Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1894)
- Date
- 1894-06-21
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Blätter für die iSr. Schule. dasL^ O S E S vD^ (| Mr. 5. SI. J««i 1894] Wä myM vmm mm. iari.n.TOfi>; Inhalt: Leuchtkugeln vom Berge. Schilderungen aus der iSr. Schulwelt von VeritaS. — Aus Stadt und Land: Mainz. — — Briefkasten. — Nur seminaristisch gebildete Bewerber wollen stch melden! — Allerlei. **+ Leuchtkugeln vom Merge. Schilderungen aus der iSr. Schulwelt von BeritaS. Du mußt mir nicht zürnen, lieber Kollege, daß ich meine Leuchtkugeln vom Berge herabsende. Das hat zweierlei Gründe. Erstens wohne ich auf einem Berge, der mir die herrlichste Aussicht ins Thal gewährt und müßte, falls ich die Leuchtkugeln aus der Ebene senden wollte, meine luftige Wohnung verlassen, was nicht gut angeht. Zweitens wird alles, was auf der Höhe geschieht, viel früher und leichter gesehen, viel eher bemerkbar, und daß meine Leuchtkugeln recht weit sichtbar werden und unangenehme Zustände recht grell beleuchten, das ist mein Wunsch. Vielleicht wird dann manches besser. Der entdeckte und aufgedeckte Schaden ist leicht zu heilen, während der unbekannte unerkannt im Verborgenen wuchert, und seine Umgebung vergiftend stets größer und schwerer heilbar wird. Und daß „Manches faul ist im Staate Dänemark", wer wollte, wer könnte es leugnen? Daß mancher Krebsschaden an der isr. Schule und an dem isr. Lehrerstand seit langer Zeit haftet, wem wäre das nicht bekannt? Verschließen wir unsere Augen den Entdeckungen, die man auf einem kritischen Rundgang im Gebiete der Schule macht, so wird es nie anders werden, und daß es anders werde, das ist unser Streben, unser Ziel. Die isr. Schule, der iSr. Lehrer sind Schmerzenskinder seit ewigen Zeiten und sie sind mit all den Gebrechen behaftet, die wir an Schmerzenskindern zu sehen gewohnt sind. Nicht, daß sie nicht lebensfähig seien — Schmerzenskinder erreichen oft ein sehr hohes Alter — Leben, kräftiges Leben pulsiert in ihnen, aber in verkümmerter u. mißgestalteter Form. I. „Es hilft ja doch nichts", das ist das Vorurtheil, an dem die Genesung und gesunde Entwickelung unserer Schulverhältniffe scheitern. Das stagnirende, sterile Stadium, in welches wir eingetreten find, kann nicht lange mehr so anhalteu; unser Bestes, unsere Jugend, unsere Zukunft leidet darunter. Bon der isr. Schule soll die Kraft ausgehen, welche den Juden befähigt, den Kampf mit dem Dasein in des Wortes weitester Bedeutung aufzunehmen. Wie können wir von einem vegetirenden, kranken Organismus eine solche Kraftentwickelung erwarten? Oser bedarf es nicht einer elementaren Kraft allein den Verdächtigungen und Anfeindungen des Antisemitismus entgegenzutreten, sie wirksam zu bekämpfen? Bedarf es nicht einer elementaren Kraft, einzutreten in den Kampf, der sich um unser Heiligstes entsponnen hat? Gewiß ist es, daß unsere isr. Schule unserer Jugend das nicht bietet, was man von ihr füglich verlangen muß. Welches sind die Ursachen dieser betrübenden Erscheinung? Bor allen Dingen ist es die Schule selbst, dann sind es deren Lehrer, endlich die Eltern und das elterliche Haus — und last not least unsere Zeit. Die Schule selbst ist Schuld daran, daß sie ihr Ziel nicht erreicht. Es ist eine bittere Wahrheit, die wir hier niederschreiben, und sie ist bitter, weil sie wahr ist und wahr, weil sie bitter ist, die Verhältnisse der isr. Schule liegen im Argen. Wir können von jenen 6 oder sieben „höheren Schulen", deren Verhältnisse besser liegen, absehen, und nur die Elementar- und Reltgionsschulen in den Kreis unserer Betrachtung ziehen. Die Elemen-