Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1894)
- Date
- 1894-06-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. M 48, / Der Israelit. Ein Genlrak-Hrgan für das orthodore Zudenthum. Begründet von Dr, Lehman« in Mainz. Montag, den 18. Juni 5654 (1894). Leitender Artikel. Ei« Jubiläum. Berlin, 12. Juni, njna» bv m t-idm. Heute sind es fünfzig Jahre, daß in Braunschweig die erste Rabbiner-Versammlung zusammentrat. Was ste zusammen trat oder zusammen treten wollte, das war die Thora, deren Offenbarung wir gestern zum mehr als 32,00sten Male feierten. Wunderbares Walten der Nemesis! Seit tausenden von Jahren feiern wir das Fest, an welchem uns Gott auserwählte von allen Völkern und uns seine Thora mit der Verheißung gab, ijnr ’bd rorn »d, daß ste niemals im Munde der Enkel jener von Gott erwählten Träger vergessen werde. Noch zählen wir alljährlich die Tage und Wochen, welche zum Feste der Gesetz, gebung führen und schlossen allabendlich diese Zählung mit der Bitte ‘■jminmjpVn im, daß Gott auch uns unseren Antheil an der Erhaltung und Verbreitung seiner Thora gewähren möge. Und die Rabbiner, welche Versammlungen und Synoden in der dreist ausgesprochenen Absicht beriefen, um das ewige Wort des lebendigen Gottes antiqnirt und abgeschafft zu erklären, sind mit ihren Zusammenkünften und Beschlüssen nach wenigen Decenien so vollständig der Vergessenheit verfallen, daß kein Mensch mehr daran denkt, daß heute der fünfzigjährige Geburtstag der ersten Rabbinerversammlung ist! Auch ich hätte nicht daran gedacht, wenn nicht in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" einer der Taufpathen, welche jener ersten Rabbinerversammlung Gevatter standen, die vergeßliche Welt daran erinnerte. — Wahrlich es ist und bleibt eine mächtig ergreifende Seite der göttlichen Waltunginiv DiNt? man Hud, die dem Menschen mit dem Maße mißt, mit dem er gemessen, wie sie sich gerade au den Rabbinerversammlungen und ihren Entrepreneuren bewährt hat. Dem Zeitgeist zu schmeicheln, mit der Zeit zu gehe», das waren die Forderungen des Tages, auS welchen jene Zusammenkünfte und ihre Beschlüsse hervorgegangen sind. Und nun ist die Zeit, um deren Gunst sie so angelegentlich buhlten, mit ihrem mächtigen unaufhaltsamen Schritt über ihre Schmeichler hinweggegangen und hat sie in ihren wogenden Fluthen begraben. Die Zeit, die sie erzeugt, hat ste auch verschlungen. Sie gingen mit der Zeit und mit der Zeit gingen und vergingen sie. Versunken uud vergessen! Das ist des Sängers Fluch : -idmi? ysy nzrb rarrv ujw raipD by y«n jw vpv nyi ptt Hyv bi Die Art und Weise wie hier einer der Entrepreneure der unselig entschlafenen Jubilarin eine Seelenmesse liest, ist zu charakteristisch, als daß man sie nicht wörtlich anführen sollte: „Am 12. Juni d. I. find mit Gott 50 „Jahre entschwunden, daß in Braunschweig „unter dem Vorsitz des Kirchenrath Dr. Mayer „auS Stuttgart die erste Rabbinerversammlung „zu ihrer 8 tägigen Verhandlung zusammentrat, „zu der der unvergeßliche Dr. L. Philippson „die erste Anregung und müht vollen Vorkeh- „rungen getroffen hatte." Ich muß bei diesen einleitenden Worten ein wenig Halt machen. — Daß Gott und mit ihm 50 Jahre entschwunden sein sollen, das ist gewiß nichts als ein böser lapoas calami, den man aber aufs Conto der „freudigen Wehmuth" setzen könne, von welcher weiter gesagt wird, daß ste den ganzen elegischen Erguß dtktirte. Gott ist nicht nur nicht mit den 50 Jahren entschwunden, sondern man wird gerade durch die Namen, die hier aus der verdienten Verschollenheit ins Gedächtnitz zurückgerufen werden, recht lebhaft daran erinnert, daß er noch exiftirt und nicht gesonnen zu sein scheint, sein Judenthum weltklugen jüdischen Abbeös weiter