja auch Du, edler Fürst, Gehorsam und Treue geschworen hast." „So sei es denn, wie Du gesprochen; ich gebe Dir Erlaubniß, Dich während drei Tagen von unserem Lager zu entfernen und die Deinen dahin zu bringen, wo Du wünschest. Und wenn Du Gold wünscht st, um Deine Pläne erfüllen zu können, um diesem Greis die Hütte kaufen zu können, wo er sein müdes Haupt zur Ruhe legen kann, so lasse Dir aus meinem Schatze geben, so viel Du bedarfst." „Edler Fürst", entgegnete Elischa, „Du hast mich von jeher so reich bedacht. Du hast meine geringen Dienste stets so überreich belohnt, daß ich jetzt Deiner Hilfe nicht bedarf. - Ich besitze genug, um dm Meinen eine Zufluchtsstätte zu kaufen." Der gütige Fürst nickte zustimmend und entließ mit huldvoller Handbewegung Elischa und die Seinen. Elischa selbst führte sie nun durch das Lager, und zeigte ihnen die Feuer, an denen die riesenhaften Krieger, bis an die Zähne bewaffnet, lagerten- „Wen dieses Volk unterstützt," sagte er zu Rabbi Jehoschua, „der kann sich ein Königreich erobern, denn keiner ist unter ihnen, der nicht ein Held ist an Kraft und Stärke."